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Wo schauen Sie tatenlos zu?
  von Gitte Härter
 

Achtung, jetzt wird's unbequem: Sind Sie eigentlich feige? Lassen Sie Ihren Mitarbeitern Dinge durchgehen, obwohl Sie sehr genau wissen, dass Sie längst hätten einschreiten müssen?

Chef/in zu sein ist, das können wir nicht oft genug betonen, eine echt schwierige Angelegenheit. Und ganz viele Führungskräfte sind fachlich sehr gut, kennen die Firma aus dem Effeff, sind Dienstälteste und total routiniert in allen Abläufen - aber mit der Personalverantwortung kommt eine Riesenladung weiterer Anforderungen auf sie zu. Damit sind viele Menschen einfach hin und wieder überfordert.

Als ich noch angestellt war und frisch zum Sales Manager gemacht wurde und damit plötzlich Personalverantwortung für über ein Dutzend Mitarbeiter hatte, wunderte ich mich: "Jetzt hab ich also eine neue Visitenkarte, aber zeigen tut mir das mit der Mitarbeiterführung irgendwie keiner."

Wenn Ihnen das auch so ging, können Sie von Glück sagen, wenn Sie eine klare eigene Linie haben, auf Ihre Kommunikation achten und ein ehrliches Interesse an Ihren Mitarbeitern haben. Denn das ist schon die halbe Miete.

Wenn Sie aber eher nicht jemand sind, der sagt: "Hey, das geht so aber nicht!", sondern glauben, dass jeder Mitarbeiter immer super ist und wir Erwachsenen alle eigenverantwortlich handeln, dann muss ich diesen Gedankenballon jetzt platzen lassen. Denn natürlich - das wissen wir beide - ist das so nicht: Genauso wie es schlechte Chefs gibt, die nicht kompetent sind oder schon kompetent, aber launisch oder unfair oder die bestimmte Mitarbeiter vorziehen, gibt es Mitarbeiter, die schlecht arbeiten, die eine Fresse ziehen und die ganze Abteilung damit runterziehen, die Spielchen mit Kollegen treiben (was nicht immer auch so richtig böse Absicht sein muss). Es gibt schlechte Gewohnheiten, die allmählich einreißen: das Zuspätkommen in der Früh, die überzogene Mittagspause ... Und es gibt ganz liebe Mitarbeiter, die mit großem Engagement Dinge zu langsam oder verkehrt machen.

 

Die Folgen, wenn Sie nichts machen

Wenn Sie nicht eingreifen, und zwar sofort, wenn es Grund dazu gibt, dann werden Sie Ihrer Aufgabe als Vorgesetzte/r nicht gerecht.

Sie blockieren Mitarbeiter: die, die nicht so gut sind und mit Unterstützung besser werden könnten und die, die gut und motiviert sind durch die, die schlecht sind.

Sie demotivieren die guten Mitarbeiter, wenn Sie anderen ungutes Verhalten durchgehen lassen oder wenn die guten für die schlechten nacharbeiten müssen.

Sie fühlen sich schlecht, weil Sie nichts tun und unter den Konsequenzen leiden müssen (und die werden größer).

Sie verlieren Ansehen bei Ihren Mitarbeitern - wohlgemerkt auch bei denen, die Fehlverhalten zeigen. Denn auch wenn sich niemand freut, wenn er zur Rede gestellt wird, so möchte doch jeder Mitarbeiter eine richtige Führungspersönlichkeit als Chef/in haben.

Sie lassen sich auf der Nase rumtanzen ... was dazu führt, dass man Sie und Ihre Anweisungen, wenn es dumm läuft, gar nicht mehr ernst nimmt. Und das ist dann wie mit den Ringen im See, die von einem hineingeworfenen Stein ausgelöst werden. Sie werden größer und größer.

Mir sind schon manches Mal die Ohren fast abgefallen, wenn ich höre, was sich manche Führungskräfte so bieten lassen - bis hin zu regelmäßigem Zuspätkommen oder regelrechter Arbeitsverweigerung, sprich der Aussage, eine Arbeit nicht "tun zu wollen", obwohl diese zum Aufgabengebiet gehört.

 

Die klare Linie, die von Ihnen sogar erwartet wird!

Dass Sie vor manchen Situationen zurückscheuen, dass Ihnen vielleicht sogar etwas die Knie zittern - oder dass Sie aufgrund bisheriger Erfahrungen regelrecht resigniert haben, das kann passieren. Das können Sie sich aber nicht leisten.

Als Führungskraft dürfen Sie Angst haben, aber Sie müssen es dennoch anpacken. Sie dürfen unsicher sein, wie Sie am besten mit einem Mitarbeiter über seine schlechte Performance oder Fehlverhalten sprechen - aber die Frage ist niemals, OB Sie das tun.

Das ist zudem eine große Chance für Sie als Mensch ("Was mir das Chef-Sein persönlich gebracht hat"). Sie wachsen dadurch und werden nach und nach ein/e richtige/r Vorgesetzte/r, de/die auch in schwierigen Situationen selbstbewusst, klar und rechtzeitig handelt!


  weitere nützliche Artikel zu diesem Thema:
 

- Darf eine Führungskraft Angst haben?
- Feindbild Chef
- Bei Kritikgesprächen: Äußern Sie ruhig mal Ihre Gefühle

   
   
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