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Bei
Bewerbungen ist es so: Normales "Schreibmaschinenpapier"
ist vollkommen in Ordnung, denn dieses Papier ist üblich
und so wird sich der Personaler gar keine Gedanken darüber
machen. Nutzt man nun statt dessen ein hochwertigeres, etwas
festeres Papier, dann fällt das plötzlich positiv
auf.
Bei
der Kundenbeziehung ist es nicht anders. Lernen Sie mit
mir Herrn B. kennen, einen Verkäufer in einem Möbelgeschäft,
der mich mit einigen kleinen Gesten beeindruckt hat - als
Kundin, aber auch aus professioneller Sicht.
Herr
B. ist ein Mann in den Fünfzigern, der für eine
größere Möbelhauskette tätig ist. Er
ist einfach er selbst und legt kein typisches Verkäuferbenehmen
an den Tag. Das Ladengeschäft ist weiträumig und
drei Stockwerke hoch. - Das wird alles gleich relevant.
Auch wenn Herr B. nicht selbstständig ist, können
Sie viele Anregungen für Ihr eigenes Business bekommen.
"Geht
mir ganz genauso!"
Ich
hasse es einzukaufen. Entsprechend verliere ich a) schnell
die Lust, wenn ich nicht auf Anhieb das finde, was ich suche,
und b) möchte ich alles so schnell und einfach wie
möglich über die Bühne bringen.
Zwei
Minuten, nachdem mir Herr B. ein Möbelstück gezeigt
hat, schlage ich ein. Als dann die Frage nach anderen Farben
kommt, stelle ich gleich mal klar, dass ich nicht gerne
einkaufe und alles zack-zack erledigen will. - "Das
geht mir ganz genauso!", sagt Herr B., belässt
es aber dabei nicht: "Auch mit Kleidung. Wenn ich eine
Hose probiere und sie passt nicht gleich, reicht es mir
schon."
...
und schon lachen wir, weil uns etwas verbindet.
Wichtig:
Reden Sie nie einem Kunden nach dem Mund! Sondern gehen
Sie ehrlich darauf ein.
Herr
B. hatte in dem Fall eine Gemeinsamkeit mit mir. Das hat
uns beiden doppelt genutzt: Zum einen haben wir uns darüber
kurz gut unterhalten und sind uns daher "näher
gekommen", zum anderen hat er sich in seiner Art, mich
zu beraten, darauf auch eingestellt.
Als
er mich beispielsweise fragte, welche Schranktürgriffe
ich haben möchte, meinte ich: "Mir total egal."
Anstatt nun zu diskutieren, dass ich das entscheiden müsse,
damit er entsprechend bestellen könne, hat er mir einfach
was vorgeschlagen: "Dann nehmen wir die hier ...".
Sofern es mir doch nicht egal gewesen wäre, hätte
ich an dieser Stelle nachhaken können - es bestand
also keine Gefahr, dass der Verkäufer mich überrumpelte.
Ist
die Situation aber nun anders und der Verkäufer beispielsweise
jemand, der sehr gern einkauft und genau auf alle Details
achtet, bevor er sich entscheidet, dann kann er die Aussage
des Kunden ebenfalls aufgreifen: "Wirklich? Sie kaufen
nicht gern ein? Für mich ist das Schönste überhaupt,
mich durch das Angebot zu gucken und dann zu entscheiden
..."
Was
zählt, ist das persönliche Aufeinander-Eingehen.
Dann haben Sie die Extra-Dimension der Kundenbeziehung erreicht.
Wenn es nicht mehr primär um ein Verkaufsgespräch
geht, sondern der Verkauf und die gute Beratung ganz natürlich
nebenher laufen.
"Hier
ist meine Karte."
Gleich
nach Beginn des Einkaufs überreicht mit Herr B. seine
Karte. Das ist gut, denn erstens zeigt er mir dadurch, dass
er mein verantwortlicher Ansprechpartner ist und nicht einfach
nur "die Möbelhauskette". Zweitens kann ich
ihn bereits nach wenigen Minuten mit Namen ansprechen. Das
verbindet.
Geben
Sie allen, mit denen Sie zu tun haben, möglichst schnell
Ihre Visitenkarte. Natürlich ganz unabhängig davon,
in welcher Branche Sie tätig sind. Gerade im Bürobereich
ist es üblich, dass man sich bei Besprechungen gleich
zu Anfang die Karte überreicht. Studieren Sie dann
sofort Namen und Position und sprechen Sie Ihr Gegenüber
mit Namen an. Haben Sie Schwierigkeiten mit der Aussprache,
weil es sich um einen komplizierten Namen handelt, fragen
Sie direkt nach, wie man ihn spricht bzw. sprechen Sie den
Namen aus und versichern sich, dass es so richtig ist.
Mehr
zum Thema Visitenkarte hier.
Sind
Sie selbstständig mit Angestellten, so spendieren Sie
diesen auch eine Visitenkarte. Die sind gar nicht teuer,
nutzen Ihrem Unternehmensimage und Ihre Mitarbeiter sind
auch stolz darauf, eine eigene Karte zu besitzen.
Sofern
Sie mit vielen Aushilfen arbeiten, so dass sich einzelne
Karten nicht lohnen, drucken Sie eine Blanko-Karte für
Ihr Business und bitten Sie Ihre Mitarbeiter, ihren Namen
mit Vor- und Zunamen jeweils draufzuschreiben. Auch wenn
nicht sichergestellt ist, dass genau dieser Mitarbeiter
den Kunden weiterbetreut, so ist es für Ihre Kunden
dennoch wichtig, den Namen der Person zu kennen, mit der
er etwas abgesprochen hat. Das stärkt außerdem
das Vertrauen in das Unernehmen.
"Das
ist mir ja noch nie passiert!"
Manchmal
machen Kunden seltsame Dinge. Gerade wenn man so selbst
nie handeln würde oder wenn man das Gefühl hat,
die eigene Arbeit wird dadurch erschwert, kann man leicht
ungehalten werden oder sich innerlich distanzieren.
Als
mich Herr B. danach fragt, wie breit der Schrank sein darf,
breite ich meine Arme nach beiden Seiten aus und sage: einmal
meine Spannweite. Der Verkäufer stutzt kurz, schüttelt
dann den Kopf und murmelt belustigt "Das ist mir ja
noch nie passiert!"
Da wir
beide die Länge meiner "Spannweite" nicht
genau schätzen können, wird der Meterstab geholt
und ausgemessen. "Jetzt denkt jeder, ich verkaufe Kleidung!"
In diesem
Fall war es einfach für Herrn B., locker zu bleiben,
denn er fand es zwar seltsam, aber eher lustig, dass jemand
nicht genau ausmisst, wie groß seine Möbel sein
dürfen.
Wäre
der Möbelverkäufer so gestrickt gewesen wie einer
meiner Freunde, wäre er wohl ausgeflippt, hätte
die Lust verloren mich zu bedienen oder hätte nonverbal
deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er damit jetzt gar
nichts anfangen kann. - Wir sind immer alle so wie wir sind.
Wenn Sie beispielsweise ein bestimmtes Vorgehen zur Weißglut
bringt, dann wird sich das durchaus auch in beruflichen
Beziehungen bemerkbar machen.
Haben
Sie es mit einem wie-auch-immer-gearteten Verhalten zu tun,
das sie seltsam oder auch störend finden, dann lassen
Sie das nicht zwischen den Kunden und sich kommen.
- Gehen
Sie drauf ein (indem Sie Ihre Verwunderung zum Ausdruck
bringen oder es auf angenehme Art kommentieren).
- Fragen
Sie nach, wenn es sich um etwas dreht, dessen Hintergründe
Ihnen für die Kundenbetreuung hilfreich sein könnten.
- Stört
es Sie, weil Sie eine bestimmte Information brauchen, um
Ihre Arbeit gut zu machen, dann gehen Sie auf das Sie irritierende
Verhalten nicht näher ein, sondern fragen Sie einfach
freundlich nach, was Sie brauchen.
"Ich
bin nicht erkältet ..."
Wir
sitzen gemeinsam über dem Firmenkatalog, um die genauen
Bestellnummern zu ermitteln, da muss Herr B. niesen. Logisch,
dass er sich wegdreht. Aber er sagt zu meiner Überraschung:
"Keine Sorge, ich bin nicht erkältet. Neuerdings
habe ich plötzlich irgendeine Allergie, wenn draußen
irgendwas rumfliegt."
Das
hab ich noch nie gehört, dass jemand vorsorglich darauf
hinweist, nicht erkältet zu sein. Aber es ist eine
sehr angenehme Geste, zumal derzeit ja immer wieder Krankheitswellen
aufgrund irgendwelcher aggressiver Viren herumschwappen.
"Frau
Härter????"
Während
ich warte, tippt Herr B. im Büro die Bestellung ein.
Plötzlich schallt es aus dem Büro: "Frau
Härter?? Wie groß ist der alte Schrank?"
Herr
B. redet mich mit Namen an! Etwas, das gerade im Einzelhandel
leider sehr selten gemacht wird. Im Büroleben ist es
einfach sehr viel üblicher, zumal man hier auch meist
am Telefon miteinander zu tun hat.
Aber
in Ladengeschäften ist es eher selten. Dabei werden
durch Bestellungen oder auch durch Kartenzahlung die Namen
offen gelegt.
Ich
habe es sogar in Kaufhäusern erst drei- oder viermal
erlebt, dass man mich nach Kartenzahlung namentlich verabschiedet
hat.
Schade,
dass das nicht öfter der Fall ist. Gerade wenn Sie
ein Einzelunternehmer sind, aber auch wenn Sie mit Mitarbeitern
arbeiten, sollten Sie es sich angewöhnen, Kunden und
Interessenten mit Namen anzureden. Das ist viel persönlicher.
"Ich
bring Sie noch zur Tür ..."
Was
mir definitiv noch nie passiert ist: dass mich ein Verkäufer
in einem Geschäft - noch dazu in einem so großen
Laden - bis zur Tür begleitet hat. Herr B. geht mit
mir tatsächlich extra runter ins Erdgeschoß und
bringt mich bis zur Ladentüre, wo er sich herzlich
bedankt und mir noch sagt, dass ich sehr nett gewesen sei.
- Das gebe ich gerne zurück. Und so gehen wir beide
lächelnd unserer Wege.
Sind
Sie in einem Büroambiente tätig, ist es vermutlich
selbstverständlich für Sie, einen Besucher bis
zur Türe zu begleiten. Wenn nicht, sollten Sie das
unbedingt tun!
Haben
Sie ein Ladengeschäft, so denkt man spontan, man könne
ja nun jetzt nicht jeden Kunden persönlich zur Türe
bringen. Dennoch ist das häufig durchaus möglich:
Haben Sie ein kleines Geschäft, ist es auf alle Fälle
drin - zumal, wenn der Besucherstrom nicht wahnsinnig groß
ist. Doch auch wenn Sie einen größeren Laden
haben und individuelle Beratungen machen - wie bespielsweise
im Einrichtungssektor - , sollte diese Minute auf jeden
Fall drin sein. Ermutigen Sie auch Ihre Mitarbeiter dazu.
Die
ganze Verkaufssituation war so angenehm, dass wir beide
etwas davon hatten: Wäre der Verkäufer nicht annähernd
so hilfsbereit gewesen, hätte ich nur ein Möbelstück
gekauft und den Rest woanders. Wir haben uns gut unterhalten.
Und ich bin aus der Türe gegangen und habe mir gedacht:
Wenn ich wieder was brauche, geh ich gezielt zu Herrn B.
- Was Besseres kann einem Unternehmen gar nicht passieren.
Wichtig:
Sie müssen es auch so meinen!
Natürlich
kann man sich so manches angewöhnen, weil man die Wirkung
gut findet. Vielleicht haben Sie auch ein größeres
Ladengeschäft und möchten die Anregung aufgreifen,
einen Kunden, der gerade etwas Größeres bei Ihnen
bestellt hat, zur Tür zu begleiten.
Jede
dieser Gesten muss ehrlich gemeint sein. Sonst kommen unglaubwürdige
Marionetten raus wie sie leider zuhauf da draußen
rumlaufen. Als Kunde merkt man sehr schnell, ob man gerade
manipuliert werden soll oder ob jemand sich so verhält,
weil er in einem Lehrbuch gelesen hat, dass es geschäftsfördernd
sein soll.
Mein
Appell ist sehr viel natürlicher: Haben Sie Spaß
am persönlicheren Kontakt mit Menschen und überraschen
Sie Ihre Kunden mit solchen Details - die selbstverständlich
sein könnten, es aber eben nicht sind.
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