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Die
meisten Selbstständigen, denen ich begegne, sind unsicher,
wenn es um ihr Honorar geht. Was sollten/können sie
verlangen? Meine Güte, wenn ich zu hoch ansetze, bekomme
ich den Auftrag möglicherweise nicht oder verliere
den Kunden vielleicht sogar ganz.
Diese
innere Unsicherheit wird nach außen getragen - und
dann kann es sein, dass Sie einen Auftrag deswegen nicht
erhalten, weil Sie nicht glaubwürdig genug rüberkommen.
Oder dass Sie vor lauter Angst, dass Sie über Geld
verhandeln sollen, überhaupt nicht mehr für sich
argumentieren.
Das
Fundament: Warum Sie?
Sicherlich
haben Sie diese Frage schon oft gehört: Warum sollte
jemand ausgerechnet Sie beauftragen bzw. Ihr Kunde werden?
Na, wie sieht's aus? Haben Sie sich diese Frage schon einmal
wirklich gestellt und sich ausführlich Gedanken darüber
gemacht? Nein? Dann wird's Zeit. Denn wenn Sie es nicht
einmal wissen, wie sollte ein potenzieller Auftraggeber
davon überzeugt werden?
Also:
Stift und Zettel geholt. Gemütlich machen. Und jetzt
einmal alles aufschreiben, was für Sie und Ihre Leistungen
spricht.
Tipp:
Die meisten Selbstständigen argumentieren an dieser
Stelle lediglich mit ihrem fachlichen Können - "weil
ich so viel Erfahrung habe". Das reicht nicht aus.
Denn zum einen geht es darum, dass Sie sich ganz konkret
Gedanken machen (was heißt "soviel" Erfahrung
genau, was sind die Vorteile, die daraus entstehen). Zum
anderen ist das Fachliche zwar elementar, doch das alleine
reicht nicht aus. Viele andere Ihrer Mitbewerber sind gleich
oder besser qualifiziert, wenn man sich ausschließlich
den fachlichen Bereich und die Berufserfahrung ansieht.
Darum:
- Was
konkret spricht für mich/meine Leistung aus fachlicher
Sicht?
- Was
haben meine Kunden von mir - auch aus persönlicher
Sicht?
Denken
Sie völlig offen und notieren Sie alles, was Ihnen
auffällt. Erst im nächsten Schritt geht es dann
ans Hinterfragen: Was genau bedeutet das? Was wäre
ein Beispiel für diese Qualität/dieses Argument?
Fühlen
Sie sich wohl mit Ihren Preisen?
Jetzt
kommen wir zum Geld. Oft ist es gar nicht so einfach, genau
zu bestimmen, was man denn für eine bestimmte Leistung
veranschlagen soll oder möchte. Gerade wer neu im Geschäft
ist, ist oft unsicher: Was verlangen denn andere? Denn man
möchte ja weder total unter den üblichen Preisen
liegen, noch viel zu teuer sein.
Grundlage
ist, dass Sie Ihr Angebot richtig durchrechnen. Das ist
natürlich eine ganz individuelle Sache - und kann durch
regionale Gegebenheiten, Ihre Klientel etc. zusätzlich
beeinflusst werden. Informieren Sie sich an Ihrem Wohnort
bzw. in Ihrer Branche über marktübliche Honorare
- dies sollte jedoch nur als Orientierung dienen. Kalkulieren
Sie immer individuell. Und lassen Sie sich nicht davon irritieren,
dass es Mitbewerber gibt, die günstiger sind als Sie.
Die wird es immer geben. Lassen Sie sich bei der Preiskalkulation
eventuell beraten, wenn Sie alleine nicht weiterkommen.
Zurück
zu unserem Thema: Sehen Sie sich Ihre Preisliste einmal
an. Fühlen Sie sich damit wohl? Oder denken Sie insgeheim,
dass "der Kunde das eh nie zahlt" oder dass es
eigentlich zu günstig ist?
Tipp:
Hören Sie sich einmal selbst zu, wenn Sie telefonisch
oder persönlich Ihr Honorar nennen. Ist dieser Teil
des Angebots völlig selbstverständlich für
Sie und sagen Sie selbstbewusst das Honorar oder drucksen
Sie eher rum "eigentlich ist mein Honorar xy"
oder sagen überhaupt nichts, in der Hoffnung, Ihr Gegenüber
wird das mit dem Geld schon irgendwann ansprechen.
Übrigens
sollten Sie durchaus eine detaillierte eigene Vorstellung
und Preiskalkulation haben. Es gibt Selbstständige,
die mehr oder weniger vollständig ihren Kunden überlassen,
was diese zahlen wollen oder können. Da wird dann direkt
gefragt "Was haben Sie sich gedacht?", "Wie
hoch ist Ihr Budget dafür?" oder gar "Was
können Sie denn zahlen?" und dann alles einfach
so akzeptiert, weil es "ja nicht anders geht".
Alles,
was Sie tun - oder nicht tun - hat eine Wirkung. Und wenn
Sie über Ihr eigenes Honorar nicht sprechen können
oder unsicher sind, dann kann das durchaus auch eine negative
Wirkung haben. Es kann sogar soweit gehen, dass man Ihnen
bestimmte Leistungen erst gar nicht zutraut.
Argumente
in eigener Sache
Es ist
beileibe nicht so, dass es Auftraggebern ausschließlich
ums Geld geht. Gerade wenn man selbst unsicher in dieser
Beziehung ist, konzentriert man sich häufig nur noch
darauf. Natürlich ist Geld relevant: Jeder möchte
und muss mit seinem Geld haushalten und wünscht sich
ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das auf "möglichst
niedrige Preise" zu reduzieren, wäre höchst
einseitig.
Das
heißt für Sie, dass Sie Interessenten und Auftraggebern
Ihre Leistung auch aktiv vermitteln müssen - denn wie
soll jemand sonst wissen, was er von Ihrer Leistung hat
und wieviel er von Ihnen als Dienstleister profitiert?
Im ersten
Punkt ging es bereits darum, was für Sie spricht: Ihre
persönlichen und fachlichen Eigenschaften und Fähigkeiten.
Wie sieht es hier bei Ihnen aus?
- Sprechen
Sie gern und selbstbewusst über sich und Ihre Leistungen?
- Oder
ist es Ihnen unangenehm, gut über sich selbst zu sprechen?
Wohlgemerkt:
Es geht hier nicht um Dampfgeplauder à la Ich-bin-der-Größte.
Auch hier heißt es wieder konkret zu werden und Ihre
Leistungen so ins rechte Licht zu rücken, dass es Ihnen
auch entspricht.
Sehen
Sie sich Ihr gesamtes Angebot an und machen Sie sich Gedanken,
wie Sie positiv dafür argumentieren: Bringen Sie Ihre
Argumente für Ihre Leistung und für Ihre Person
einmal so richtig in Form. Schreiben Sie auf, was Sie zur
Zeit sagen bzw. künftig gern sagen möchten, wenn
Fragen dazu kommen oder auch Einwände wie "ganz
schön teuer, oder?".
Wie
gesagt: Wenn Sie selbst nicht davon überzeugt sind,
dass Sie Ihr Geld wert sind, wieso sollte es dann ein potenzieller
Auftraggeber sein?
Positiver
Nebeneffekt: Wenn Sie sich diese Fragen einmal detailliert
beantworten, erleben Sie sicher auch den einen oder anderen
Aha-Effekt. Der könnte auch dazu führen, dass
Sie anders nach außen auftreten als Sie das bisher
getan haben.
Viel
Erfolg!
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