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Entscheidungen - Tipp Nr. 11:
Pro-und-Contra-Liste, Teil 1
 
 
Geht es Ihnen auch so? Da schreibt man sich Für und Wider einer Sache auf ... doch schlauer ist man nicht wirklich. Meist stellt man sich selbst ein Bein, indem man eine Pro-und-Contra-Liste zu oberflächlich aufbaut und/oder sich selbst manipuliert. Hier fünf typische Fehler:


1. Nicht konkret genug

-> "Die Arbeit bei Firma A klingt vielseitig."

Hier verbergen sich zwei Fallen: Zum einen ist "vielseitig" ein sehr weiter Begriff. Es ist wichtig, näher festzulegen, was man selbst darunter versteht, und sich damit zu beschäftigen, was genau diese Stelle besonders attraktiv im Sinne von vielseitig erscheinen lässt.

Die zweite Falle ist, dass man die eigenen Spekulationen mit Wissen verwechselt -> vielleicht klingt die Stelle vielseitig, weil eine ganze Liste von Aufgaben aufgeführt ist. Doch wie der Arbeitsalltag aussieht, wissen Sie noch nicht wirklich. Darum tragen Sie vorher immer so viele Fakten wie möglich zusammen. Und wenn Sie spekulieren (auch das ist bei Entscheidungen natürlich oft der Fall!), dann behalten Sie bewusst im Auge, was Annahme und was Fakt ist. Denn das ist für das spätere Abwägen wichtig.


2. Äpfel mit Birnen vergleichen

-> "Wohnung X hat ein Bad mit Fenster. Dagegen ist Wohnung Y in Hamburg."

Auf diese Weise gegenübergestellt, nützt ein Vergleich nicht viel. Natürlich mag es sein, dass beide Aspekte ein wichtiger Entscheidungsfaktor für Sie sind. Jedoch ist es wichtig, den Stellenwert der einzelnen Kriterien separat zu betrachten. Und das geht nur dann, wenn Sie diese weiter konkretisieren (siehe auch Übung 11).
Außerdem ist es wichtig, die ausschlaggebenden Kriterien zu gewichten: Was wiegt mehr und warum?


3. Auswertung nach Quantität

-> "Die Pro-Seite ist länger geworden, also heißt das ‚Ja'."

Es ist wahrscheinlich der am meisten verbreitete Fehler, dass man die Entscheidung davon abhängig macht, welche Seite anzahlmäßig überwiegt. Ihre Einträge sind allerdings niemals gleichwertig, denn:
- alleine das Formulieren beeinflusst die Anzahl
- die Kriterien haben unterschiedliches Gewicht (wichtigere Faktoren "wiegen schwerer")

Ein Beispiel: Ihr Partner will eine Asienreise machen. Sie sind unsicher.

Auf der Pro-Seite steht:
- sehe etwas von der Welt
- günstiger Urlaub vor Ort

Auf der Contra-Seite steht:
- Impfungen nötig
- lange Flugzeit
- Rucksack-Reise
- Unterkünfte nicht vorgeplant - unsicher
- Flug ziemlich teuer

An diesem Beispiel sieht man, dass die Contra-Seite sehr viel mehr aufgesplittet ist und zwangsläufig überwiegen muss.

Doch auch wenn wir davon ausgehen, dass alle Argumente in unserem Beispiel gleichermaßen konkretisiert wurden, so gibt es immer Gründe, die schwerer wiegen. Nehmen wir an, dass es gleich viele "objektive" Argumente auf beiden Seiten gibt. Oder dass sogar die Pro-Seite sehr viel länger ist. Wenn auf der Contra-Seite jedoch steht, dass unser Urlauber sehr ungerne fliegt, dann würde dieser Punkt für die Person natürlich sehr schwer wiegen.

Zudem ist, wenn Sie so vorgehen, die Gefahr der Selbstmanipulation sehr hoch (siehe "Pseudo-Liste" weiter unten).


4. Manipulierende Formulierungen

Bleiben wir kurz beim Beispiel eben:
- zu lange Flugzeit
- Reisekosten absolut überteuert
- Gepäck herumschleppen

Alleine dadurch, wie man einen Punkt formuliert, kann man sich schon ganz schön selbst in eine Ecke drängen. Damit wir uns richtig verstehen: Es sagt natürlich eine ganze Menge darüber aus, wie man selbst zu einer Sache steht. Von daher ist es durchaus hilfreich, wenn man Für und Wider so aufschreibt, wie es einem in den Sinn kommt.

Dann ist es aber nicht wirklich hilfreich, eine Liste in dieser Form zu bewerten und die einzelnen Argumente gegeneinander abzuwägen. In diesem Falle ist es viel besser, die Punkte einzeln durchzugehen und sich damit auseinander zu setzen, warum man so und nicht anders formuliert hat. Und natürlich eine etwaige Anti- (oder zu enthusiastische) Haltung besonders zu berücksichtigen.


5. Pseudo-Liste

Eine Pseudo-Liste erstellt man manchmal absichtlich - und manchmal unbewusst.

Es gibt die Pro-und-Contra-Listen, die nur entstehen, um irgendwie so zu tun, als ob der Verstand eine Rolle spielte. Angenommen, Ihr/e Freund/in schlägt vor, zusammenzuziehen.

Szenario A: Sie haben absolut keine Lust, zusammenzuziehen. Doch das können oder wollen Sie so nicht sagen. Also ist es besser, "Verstandesgründe" zu finden, um den Vorschlag erstmal abzuwenden.

Szenario B: Sie wollen nicht zusammenziehen, etwa weil Sie Angst haben, das könnte der Beziehung schaden. Das wissen Sie aber möglicherweise gar nicht. Das mag seltsam klingen und doch passiert es sehr häufig, dass man sich einer Sache nicht richtig bewusst ist.

Im nächsten Tipp: Wie Sie eine aussagekräftige Pro-und-Contra-Liste erstellen, die Ihnen bei Ihrer Entscheidung wirklich hilft.

 

 
   
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(c) 1999-2010 objektiv. Bewerbung & Business, Christine Öttl und Gitte Härter GbR
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