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In den
letzten beiden Tipps ging es darum, gezielt andere Meinungen
einzuholen und sich ganz bewusst für Input zu öffnen.
Das ist nicht immer einfach, denn abgesehen davon, dass
man etwas vielleicht nicht hören möchte oder eine
andere Art von Feedback erwartet hatte, so sind wir alle
ganz normale Menschen. Darum lassen wir uns natürlich
auch schnell beeinflussen:
Nehmen
wir an, zwei Menschen sagen exakt dasselbe. Person A ist
eine nette, von Ihnen sehr geschätzte Kollegin. Person
B ist in Ihren Augen ein unsympathischer Depp.
Abgesehen
von der Tatsache, dass Sie der netten Kollegin vielleicht
lieber und offeneren Ohres zuhören, hat ihre Meinung
möglicherweise auch mehr Gewicht für Sie.
Wie Sie zu der Person stehen, hat höchstwahrscheinlich
noch weitere Auswirkungen. So haken Sie vielleicht bei
der sympathischen Kollegin gerne nach, teilen auch eigene
Ansichten oder Bedenken mit und können so noch mehr
von der fremden Meinung profitieren. Das wird mit einem
Gesprächspartner, dem Sie mit Antihaltung gegenüberstehen,
sicherlich eher selten passieren. Vielleicht nehmen Sie
ihm seine Aussage sogar übel, nur weil sie von ihm
kommt.
Denken
Sie aber bitte daran: Beide haben in unserem Szenario exakt
dasselbe gesagt.
Auch
wenn dieses Beispiel natürlich sehr plakativ gewählt
ist, verstehen Sie, worum es mir geht: Beim Bewerten fremder
Meinungen ist es zunächst einmal wichtig, die eigenen
Automatismen zu verstehen und auch zu erkennen, wo man sich
selbst die Wahrnehmung vernebelt. Denn Unsympath hin oder
her: Inhaltlich kann sich hier eine wahre Perle an Feedback
verbergen, die Sie nicht sehen können, wenn Sie die
Meinung von vornherein in die Tonne treten.
Doch natürlich spielen beim Bewerten einer fremden
Meinung noch weitere Aspekte eine Rolle:
Berücksichtigen
Sie bei einer anderen Meinung immer, wer diese äußert
und mit welchem Background und Blickwinkel. Erst recht,
wenn die Person von der Entscheidung mitbetroffen ist.
a) Der andere Standpunkt:
Beispiel:
Eine Jungmanagerin ist in der Zwickmühle, ob sie ein
Auslandsjahr einlegen soll oder nicht. Sie würde wahnsinnig
gerne die Chance wahrnehmen, in den USA zu arbeiten. Ihr
Freund verklickert ihr, dass sie sich wahrscheinlich die
Karriere verbaut, wenn sie ihren Job in der deutschen Niederlassung
aufgibt.
Diese
Meinung kann sehr wichtig sein und es mag gute Gründe
für diese Einstellung geben. Das Ganze zeigt sich jedoch
in einem anderen Licht, wenn der eigentliche Grund der ist,
dass der Freund nicht alleine bleiben und deshalb auf Biegen
und Brechen verhindern möchte, dass seine Lebensgefährtin
ins Ausland geht.
Damit
wir uns richtig verstehen: Selbstverständlich hat der
Freund, da er mitbetroffen ist, alles Recht der Welt, ein
Veto einzulegen und mit seiner Freundin seine Ansichten
zu teilen.
Wichtig
ist jedoch, dass man immer auch etwas näher hinschaut:
Gibt es eine andere "Agenda", einen Eigennutz,
der vielleicht dazu führt, dass mir jemand zu- oder
abrät?
(-> Auch darum
ist es so wichtig, qualitatives Feedback einzuholen)
b) Die andere Persönlichkeit
Auch
Charaktereigenschaften und Lebensstile prägen selbstverständlich
Vorgehensweisen.
Beispiel:
Ein sehr sicherheitsbewusster Angestellter hat ein Angebot
von seinem früheren Chef bekommen, in dessen neu gegründete
Firma einzusteigen. Er fragt seinen Vater. Dieser rät
ihm sofort zu.
Während
der Sohn sehr vorsichtig und besonnen ist, ist der Vater
eher ein No-risk-no-fun-Typ: Schnell entschlossen, risikofreudig
... und mit dem Grundvertrauen, dass es alles schon immer
irgendwie gehen wird.
Berücksichtigen
Sie immer auch, welcher Typ Mensch Sie ermutigt, ausbremst
oder negatives Feedback gibt. Jeder von uns hat eigene Erfahrungen
und einen eigenen Charakter, der unsere Einstellung und
unsere Lebensweise selbstverständlich prägt. Das
muss nicht immer ausgewogen sein: Es gibt Menschen, die
ihr ganzes Leben lang alles sehr vorsichtig angehen und
möglicherweise viele Gelegenheiten ungenutzt verstreichen
lassen. Diese gehen völlig anders an eigene Entscheidungen
heran - und das prägt natürlich auch das Feedback,
das sie anderen Menschen geben.
c) Meine Beziehung zur anderen Person
Wie
eingangs schon anhand eines Beispiels geschildert: Je nachdem,
wie Sie zu der anderen Person stehen, hören Sie auch
deren Meinung.
Fragen Sie sich darum: Wie stehe ich zu der Person? Wie
nahe steht sie mir? Mag ich sie, ist sie mir egal, mag ich
sie nicht? Oder kenne ich sie gar nicht richtig?
Kennen
Sie das auch? Bei manchen Menschen möchte man schon
aus Prinzip und Trotz anderer Meinung sein.
Beispiel:
Eine Angestellte ist über Kreuz mit ihrer Schwester.
Diese scheint eher auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen
und zu allem Überfluss hat sie auch noch meistens Recht.
Die Angestellte ertappt sich dabei, dass sie deshalb schon
automatisch eine Gegenhaltung einnimmt: Würde ihre
Schwester etwas überhaupt nicht tun, macht sie es erst
recht - und umgekehrt.
d) Kompetenz
Ein
weiterer wichtiger Aspekt für das Einordnen fremder
Meinungen sollte sein, wie kompetent die Person ist - gerade
wenn es um fachliche Fragen geht.
Beispiel:
Ein Angestellter strebt eine Führungsposition an. Allerdings
hat er kein Studium. Seine Freunde sagen ihm, dass er das
eh abhaken kann: Denn ohne Studienabschluss bekommt er nie
die Abteilungsleitung.
Auch
wenn natürlich die Meinung anderer durchaus hilfreich
sein kann, selbst wenn diese keinen fachlichen Background
haben, so muss man den Einblick und die Kompetenz bei jeder
Meinung mit berücksichtigen. Das heißt nicht,
dass jemand vom Fach immer tolle und richtige Ansagen macht.
Es bedeutet lediglich, dass Sie sich immer auch fragen:
Welchen Background hat der/die andere? Wie schätze
ich die Fachkompetenz ein?
Auch das können Sie übrigens viel besser beurteilen,
wenn Sie qualitativ nachhaken.
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