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Wenn
Mitarbeiter sich von ihrem Vorgesetzten unterschätzt
oder gar "für nicht voll genommen" fühlen,
wirkt sich das meistens negativ auf die Motivation und das
Engagement aus.
Auch
für den Vorgesetzten ist die Situation alles andere
als positiv: Erstens kann er nicht sehr viel an die jeweiligen
Mitarbeiter abgeben und bleibt viel mehr an ihm selbst hängen,
was Druck und Stress mit sich bringt. Zweitens kann er die
Potenziale seiner Leute so nur schwer erkennen und nutzen.
Drittens sind die Voraussetzungen, konstruktiv mit der eigenen
Mannschaft zusammenzuarbeiten und ein positives Klima zu
fördern, nicht besonders gut.
Vorsicht
Falle: "Wenn man nicht alles selbst macht...!"
Natürlich
ist es wichtig und sinnvoll, dass Sie Wert auf Qualität
legen und klare Vorstellungen über die zu erreichenden
Ergebnisse haben. Dies mit Engagement und Nachdruck zu vermitteln
und dafür zu sorgen, dass Ihre Leute die gewünschten
Resultate bringen können, ist auch eine wesentliche
Führungsaufgabe. Kontraproduktiv ist allerdings die
Überzeugung, dass niemand außer einem selbst
dazu in der Lage ist. Ebenso wie die fixe Meinung, dass
es nur einen einzigen richtigen Weg zum Ziel gibt, nämlich
den eigenen.
Viel
besser und hilfreicher ist folgende Einstellung: Meine Mitarbeiter
haben Potenzial, sie haben einiges auf dem Kasten und wollen
etwas leisten - ich als Führungskraft habe die Aufgabe,
meine Leute zu fordern und zu fördern und so zu Motivation
und Engagement beizutragen. Nur wenn Sie Ihren Leuten überhaupt
die Chance geben, sich zu beweisen, werden diese das auch
tun.
Das
bedeutet keineswegs, dass Sie alles aus der Hand geben und
wahllos an Ihre Mitarbeiter delegieren, ihnen alles zutrauen
und überlassen sollen. Auch hier geht es um ein gesundes
Mittelmaß und auch darum, die richtige "Dosis"
für die einzelnen Mitarbeiter zu finden und auf die
individuellen Möglichkeiten abzustimmen. Ihre Aufgabe
als Chef ist es, die Zügel in der Hand zu behalten
und den Mitarbeitern grundsätzlich etwas zuzutrauen:
Das ist die Basis, um sie auch fordern und fördern
zu können.
Hier
einige Fragen, mit denen Sie sich beschäftigen können,
um Klarheit über sich selbst zu gewinnen - und herauszufinden,
wo Sie etwas verändern könnten.
* Was denken Sie über Ihre Mitarbeiter? Was trauen
Sie ihnen zu?
Vielleicht
fragen Sie sich jetzt, was es mit Ihnen und Ihren Gedanken
zu tun haben soll, wie aktiv Ihre Leute sind. Sehr viel!
Denn Ihr Urteil über Ihre Mitarbeiter bleibt ja keineswegs
verborgen und ohne Konsequenzen, sondern hat beispielsweise
direkte Auswirkungen darauf:
- wie Sie mit Ihren Mitarbeitern sprechen
- wie Sie mit Ihren Mitarbeitern umgehen
- wie viele Freiräume Sie Ihren Leuten geben
- wie stark Sie sie fordern und fördern
Es ist
sehr wahrscheinlich, dass Sie unterschiedliche Leute unterschiedlich
einschätzen und nicht jedem gleich viel zutrauen. Deshalb
ist es sehr hilfreich und sinnvoll, die Namen der Mitarbeiter
aufzulisten und sich zu jedem einzelnen Gedanken zu machen.
Das ist sehr erhellend, weil Sie so sehr schnell bemerken,
wie sich Ihre unterschiedlichen Urteile auf Ihr Verhalten
und Ihren Umgang mit den einzelnen Mitarbeitern konkret
auswirken.
* Wie
verhalten Sie sich Ihren Leuten gegenüber?
Es ist
sehr wichtig, dass Sie nicht bei der Analyse Ihrer Vorstellungen
stehenbleiben, sondern auch Ihr tatsächliches Verhalten
im Arbeitsalltag unter die Lupe nehmen.
Manchmal
sind Vorgesetzte der festen Überzeugung, dass sie ihren
Mitarbeitern sehr wohl viel zutrauen - aber durch ihr Verhalten
senden sie eine ganz andere Botschaft. So delegieren manche
Chefs zwar Aufgaben und geben auch Verantwortung an Mitarbeiter
ab, lassen aber immer nur ihren eigenen Weg gelten, reagieren
bei Fehlern total über oder machen die Ideen und Vorschläge
der eigenen Leute gerne herunter usw. Durch dieses Verhalten
strafen sie sich selbst Lügen - und das wirkt sich
meistens sehr kontraproduktiv aus.
Überlegen
Sie:
- Wodurch
ganz konkret zeige ich meinen Mitarbeitern, dass ich ihnen
etwas zutraue?
- Wie
viel Verantwortung gebe ich an meine Leute ab?
- Wie
viel Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit
lasse ich zu?
- Wie
reagiere ich, wenn Fehler passieren?
- Wie gehe ich mit Vorschlägen und Ideen um?
Auch hier gilt: Je konkreter Sie werden und je intensiver
Sie sich mit den einzelnen Mitarbeitern bzw. Ihrem Verhalten
ihnen gegenüber beschäftigen, umso mehr Erkenntnisse
werden Sie haben.
* Wissen
Ihre Leute, was Sie von ihnen erwarten?
Vielleicht
denken Sie jetzt, dass Ihre Leute "natürlich"
ganz genau wissen, was Sie von ihnen erwarten, und dass
Sie sowieso "nur ganz normale" Erwartungen an
Ihre Mitarbeiter haben. Das mag ja sein, aber meiner Erfahrung
nach ist es sehr sinnvoll und hilfreich, dieser Überzeugung
auf den Grund zu gehen und die Realität zu überprüfen.
Gerade für Chefs, die ihre Erwartungen nicht klar kommunizieren,
sondern stillschweigend davon ausgehen, dass diese bekannt
sind, ist das meistens sehr lehrreich. Viele stellen dann
nämlich fest, dass ihre Mitarbeiter in Wirklichkeit
nicht so klar sehen - und deshalb die Erwartungen des Vorgesetzten
gar nicht erfüllen können.
Fragen
Sie sich:
- Wissen
die einzelnen Mitarbeiter, was ich jeweils von ihnen erwarte?
- Wie
oft spreche ich mit einzelnen Mitarbeitern über meine
Erwartungen und Wünsche?
- Wie
oft spreche mit meinem ganzen Team über meine Erwartungen
und Wünsche?
- In
welcher Form und in welchem Ton rede ich mit meinen Leuten?
Bringe ich meine Botschaft unmissverständlich und gleichzeitig
freundlich/motivierend rüber?
- Wie
offen bin ich dafür, über meine Vorstellungen
zu diskutieren? (vielleicht zu streng oder zu nachgiebig?)
* Können
Ihre Leute Ihre Erwartungen überhaupt erfüllen?
Wenn
Mitarbeiter den in sie gesetzten Erwartungen nicht gerecht
werden, kann es auch daran liegen, dass ihnen bestimmte
Möglichkeiten dazu fehlen. So kann es sein, dass sie
in einem Bereich noch nicht gut genug eingearbeitet sind,
ihnen verschiedene Informationen oder ein bestimmtes Know-how
fehlen usw. Nur wenn Sie das herausfinden, können Sie
entsprechende Maßnahmen planen und auf den Weg bringen.
Beschäftigen
Sie sich mit den Mitarbeitern, die Ihren Erwartungen nicht
(ganz) gerecht werden und analysieren Sie:
- Was
ganz konkret macht er/sie nicht so, wie ich es gerne hätte?
- Welche
Voraussetzungen braucht man, um meine Erwartungen in diesem
Punkt erfüllen zu können?
- Inwiefern
verfügt der Mitarbeiter über diese Voraussetzungen
- und inwiefern nicht?
- Was
braucht der Mitarbeiter, um meine Erwartungen erfüllen
zu können?
Es ist sehr wichtig und positiv, dass Sie sich Gedanken
über Ihre Mitarbeiter und mögliche Lösungen/Unterstützung
machen. Noch besser und erfolgversprechender ist es, wenn
Sie Ihren Leuten Ihre Lösungsmöglichkeit nicht
einfach nur überstülpen und verordnen, sondern
direkt und offen über die Sache sprechen.
Fragen
Sie nach, wie Ihre Leute sich selbst einschätzen und
was sie aus ihrer Sicht brauchen. Lassen Sie sich auf einen
echten Dialog ein, nehmen Sie sinnvolle Vorschläge
Ihrer Mitarbeiter an - und achten Sie gleichzeitig darauf,
dass Sie Ihre Erwartungen klar und unmissverständlich
rüberbringen.
Und
wenn jemand etwas einfach nicht kann?
Natürlich
ist es nicht so, dass alle Mitarbeiter alles super machen,
nur weil Sie es ihnen zutrauen und sich auf sie verlassen.
Ich meine keineswegs, dass Sie sich blind auf alle verlassen
und jedem alles zutrauen sollen nach dem Motto: "Ach,
das macht ihr schon alles. Ihr seid ja alle so toll!".
Es geht vielmehr darum, dass Sie grundsätzlich Zutrauen
in Ihre Leute haben - und auf dieser Basis die einzelnen
Mitarbeiter realistisch einschätzen und sie dabei unterstützen,
ihre Möglichkeiten auszubauen und sich weiterzuentwickeln.
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