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Wenn
man in seinen Gedanken und Handlungen sprunghaft ist, ist
das oft sehr schwierig - nicht nur, weil es auf das Umfeld
so wirkt, als ob man "willkürlich" oder "wie
ein Fähnchen im Wind" (re)agiert, sondern auch,
weil einem die mangelnde Beständigkeit mitunter ein Bein
stellt. Denn bei Entscheidungen gibt es mehrere Phasen, in
denen ein sprunghaftes Wesen ganz schön hinderlich sein
kann.
Sehen
wir uns einige "Formen" von Sprunghaftigkeit etwas
näher an. Wenn Sie selbst etwas sprunghaft sind, wird
es Ihnen zu einem Aha-Effekt verhelfen - womöglich
haben Sie sich bislang immer nur bescheinigt "Ich kann
mich einfach nicht entscheiden!". Wenn Sie zu den beständigen,
überlegten Menschen gehören - womöglich sogar
zu denen, die komme, was da wolle, konsequent handeln (vielleicht
auch in Situationen, wo Sie eigentlich gerne Ihre Meinung
ändern würden), gibt es Ihnen vielleicht einen
neuen - etwas differenzierteren Blick - auf das scheinbar
gedankenlose Auf und Ab.
"EKG-Menschen"
Wie
bei einem EKG gibt es große Ausschläge nach oben
und nach unten: Der "EKG-Mensch" ist jemand, der
spontan ist, der auch viel aus dem Bauch heraus tut.
Feuer
und Flamme für eine neue Sportart? - Jaaaaa! Das mach
ich jetzt. Und dann wird heftigst damit angefangen, begeistert
mitgemacht und verkündet und nach drei, vier Wochen
ist die Sache "out".
Eine
neue Aufgabe wird voller Begeisterung übernommen, man
setzt sich ein und macht und tut - aber plötzlich verliert
man die Motivation und lässt es ganz. Mit Ideen, neuen
Aufgaben, Einstellungen kann das ganz ähnlich sein.
Zu oberflächlich
wäre es, all das als mangelnde Konsequenz zu deuten.
Vielmehr ist es immer im Kontext der eigenen Persönlichkeit
zu sehen:
- Bin
ich jemand, der starke Gefühle empfindet? Der beispielsweise
einerseits sehr begeisterungsfähig ist und sich reinhängt,
aber andererseits auch einfach Lustlosanfälle bekommt
oder nach einer bestimmten Zeit das anfängliche Interesse
verliert?
- Brauche
ich ein bestimmtes Drumherum, Verhalten oder eine Motivation,
um bei der Stange zu bleiben? Wenn der "EKG-Mensch"
schlau ist, (er)kennt er sein Auf und Ab und kann gegensteuern.
So kann er sich für die neue Sportart einen festen
Rahmen schaffen, zum Beispiel eine Gruppe oder einen Sportpartner
suchen (Aber genau hinsehen: Da braucht es idealerweise
einen, der zur stabilen Sorte gehört!).
Geht die Motivation schnell flöten, etwa weil man jemandem
hilft, der sich seinerseits aber hängen lässt,
ist es wichtig von vornherein klar zu sagen, unter welchen
Umständen man hilft bzw. was man vom anderen erwartet.
"Was
kümmert mich mein Geschwätz von gestern?"
Ganz
wichtig: Wir reden hier nicht von Unzuverlässigkeit
und Ignoranz! Es geht an dieser Stelle um die durchaus positive
Fähigkeit, seine Meinung - auch vor anderen - zu ändern.
Stellen Sie sich den Spruch also in einer launigen, augenzwinkernden
Version vor.
Im Gegensatz
zu Menschen, die innerlich sehr starr sind ("Ich muss
alles, was ich angefangen habe, bis zum Ende durchziehen
- auch wenn ich es gar nicht mehr möchte!"), hat
jemand, der sich traut, vor sich und anderen seine Entscheidungen
zu ändern, den großen Vorteil, dass er sich keine
Fesseln anlegt, sondern auch eher mal etwas spontan äußern
kann, etwas einfach ausprobiert - und dann aber auch genauso
problemlos sagen kann: "Ja, schön war's, das mal
probiert zu haben, aber ist doch nicht so meins." Oder:
"Stimmt. Gestern dachte ich noch, xy ist eine gute
Idee. Aber heute seh ich das anders."
Ein
schönes Beispiel dafür sind Entscheidungen, die
aus einer bestimmten Situation heraus entstehen. Nehmen
Sie den bevorstehenden Jahreswechsel und den alten Klassiker
der guten Vorsätze: Spontan zu beschließen, nächstes
Jahr Sache X endlich anzugehen, ist eine gute Sache. Und
wenn man das dann wirklich noch will, einen Plan zu machen
und es anzugehen. Super!
Aber: Wenn man merkt, dass man es - auch für sich selbst
- aus einem momentanen Impuls heraus nur so dahingesagt
und das Ganze innerlich schnell wieder verworfen hat, dann
wäre es völlig kontraproduktiv, sich als Loser
abzustempeln, der nichts durchhält.
Natürlich
ist es wichtig, nicht gleich sämtliche Ansichten, Überlegungen
und Entscheidungen gleich wieder über Bord zu kippen,
sondern sich immer erst näher damit zu befassen: Warum
ist das für mich nicht mehr attraktiv? Inwiefern habe
ich jetzt eine andere Meinung dazu? Warum möchte ich
es nicht mehr?
Dann
stellt sich sehr oft heraus, dass es eigentlich um eine
ganz andere Sache geht: Zum Beispiel möchte man zwar
unbedingt 10 kg abspecken, aber man merkt, dass es einen
ganz schön Anstrengung kostet, eine bewusstere Ernährung
und mehr Bewegung in den bisherigen Alltag einzubauen. Bevor
man das nun schnell komplett verwirft, ist es besser zu
schauen: Was brauche ich, um bei der Stange zu bleiben?
Und natürlich auch: Wie gehe ich denn bisher vor und
mit welchem Erfolg? - Häufig ist der gewählte
Weg überhaupt nicht der richtige und man macht sich
das Leben unnötig schwer oder steht dem schnelleren
Erfolg selbst im Weg.
Der
differenzierte Blick
Es gibt
Menschen, die eher eine Schwarz-Weiß-Sicht der Dinge
haben, und es gibt andere, die viele Grautöne sehen.
Ein plakatives Beispiel, das Ihnen vielleicht bekannt vorkommt:
Jemand hat sich über einen Kollegen geärgert und
sagt: "Mann, der Typ ist sowas von bescheuert! Ich
hasse den." und zehn Minuten später sagt dieselbe
Person, als sie eine E-Mail von eben diesem Kollegen liest:
"Der ist echt nett! Dass er daran gedacht hat!"
Schwarz-Weiß-Menschen
bekommen bei solchen Aussagen die Krise: Wie kann man denn
auf jemanden schimpfen und jemanden "hassen" und
für "bescheuert" halten und schon kurz darauf
demselben Menschen freundlich lächelnd Nettigkeit bescheinigen?
Wohlgemerkt nicht, um offensichtlich "schön zu
tun", sondern das anscheinend sogar so zu meinen.
Liegt
es daran, dass jemand nicht weiß, was er will? Nicht
konsequent ist? Sich selbst belügt? Vielleicht doch
irgendwas schönreden möchte?
Natürlich
gibt es auch das. Doch wir konzentrieren uns in diesem Fall
erneut auf die Sprunghaftigkeit und den differenzierten
Blick. Menschen, die die Komplexität einer Sache wahrnehmen,
die einen offenen Blick haben ("Es könnte so sein,
es könnte aber auch so oder so oder so oder so sein."),
die sich in andere hineinversetzen können - und die
auch nicht alles auf die Goldwaage legen, können durchaus
verschiedene Facetten einer einzigen Sache sehen und anerkennen.
Was
Entscheidungssituationen nicht immer einfacher macht, weil
alles viel komplexer erscheinen kann und weil man auch viel
größere Konsequenzen vermutet (die zum Teil möglich,
zum anderen Teil aber auch sehr abwegig sein können
und die Tatsachen unnötig verkomplizieren).
Ein
sprunghaftes Gehirn
Diejenigen
unter Ihnen, die gedanklich schnell hin- und herspringen,
wissen, was gemeint ist: Man denkt über etwas nach
und schon kommt man vom Hölzchen auf's Stöckchen.
Es gelingt einem schlichtweg nicht, im eigenen Gehirn auf
Kurs zu bleiben, weil einem immer was Neues einfällt:
weitere Aspekte, mögliche Konsequenzen, ganz andere
Dinge, die mit der aktuellen Sache gar nichts zu tun haben.
Stellen
Sie sich das Gehirn wie einen Flipper vor: Ein Gedanke in
Form einer Kugel wird ins Spiel geschossen und jetzt prallt
dieser Gedanke wie verrückt von einem Hindernis zum
anderen ab. Kein Wunder, dass man weder einen klaren Gedanken
fassen noch strukturiert eine Entscheidung abarbeiten kann.
Menschen
mit sprunghaften Gedanken sind daher am besten damit bedient,
schriftlich zu denken und sich immer erst eine klare Struktur
aufzuschreiben, worum es geht und was sie entscheiden möchten
(Tipp 1: Lage sondieren,
Tipp 17: System
reinbringen).
Wenn Ihnen auch das im Alleingang schwer fällt, ist
es gut, sich jemanden zu holen, der strukturierter ist,
Ihnen die richtigen Fragen stellt und Sie auch immer wieder
geduldig zurück zur jeweiligen Ursprungsfrage bringt.
Eine gute Entscheidung verlangt immer, dass man in die Tiefe
geht und nicht von einer oberflächlichen Überlegung
zur nächsten springt.
Sprunghaftigkeit,
um sich nicht festlegen (zu müssen/wollen)
Natürlich
gibt es auch die Zweck-Sprunghaftigkeit (bewusst und unbewusst):
Man möchte sich nicht festlegen, man hat Angst davor,
weil man nicht weiß, ob eine Sache Bestand hat oder
ob man dieser gewachsen ist.
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Das
sind nur einige wichtige Formen und Konsequenzen von Sprunghaftigkeit.
Diese treten nicht immer geballt auf und es gibt auch eigentlich
beständige Menschen, die nur in bestimmten Lebensbereichen
oder Situationen die eine oder andere Form davon zeigen.
Wichtig
ist, dass Sie sich selbst gut genug kennen(lernen), um sich
auch ertappen zu können - und daraufhin hinterfragen:
Was steckt dahinter? Wie kann ich mit diesen sprunghaften
Gedanken oder meinem Drang, etwas schnell zu machen oder
doch wieder zu verwerfen, in diesem Moment sinnvoll umgehen?
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