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Entscheidungen - Tipp Nr. 23:
Sprunghaftigkeit, Teil 1
 
 
Wenn man in seinen Gedanken und Handlungen sprunghaft ist, ist das oft sehr schwierig - nicht nur, weil es auf das Umfeld so wirkt, als ob man "willkürlich" oder "wie ein Fähnchen im Wind" (re)agiert, sondern auch, weil einem die mangelnde Beständigkeit mitunter ein Bein stellt. Denn bei Entscheidungen gibt es mehrere Phasen, in denen ein sprunghaftes Wesen ganz schön hinderlich sein kann.

Sehen wir uns einige "Formen" von Sprunghaftigkeit etwas näher an. Wenn Sie selbst etwas sprunghaft sind, wird es Ihnen zu einem Aha-Effekt verhelfen - womöglich haben Sie sich bislang immer nur bescheinigt "Ich kann mich einfach nicht entscheiden!". Wenn Sie zu den beständigen, überlegten Menschen gehören - womöglich sogar zu denen, die komme, was da wolle, konsequent handeln (vielleicht auch in Situationen, wo Sie eigentlich gerne Ihre Meinung ändern würden), gibt es Ihnen vielleicht einen neuen - etwas differenzierteren Blick - auf das scheinbar gedankenlose Auf und Ab.

 

"EKG-Menschen"

Wie bei einem EKG gibt es große Ausschläge nach oben und nach unten: Der "EKG-Mensch" ist jemand, der spontan ist, der auch viel aus dem Bauch heraus tut.

Feuer und Flamme für eine neue Sportart? - Jaaaaa! Das mach ich jetzt. Und dann wird heftigst damit angefangen, begeistert mitgemacht und verkündet und nach drei, vier Wochen ist die Sache "out".

Eine neue Aufgabe wird voller Begeisterung übernommen, man setzt sich ein und macht und tut - aber plötzlich verliert man die Motivation und lässt es ganz. Mit Ideen, neuen Aufgaben, Einstellungen kann das ganz ähnlich sein.

Zu oberflächlich wäre es, all das als mangelnde Konsequenz zu deuten. Vielmehr ist es immer im Kontext der eigenen Persönlichkeit zu sehen:

- Bin ich jemand, der starke Gefühle empfindet? Der beispielsweise einerseits sehr begeisterungsfähig ist und sich reinhängt, aber andererseits auch einfach Lustlosanfälle bekommt oder nach einer bestimmten Zeit das anfängliche Interesse verliert?

- Brauche ich ein bestimmtes Drumherum, Verhalten oder eine Motivation, um bei der Stange zu bleiben? Wenn der "EKG-Mensch" schlau ist, (er)kennt er sein Auf und Ab und kann gegensteuern. So kann er sich für die neue Sportart einen festen Rahmen schaffen, zum Beispiel eine Gruppe oder einen Sportpartner suchen (Aber genau hinsehen: Da braucht es idealerweise einen, der zur stabilen Sorte gehört!).
Geht die Motivation schnell flöten, etwa weil man jemandem hilft, der sich seinerseits aber hängen lässt, ist es wichtig von vornherein klar zu sagen, unter welchen Umständen man hilft bzw. was man vom anderen erwartet.

 

"Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?"

Ganz wichtig: Wir reden hier nicht von Unzuverlässigkeit und Ignoranz! Es geht an dieser Stelle um die durchaus positive Fähigkeit, seine Meinung - auch vor anderen - zu ändern. Stellen Sie sich den Spruch also in einer launigen, augenzwinkernden Version vor.

Im Gegensatz zu Menschen, die innerlich sehr starr sind ("Ich muss alles, was ich angefangen habe, bis zum Ende durchziehen - auch wenn ich es gar nicht mehr möchte!"), hat jemand, der sich traut, vor sich und anderen seine Entscheidungen zu ändern, den großen Vorteil, dass er sich keine Fesseln anlegt, sondern auch eher mal etwas spontan äußern kann, etwas einfach ausprobiert - und dann aber auch genauso problemlos sagen kann: "Ja, schön war's, das mal probiert zu haben, aber ist doch nicht so meins." Oder: "Stimmt. Gestern dachte ich noch, xy ist eine gute Idee. Aber heute seh ich das anders."

Ein schönes Beispiel dafür sind Entscheidungen, die aus einer bestimmten Situation heraus entstehen. Nehmen Sie den bevorstehenden Jahreswechsel und den alten Klassiker der guten Vorsätze: Spontan zu beschließen, nächstes Jahr Sache X endlich anzugehen, ist eine gute Sache. Und wenn man das dann wirklich noch will, einen Plan zu machen und es anzugehen. Super!
Aber: Wenn man merkt, dass man es - auch für sich selbst - aus einem momentanen Impuls heraus nur so dahingesagt und das Ganze innerlich schnell wieder verworfen hat, dann wäre es völlig kontraproduktiv, sich als Loser abzustempeln, der nichts durchhält.

Natürlich ist es wichtig, nicht gleich sämtliche Ansichten, Überlegungen und Entscheidungen gleich wieder über Bord zu kippen, sondern sich immer erst näher damit zu befassen: Warum ist das für mich nicht mehr attraktiv? Inwiefern habe ich jetzt eine andere Meinung dazu? Warum möchte ich es nicht mehr?

Dann stellt sich sehr oft heraus, dass es eigentlich um eine ganz andere Sache geht: Zum Beispiel möchte man zwar unbedingt 10 kg abspecken, aber man merkt, dass es einen ganz schön Anstrengung kostet, eine bewusstere Ernährung und mehr Bewegung in den bisherigen Alltag einzubauen. Bevor man das nun schnell komplett verwirft, ist es besser zu schauen: Was brauche ich, um bei der Stange zu bleiben? Und natürlich auch: Wie gehe ich denn bisher vor und mit welchem Erfolg? - Häufig ist der gewählte Weg überhaupt nicht der richtige und man macht sich das Leben unnötig schwer oder steht dem schnelleren Erfolg selbst im Weg.

 

Der differenzierte Blick

Es gibt Menschen, die eher eine Schwarz-Weiß-Sicht der Dinge haben, und es gibt andere, die viele Grautöne sehen. Ein plakatives Beispiel, das Ihnen vielleicht bekannt vorkommt: Jemand hat sich über einen Kollegen geärgert und sagt: "Mann, der Typ ist sowas von bescheuert! Ich hasse den." und zehn Minuten später sagt dieselbe Person, als sie eine E-Mail von eben diesem Kollegen liest: "Der ist echt nett! Dass er daran gedacht hat!"

Schwarz-Weiß-Menschen bekommen bei solchen Aussagen die Krise: Wie kann man denn auf jemanden schimpfen und jemanden "hassen" und für "bescheuert" halten und schon kurz darauf demselben Menschen freundlich lächelnd Nettigkeit bescheinigen? Wohlgemerkt nicht, um offensichtlich "schön zu tun", sondern das anscheinend sogar so zu meinen.

Liegt es daran, dass jemand nicht weiß, was er will? Nicht konsequent ist? Sich selbst belügt? Vielleicht doch irgendwas schönreden möchte?

Natürlich gibt es auch das. Doch wir konzentrieren uns in diesem Fall erneut auf die Sprunghaftigkeit und den differenzierten Blick. Menschen, die die Komplexität einer Sache wahrnehmen, die einen offenen Blick haben ("Es könnte so sein, es könnte aber auch so oder so oder so oder so sein."), die sich in andere hineinversetzen können - und die auch nicht alles auf die Goldwaage legen, können durchaus verschiedene Facetten einer einzigen Sache sehen und anerkennen.

Was Entscheidungssituationen nicht immer einfacher macht, weil alles viel komplexer erscheinen kann und weil man auch viel größere Konsequenzen vermutet (die zum Teil möglich, zum anderen Teil aber auch sehr abwegig sein können und die Tatsachen unnötig verkomplizieren).

 

Ein sprunghaftes Gehirn

Diejenigen unter Ihnen, die gedanklich schnell hin- und herspringen, wissen, was gemeint ist: Man denkt über etwas nach und schon kommt man vom Hölzchen auf's Stöckchen. Es gelingt einem schlichtweg nicht, im eigenen Gehirn auf Kurs zu bleiben, weil einem immer was Neues einfällt: weitere Aspekte, mögliche Konsequenzen, ganz andere Dinge, die mit der aktuellen Sache gar nichts zu tun haben.

Stellen Sie sich das Gehirn wie einen Flipper vor: Ein Gedanke in Form einer Kugel wird ins Spiel geschossen und jetzt prallt dieser Gedanke wie verrückt von einem Hindernis zum anderen ab. Kein Wunder, dass man weder einen klaren Gedanken fassen noch strukturiert eine Entscheidung abarbeiten kann.

Menschen mit sprunghaften Gedanken sind daher am besten damit bedient, schriftlich zu denken und sich immer erst eine klare Struktur aufzuschreiben, worum es geht und was sie entscheiden möchten (Tipp 1: Lage sondieren, Tipp 17: System reinbringen).
Wenn Ihnen auch das im Alleingang schwer fällt, ist es gut, sich jemanden zu holen, der strukturierter ist, Ihnen die richtigen Fragen stellt und Sie auch immer wieder geduldig zurück zur jeweiligen Ursprungsfrage bringt. Eine gute Entscheidung verlangt immer, dass man in die Tiefe geht und nicht von einer oberflächlichen Überlegung zur nächsten springt.

 

Sprunghaftigkeit, um sich nicht festlegen (zu müssen/wollen)

Natürlich gibt es auch die Zweck-Sprunghaftigkeit (bewusst und unbewusst): Man möchte sich nicht festlegen, man hat Angst davor, weil man nicht weiß, ob eine Sache Bestand hat oder ob man dieser gewachsen ist.

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Das sind nur einige wichtige Formen und Konsequenzen von Sprunghaftigkeit. Diese treten nicht immer geballt auf und es gibt auch eigentlich beständige Menschen, die nur in bestimmten Lebensbereichen oder Situationen die eine oder andere Form davon zeigen.

Wichtig ist, dass Sie sich selbst gut genug kennen(lernen), um sich auch ertappen zu können - und daraufhin hinterfragen: Was steckt dahinter? Wie kann ich mit diesen sprunghaften Gedanken oder meinem Drang, etwas schnell zu machen oder doch wieder zu verwerfen, in diesem Moment sinnvoll umgehen?

 

 
   
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