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Wenn
ihre Mitarbeiter um ein Zwischenzeugnis bitten, bekommen
viele Vorgesetzte die Panik: Ah! Ein Zwischenzeugnis! Der/die
geht! - Und dann geht in vielen Fällen die Vermeidungs-
und Verzögerungstaktik los: Man weigert sich. Man "überhört"
oder "vergisst" die Bitte um das Zeugnis. Man
schiebt, weil es momentan terminlich so gar nicht passen
will. Oder man sitzt es aus.
Manchmal wird die Person sogar mit Nichtbeachtung oder schrägen
Bemerkungen bedacht.
Was
soll das eigentlich?
Gründe
für ein Zwischenzeugnis
Ja,
ein Grund kann sein, dass sich jemand umorientieren möchte
und das Zeugnis für Bewerbungen braucht. Es kann aber
genauso gut sein, dass
- Ihr
Mitarbeiter eine neue Stelle innerhalb der Firma übernimmt
und für die bisherige Aufgabe ein Zeugnis möchte,
- es
einen ChefInnen-Wechsel gibt und der Mitarbeiter vom bisherigen
Vorgesetzten beurteilt werden möchte,
- es
in Ihrer Firma oder in der entsprechenden Abteilung eigentlich
kein oder nur wenig Feedback für den Mitarbeiter gibt
und er/sie auf diesem Weg mal wissen möchte, wie sie
die Leistung eigentlich einschätzen,
- ein
Mitarbeiter schon sehr lange im Unternehmen ist (und auch
plant, weiterhin zu bleiben), aber angesichts der verschiedenen
Aufgabenbereiche, die er innehatte, nunmal einen Teil der
Karriere in Ihrer Firma belegt haben möchte.
Besonders Letzteres ist ein sehr wichtiges Argument: Da
ein Zeugnis zwei A 4-Seiten nicht übersteigen sollte,
wird der Platz ziemlich eng, wenn wir über viele Jahre
Betriebszugehörigkeit sprechen.
Rechtliches: Natürlich gibt es bestimmte rechtliche
Vorgaben, nach denen ein Mitarbeiter in bestimmten Fällen
das Recht auf ein Zwischenzeugnis hat. Ich rate in jedem
Fall, nicht ein Paragraphengezerre zu veranstalten: Wenn
jemand aus Ihrer Belegschaft ein Zwischenzeugnis haben möchte,
dann nehmen Sie diese Bitte einfach an. Ihr Mitarbeiter
hat schon seine Gründe. Über die Sie am besten
nicht spekulieren, sondern danach fragen!
Reden
Sie mit Ihrem Mitarbeiter!
Die
meisten Menschen scheuen sich davor, ein Zwischenzeugnis
zu beantragen. Fast immer, weil sie befürchten, man
könne annehmen (oder merken), dass sie sich woanders
bewerben. Darum ist - selbst wenn ganz andere Gründe
vorliegen - der Gang zum Chef für viele ein Horror.
Als
guter Chef nutzen Sie den Anlass, um mit dem Mitarbeiter
zu sprechen: Vereinbaren Sie einen persönlichen Termin,
wo Sie in Ruhe darüber reden. Dabei geht es natürlich
nicht um ein Verhör, sondern darum, Ihren Mitarbeiter
darin zu bestätigen, dass die Anfrage völlig normal
ist - und es keinen Grund für Befürchtungen gibt
(natürlich nur, wenn das auch der Fall ist!).
Wer hier (ehrlich gemeint!) gut und offen reagiert,
- beeindruckt
seine Mitarbeiter positiv (in der Regel erfahren auch ein
paar Kollegen, wie gut der Chef reagiert hat)
- erfährt
die tatsächlichen Gründe und kann entsprechende
Maßnahmen ergreifen (z. B. erfahren Sie vielleicht,
dass Ihr Mitarbeiter nicht weiß, was Sie von seiner
Leistung halten, und deswegen unsicher und auch unzufrieden
ist),
- zeigt
seinen Mitarbeitern, dass man mit allen Anliegen kommen
kann, ohne Scheu oder Ängste.
Und
wenn jemand wirklich weg will ...
Vielleicht
erfahren Sie es im persönlichen Gespräch sogar
... wahrscheinlicher ist jedoch, dass es nicht so offen
zur Sprache kommt (wobei das durchaus davon abhängt,
wie gut Ihr Verhältnis ist!): Da will jemand tatsächlich
weg.
Statt
Paranoia zu schieben und die Tatsache zu ignorieren, ist
es im Ernstfall auf jeden Fall sinnvoller und hilfreicher
für alle Beteiligten, offen darüber zu sprechen,
- was die Gründe für den Wechsel sind
- und, wenn Sie den Mitarbeiter halten möchten, was
sein müsste, damit der Mitarbeiter es sich anders überlegt.
Ich
spreche als ehemalige Angestellte und auch als Chefin, wenn
ich Ihnen sage, dass es in vielen Fällen um leicht
aus der Welt zu schaffende Unzufriedenheiten geht: Manchmal
sind es Missverständnisse, manchmal mangelnde Anerkennung
oder auch nebulöse Vorstellungen von Perspektiven etc.
Wichtig
ist, dass Sie Ihren Mitarbeitern offen begegnen mit dem
Ziel herauszufinden, was Sache ist. Selbst wenn es zu einer
Trennung kommt oder Sie keine Lösung finden, so profitieren
Sie für Ihr Unternehmen und können eventuell wichtige
Veränderungen in die Wege leiten.
Ihr
Verhalten wiegt oft mehr!
Wie
es so oft der Fall ist: Die Reaktion und das Verhalten einer
Person wiegen mitunter mehr als die Sache selbst. So habe
ich mit zahlreichen Leuten gesprochen, die erst so richtig
demotiviert oder verärgert über ihren Chef bzw.
ihre Firma waren, weil es zum Eklat kam oder ein Kasperltheater
um ein Zwischenzeugnis gemacht wurde.
Wenn
ein Mitarbeiter sich tatsächlich umorientieren möchte,
wird er durch so ein Verhalten in einer Absicht nur noch
bestärkt (und bestätigt, dass es besser ist, woanders
hinzugehen).
Möchte
sich ein Mitarbeiter jedoch gar nicht umorientieren, so
bekommt das Verhältnis spätestens jetzt einen
Knacks: Denn es wird ihm nicht nur unterstellt, dass er
"eh kündigen will", sondern seine Bitte um
ein Zeugnis wird entweder ausgeschlagen, ignoriert oder
dem Mitarbeiter wird in sonstiger unschöner Weise begegnet.
Sehr
häufig führt erst ein solches Verhalten dazu,
dass es zu Demotivation und zu einem Bruch kommt.
Achtung:
Auch das "Aussitzen" reicht da schon. Wer seinen
Mitarbeiter immer wieder nachfragen lässt und hinhält,
verhält sich unprofessionell und zeigt mangelnden Respekt
- auch gegenüber der Person.
Wie
Sie mit dem Zwischenzeugnis Ihre Leute motivieren
Meiner
Ansicht nach verpassen viele Vorgesetzte große Chancen,
wenn sie sich vor Zwischenzeugnissen scheuen und drücken:
Denn sowohl durch die Art, wie Sie mit der Anfrage umgehen,
als auch durch das Zwischenzeugnis selbst können Sie
Ihren Leuten Feedback geben, und zwar schwarz auf weiß!
Ich
gehe sogar so weit, Unternehmen zu empfehlen, von sich aus
Zwischenzeugnisse zu schreiben - obwohl ein Mitarbeiter
ein Zeugnis eigentlich anfordern "muss". Natürlich
nicht einfach mal eben "out of the blue", sondern
wenn ein aktueller Anlass besteht, also beispielsweise jemand
intern wechselt oder einen neuen Vorgesetzten bekommt.
In diesem
Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass es jede/r ChefIn
ein Anliegen sein sollte, den eigenen Mitarbeitern von sich
aus Zwischenzeugnisse zu schreiben, wenn eine eigene Veränderung
(innerhalb des Unternehmens oder bei Kündigung) ansteht.
Natürlich
sollen Zeugnisse aufrichtig formuliert sein. Nutzen Sie
auch das Zwischenzeugnis dafür, guten Mitarbeitern
mal offen zu bestätigen, wie gut diese ihre Arbeit
machen und wie gern Sie sie im Team haben.
Sowas
motiviert gewaltig - und bestätigt Ihre Mitarbeiter,
an der richtigen Stelle zu sein. Und es kann auch dazu führen,
dass Sie eine möglicherweise tatsächlich geplante
Kündigung verhindern.
Letztlich
ist ein Arbeitsverhältnis in vielen Punkten ähnlich
wie eine Beziehung: Mit Vertrauen schaffen Sie eine gute
Grundlage für ein langfristiges Zusammensein. Mit Misstrauen
und Vermeidungsstrategien erreichen Sie das Gegenteil.
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