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1. Wo sitzen unsere Zeitdiebe?
Keine
Zeit zu haben ist in fast jeder Abteilung ein großes
Thema. Doch meist wird nur gestöhnt und nach bestem
Gewissen vor sich hingerödelt. Oder aber es wird als
Lösung nur "mehr Personal" ins Auge gefasst
und, wenn das nicht möglich ist, resigniert.
Erarbeiten Sie in Ihrem Team die Zeitdiebe:
o Lassen
Sie jedem Mitarbeiter einige Tage Zeit, um seine persönlichen
Zeitdiebe aufzuschreiben. Stellen Sie die Aufgabe konkret:
- Was
genau kostet mich am meisten Zeit?
- Wie schätze ich das ein: Ist es einfach ein zu langwieriger
Arbeitsprozess oder handelt es sich um unnötige Störungen/Verzögerungen/Wartezeiten?
- Wie könnte hier Zeit gespart werden/gibt es bereits
Verbesserungsvorschläge?
Wenn ich noch keine Idee für eine Lösung habe:
Worin genau sehe ich das Problem/wo denke ich, müsste
man ansetzen, was Verbesserungen angeht?
Machen
Sie Ihren Mitarbeitern anhand eines konkreten Beispiels
klar, wie sie die Aufgabe differenziert durchdenken können.
Sonst laufen Sie Gefahr, dass Mitarbeiter nicht weiterdenken,
weil sie der Meinung sind, dass es eh keine Lösung
gibt, oder dass als Lösungswege nur "mehr Personal"
auf den Zetteln steht.
o Sehen Sie sich die aufgeschriebenen Zeitdiebe/Verbesserungen
an. Wenn Sie im Team schon öfter Projekte dieser Art
bearbeitet haben, können Sie einen fähigen Projektleiter
bestimmen. Ist diese Art der Projektarbeit und internen
Verbesserungen jedoch noch neu, dann empfehle ich Ihnen,
das am Anfang federführend selbst zu machen. So können
Sie Ihre Mitarbeiter gut dabei anleiten, konkret und konstruktiv
dranzubleiben.
Ausnahme
ist natürlich, wenn Sie selbst hier nicht so stark
sind. Dann scheuen Sie sich bitte nicht, das einem Ihrer
Mitarbeiter zu übertragen, der hier eine Stärke
hat. Wichtig ist auch, dass der Projektleiter im Team anerkannt
ist und die Mitarbeiter durch das Projekt "steuern"
kann.
o Werten Sie die Bögen danach aus, welche Gemeinsamkeiten
es gibt. Beachten Sie parallel aber auch einzelne Zeitdiebe
(das heißt: gehen Sie nicht nur nach Mehrfachnennungen).
Je nach Arbeitsgebiet können sich Unterschiede ergeben.
Und es kann auch sein, dass einzelne Mitarbeiter einen wichtigen
Zeitdieb genannt haben, der generell besteht, an den die
anderen einfach nicht gedacht haben.
o Manchmal gibt es bereits sehr gute Analysen und praktikable
Verbesserungsvorschläge. Manchmal sind es nur Ansätze,
mit denen man hervorragend weiterarbeiten kann.
o Gehen Sie mit der Auswertung und weiterführenden
Fragestellungen, die sich aus der Auswertung ergeben, in
ein Teamgespräch. Stellen Sie die Hauptnennungen und
wichtigen anderen Punkte vor. Haben Sie bereits eine Lösung
für Kleinigkeiten, die leicht und vielleicht sogar
sofort umsetzbar ist (häufig betreffen die Zeitdiebe
auch das ganz normale Verhalten unter Kollegen), zögern
Sie nicht, das sofort gemeinsam umzusetzen.
Setzen Sie das Team - oder auch gezielt einzelne Mitarbeiter
- darauf an, für etwas komplexere Verbesserungen Lösungsvorschläge
auszuarbeiten.
2.
Was heißt Hilfsbereitschaft konkret?
In so
gut wie jedem Team - der Gruppe, der Abteilung oder dem
gesamten Firmenteam - hapert es untereinander, manchmal
hin und wieder und in mancher Atmosphäre leider permanent.
Umso wichtiger ist es, das zu thematisieren.
Besonders
in puncto Hilfsbereitschaft und Kollegialität unterscheiden
sich die Erwartungen ganz erheblich: Der eine findet, dass
man ungefragt beim anderen mithelfen solle - der andere
sagt: "Wieso? Wenn ich gefragt werde, helfe ich gerne,
aber wenn niemand was sagt, dann mache ich sicher nichts
von mir aus." Wieder andere sind sauer, wenn sie unter
dem Oberbegriff der Hilfsbereitschaft jemandem permanent
hinterherarbeiten sollen, der seine Arbeit zu langsam oder
nachlässig macht.
Um die
Zusammenarbeit zu fördern, unnötigen Zwist zu
vermeiden und vor allen Dingen jeden für das vielschichtige
Thema Hilfsbereitschaft zu sensiblisieren, empfiehlt es
sich, im Team über Hilfsbereitschaft zu sprechen.
Wenn
Ihre Abteilung sich komplett für eine Stunde ausklinken
kann, dann setzen Sie sich mit dem gesamten Team zusammen.
Wenn das wegen des Alltagsgeschäftes nicht geht, kein
Problem: Dann teilen Sie Ihr Team in zwei (oder je nach
Größe mehrere) kleinere Gruppen auf. Wichtig
ist, dass die Gruppen so geteilt sind, dass in der Stunde,
wo Sie weg sind, das Alltagsgeschäft reibungslos läuft
und auch die Arbeitsbereiche der Abwesenden gut abgedeckt
werden können. Und dass die jeweilige Gruppe so groß
ist, dass man noch gut mit ihr brainstormen und jeden ansprechen
kann.
Führen
Sie dann zunächst ein Brainstorming durch: je nach
Gruppengröße 10 Minuten oder eine Viertelstunde,
in der jeder reinruft, was er mit "Hilfsbereitschaft"
verbindet. Am besten schreiben Sie selbst mit und bitten
einen weiteren schnell und deutlich schreibenden Mitarbeiter,
auf der Flipchart mitzuschreiben. Die Bögen mit den
bisher genannten Begriffen sollten für alle gut sichtbar
aufgehängt werden, damit man sich durch bisher Genanntes
inspirieren lassen kann.
Sie
kennen ja die wichtigste Brainstormingregel: Nicht diskutieren,
nicht kritisieren, nicht kommentieren, sondern jeden Beitrag
aufnehmen und erstmal sammeln-sammeln-sammeln. In der Regel
stockt es nach einiger Zeit. Halten Sie sich als Moderator
zurück, seien Sie still, konzentrieren Sie sich auf
die schon beschriebenen Blätter, nehmen Sie selbst
genau auf, was schon dasteht, denken Sie mit - und lassen
Sie genau diese Zeit auch Ihrem Team. Wenn es länger
still ist, können Sie die zweite Gedankenwelle anregen,
indem Sie fragen: "Was noch ...?", "Was gehört
noch zu Hilfsbereitschaft ...?" - und dann immer schweigen
und den Gedanken und neuen Begriffen Raum lassen. Dadurch
kommt ganz sicher nochmal eine zweite Gedankenwelle.
Wenn
das Brainstorming abgeschlossen ist, führen Sie im
Gespräch die Dinge zusammen, die zusammengehören
(am besten mit farbigen Stiften/Symbolen markieren). Sortieren
Sie. Hinterfragen Sie und leiten Sie daraus eine Diskussion
ab, in der Ihre Mitarbeiter konkreter ausführen, was
gemeint ist, und auch darüber sprechen können,
wo es ihrer Meinung nach Missstände gibt.
Sofern
Sie in unterschiedlichen Gruppen gearbeitet haben, führen
Sie die beiden Ergebnisse zusammen (oder wiederum ein fähiger
Mitarbeiter, der das als kleines Projekt übernimmt)
und erstellen Sie auch eine schriftliche Zusammenfassung,
damit sich jeder im Alltag daran erinnern kann.
Die
Diskussion und die schriftliche Präsentation der Ergebnisse
dienen der Sensibilisierung: Einzelnen Mitarbeitern wird
bewusst, dass sie beispielsweise einfach aktiv um Hilfe
bitten sollten. Es kommen aber natürlich auch Aspekte
offen auf den Tisch, wo es hakt oder vielleicht sogar Knatsch
gibt. Das ist dann natürlich der Anlass, über
das Gespräch hinaus individuelle Lösungen zu suchen
und umzusetzen. Das ist eine Gelegenheit für Sie als
Chef/in, nicht nur in Sachen Lösungsorientierung, sondern
auch in puncto Kommunikation ein tolles Vorbild für
Ihre Mitarbeiter zu sein.
"Was
lernen wir daraus?"
Ganz
generell ist es eine schöne Sache, im Team die Mentalität
des "Was lernen wir daraus?" zu etablieren. Ob
es sich um Fehler eines Einzelnen handelt, ob eine Arbeit
oder eine Kundenkommunikation schief gelaufen ist oder ob
ein Kunde abgesprungen ist: Regen Sie Ihre Leute dazu an,
dass sie sich nicht unspezifisch ärgern oder eine schiefgelaufene
Sache immer wiederkäuen, sondern dass sie sich - alleine
und gemeinsam - fragen: "Was lernen wir daraus?"
Natürlich
nicht als rhetorische Frage, sondern ernsthaft: Stellen
Sie diese Frage laut und beantworten Sie selbst oder lassen
Sie andere darauf antworten.
Das
bringt nicht nur jeden zurück auf Kurs, sondern es
fördert die Lösungsorientierung und zeigt, dass
es Ihnen darum geht, aus Fehlern oder blöden Situationen
konsequent und konstruktiv für die Zukunft zu lernen.
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