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Chef-Sache: schlechte Stimmung im Team
 

von Christine Öttl

 

Wenn die Stimmung im eigenen Team nicht besonders gut ist und die Atmosphäre leidet, fühlen sich viele Vorgesetzte selbst äußerst unwohl oder gar überfordert. Beispielsweise, weil sie auf das rein Fachliche fokussiert sind und sich eigentlich mit solchem "Kinderkram" nicht befassen wollen. Oder weil sie nicht wissen, ob sie überhaupt etwas unternehmen sollen und wie sie vorgehen könnten. Auch wenn all das sehr verständlich ist: Es ist enorm wichtig, dass Sie als Vorgesetzter schlechte Stimmung nicht einfach hinnehmen oder darüber hinwegsehen.

Wenn sich die Stimmung in Ihrem Team zum Schlechteren verändert oder gar schon dicke Luft herrscht, sollten Sie die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Natürlich gibt es Teams, die sich eigenständig um ihre Dinge kümmern und Schwierigkeiten alleine lösen können - aber die sind eher selten. Die Gefahr, dass sich die Situation verschlechtert und Zusammenarbeit wie Atmosphäre immer stärker leiden, ist sehr groß.

 

Sie als Chef sind gefragt

Abgesehen davon, dass sich kritische Situationen nur selten durch Zeitablauf entspannen und erledigen, gehört es zu einer Führungsposition einfach dazu, sich aktiv um die Stimmung unter den eigenen Leuten zu kümmern. Für gute Zusammenarbeit und gute Arbeitsergebnisse zu sorgen, das Team zusammenzuhalten und die Mitarbeiter bei der Lösung von Schwierigkeiten und Konflikten zu unterstützen, sind zentrale Führungsaufgaben. Wer diesen nicht nachkommt, verliert recht schnell an Wertschätzung und Rückhalt.

 

Vorsicht Falle: schönreden oder so tun, als ob nichts wäre

Manchmal versuchen Vorgesetzte, schlechte Stimmung zu entspannen und zu verbannen, indem sie alles schönreden und über die Schwierigkeiten hinwegsehen ("Wir sind so ein super Team und haben unsere Ziele voll erreicht. Weiter so!"). Auch wenn das durchaus positiv und anregend gemeint ist, kommt das bei den wenigsten gut an. Die meisten fühlen sich entweder nicht ernst genommen oder zweifeln an den Qualitäten ihres Vorgesetzten ("Sieht er/sie tatsächlich nicht, was hier los ist? Oder ist er/sie zu feige, um etwas zu unternehmen?!").

Wie Sie mit unangenehmen und kritischen Situationen umgehen, hat sehr große Auswirkungen darauf, welches Image Sie als Chef genießen und wie es um Ihr Team bestellt ist. Aus diesem Grunde sollten Sie sehr aufmerksam sein, wenn sich die Stimmung in Ihrem Team veschlechtert - und aktiv werden. Beispielsweise so:


Beobachten, was genau passiert

Bevor Sie in Aktion treten, ist es sehr hilfreich, die Situation zu analysieren. Wenn Sie gleich loslegen und beispielsweise Ihre Leute um sich versammeln, um über die "schlechte Stimmung" zu diskutieren, sollten Sie genau wissen, wovon Sie sprechen und was Sie meinen.

Sie können beobachten:
Wie genau äußert sich die schlechte Stimmung?
Von wem geht sie aus?
Sind alle Mitarbeiter beteiligt?
Geht es um bestimmte Situationen? Um welche?
Auf wen wirkt sich die schlechte Stimmung noch aus (z. B. auf Kollegen in anderen Abteilungen, auf Kunden, auf Lieferanten usw.)?

Es ist sehr hilfreich, Informationen dieser Art zu sammeln. Denn auf dieser Basis können Sie ganz gezielt entscheiden, was Sie unternehmen und was genau Sie ansprechen werden.


Nachdenken, woran es liegen könnte, und Beobachtungen analysieren

Manchmal lässt sich ein Knick in der Stimmung konkreten Vorfällen zuordnen. Vielleicht hat sich vor kurzer Zeit etwas wenig Erfreuliches ereignet, z. B. eine unangenehme Ansprache des Oberchefs, die Ankündigung von Umstrukturierungen, jemand ist entlassen worden usw. Vielleicht ist zwischen Ihnen und einem Mitarbeiter/dem ganzen Team etwas vorgefallen, was nie wirklich geklärt worden ist. Vielleicht stehen Ihre Leute seit Monaten stark unter Druck, weil sie sehr viel zu tun haben und es immer wieder Engpässe gibt, wenn jemand krank wird oder in Urlaub geht. Überlegen Sie, ob es irgendetwas gibt, das Ihrer Meinung nach die Stimmung negativ beeinflussen könnte. Wenn Sie einen "Verdacht" haben, können Sie sich auf ein Gespräch mit Ihrer Mannschaft vorbereiten, Ihre Gedanken einbringen und mögliche Lösungsvorschläge machen.


Das Gespräch vorbereiten

Egal ob Sie einzelne Mitarbeiter oder Ihr ganzes Team auf das Thema ansprechen möchten: Es ist sehr hilfreich, sich intensiv auf das Gespräch vorzubereiten. Sie können sich beispielsweise darüber Gedanken machen:

Was genau meinen Sie mit "schlechter Stimmung"?
Was konkret haben Sie beobachtet, gehört und gesehen?
Haben Sie selbst Erklärungen dafür und welche?
Welche Mitarbeiter wollen Sie ansprechen?
Welche Lösungsvorschläge haben Sie?
Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Leute?
Welches Ziel haben Sie für das Gespräch/die Gespräche?


Vorsicht Falle: "Kinderkram!"

Auch wenn Sie selbst wenig anfällig für Stimmungsschwankungen sind und die schlechte Stimmung nicht nachvollziehen können, sollten Sie die Sache auf keinen Fall ins Lächerliche ziehen, nicht ernst nehmen und als "Kinderkram" oder sowas abtun. Denn Ihre Mitarbeiter kommen - aus welchen Gründen auch immer - einfach nicht klar und brauchen Unterstützung von außen. Wenn Sie als Vorgesetzter das nicht ernst nehmen, ist es sehr schwer, die Sache wieder ins Lot zu bringen.


Das Gespräch suchen

Wenn Sie Klarheit über die Situation gewonnen haben, können Sie entscheiden, mit wem, in welcher Reihenfolge und wann Sie sprechen möchten. Sie können:

· nur ganz bestimmte Mitarbeiter ansprechen
· Einzelgespräche mit allen Ihren Leuten suchen
· Teamgespräch/e organisieren
· zuerst Einzelgespräche führen und dann Teammeetings

Niemand arbeitet gerne in einer schlechten Atmosphäre und niemand verbreitet gerne negative Stimmung - auch wenn es manchmal von außen so aussehen kann. Deshalb ist es sehr hilfreich, den Mitarbeitern klar vor Augen zu führen, wie sie sich selbst schaden und sich gegenseitig das Leben schwer machen.

Sehr wichtig ist, dass Sie einerseits herausfinden, was dahintersteckt und welche Ursachen/Auslöser es für die negative Stimmung gibt - und Verständnis dafür haben und zeigen. Und dass Sie andererseits Ihren Leuten offen und unmissverständlich sagen, was Sie in Zukunft von ihnen erwarten - und Ihr Team dazu animieren, gemeinsam Lösungen zu finden und umzusetzen.

   
   
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