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"Mein
Chef/meine Chefin hat ja keine Ahnung von meiner Arbeit!"
Diese Klage hört man ziemlich häufig. Natürlich
kann man als Vorgesetzter nicht alles wissen. Aber grundsätzlich
Einblick in die Tätigkeiten der eigenen Mitarbeiter
zu haben, ist eine wichtige Voraussetzung, um eine qualifizierte
und kompetente Führungskraft zu sein.
Interesse
haben und zeigen: ein zentrales Führungsinstrument
Natürlich
ist es möglich, die Jobdescriptions der einzelnen Mitarbeiter
zu lesen und sich so ein Bild zu machen. Doch abgesehen
davon, dass selbst die beste Beschreibung nur bedingt die
Realität wiedergibt, vergibt man so große Chancen:
Denn Aufmerksamkeit und Interesse für die Mitarbeiter
sind sehr wichtige Motivatoren und haben einen enormen Einfluss
auf Arbeitsmoral, Qualität und Betriebsklima.
Eine
wunderbare Möglichkeit, um Kontakt mit den eigenen
Leuten aufzunehmen und zu pflegen, Interesse zu zeigen und
Wertschätzung zu vermitteln, besteht darin, sich über
die Arbeit und den Beitrag der einzelnen Mitarbeiter schlau
zu machen.
Natürlich
hängt es von verschiedenen Faktoren ab, wie intensiv
Sie als Vorgesetzter Einblick gewinnen und haben können:
z. B. von der Anzahl der Mitarbeiter und von der Komplexität
der Aufgaben.
Aber es ist immer und jedem möglich, Grundsätzliches
und Wesentliches über die Aktivitäten einzelner
Mitarbeiter in Erfahrung zu bringen.
Es gibt verschiedenste Möglichkeiten und Gelegenheiten,
sich mit den Aufgaben und Tätigkeiten sowie dem Arbeitsalltag
der eigenen Mitarbeiter vertraut zu machen. Hier ein paar
Beispiele:
- sich Aufgaben und Tätigkeiten von den einzelne
Mitarbeitern erklären/zeigen lassen
Sie
können Ihre Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen
besuchen und sie bitten, Ihnen eine kurze Einführung
in ihren Arbeitsbereich zu geben.
- in Mitarbeitergesprächen darauf zu sprechen kommen
Sie
können formelle Mitarbeitergespräche nutzen, um
interessiert Fragen zu stellen und die einzelnen Mitarbeiter
über ihre Aufgaben und Tätigkeiten berichten zu
lassen: Wie ihr Arbeitsalltag konkret aussieht. Was sie
an ihrer Arbeit gut finden und was weniger. Was ihnen leicht
von der Hand geht und wo es Hindernisse/Schwierigkeiten
gibt. Wo sie Unterstützung bräuchten - und welcher
Art. usw.
- eine extra "Veranstaltung" initiieren
Sie
können Einzelmeetings oder Teammeetings ins Leben rufen,
in denen Ihre Mitarbeiter Ihnen ihre Aufgaben und Tätigkeiten
präsentieren.
- selbst mal mitarbeiten
Das
ist natürlich der allerbeste und schnellste Weg, um
einen wirklichen und auch realistischen Einblick in die
Arbeit zu bekommen. Wichtig ist natürlich, dass Sie
sich mit Ihren Mitarbeitern absprechen - und Ihr "Reinschnuppern"
so organisieren, dass Sie die Arbeitsabläufe nicht
behindern. Mindestens genauso wichtig ist, dass Sie Ihre
Leute mental darauf vorbereiten, sprich erklären, aus
welchem Grund und zu welchem Zweck Sie mitarbeiten möchten
- vor allem, wenn Sie bisher nicht einen sehr engen Kontakt
gepflegt haben. Sonst kommen leicht Unsicherheit und Ängste
auf.
Es
darf nicht um Kontrolle gehen!
Unabhängig
davon, auf welchem Weg Sie sich Informationen über
die Arbeit Ihrer Mitarbeiter verschaffen möchten: Nur
wenn es wirklich um Interesse und Verstehen-Wollen geht,
wird die Sache positiv und gut ablaufen. Denn Mitarbeiter
merken sehr wohl und sehr schnell, wenn es eigentlich um
etwas ganz anderes geht.
Wenn es darum geht, Arbeitsabläufe und Mitarbeiter
zu kontrollieren (auch das ist legitim und nicht an sich
verwerflich!), dann ist es besser, die Karten auf den Tisch
zu legen und ganz offiziell zu prüfen und zu kontrollieren.
Vorsicht
vor "Eintagsfliegen"
Es ist
sehr wichtig, dass Sie konsequent vorgehen und es auch wirklich
meinen. Wählen Sie eine Variante (oder eine Kombination
verschiedener Wege), die für Sie und Ihre Mitarbeiter
am sinnvollsten ist und die Sie auch längerfristig
in die Tat umsetzen können. Kaum etwas ist frustrierender
und demotivierender, als wenn ein Vorgesetzter erst Interesse
signalisiert - und die Sache dann im Sande verlaufen lässt.
Auf
die Motivation kommt es an!
Vor
einigen Jahren kam das so genannte "Management by walking
around" in Mode. Und es zeigte sich sehr schnell, dass
aufgesetzte und nicht wirklich gemeinte Aktionen sehr leicht
kontraproduktiv sind. Denn die meisten Mitarbeiter merken
intuitiv, wenn ihr Vorgesetzter sich nur deshalb bei ihnen
zeigt und nach ihrer Arbeit erkundigt, weil "man das
heute so macht". Das kann schlimmer sein, als wenn
der Vorgesetzte sich überhaupt nicht blicken lässt.
Um sich
selbst auf die Sprünge zu helfen und mit echter Motivation
an die Sache heranzugehen, ist es sehr hilfreich, sich klar
und bewusst zu machen, wie sehr Sie selbst davon profitieren
und wie viel besser Sie Ihre Führungsrolle ausfüllen
können, wenn Sie die Arbeit Ihrer Mitarbeiter kennen.
Hier
ein paar Beispiele dafür, warum und wofür es sich
lohnt:
- Sie
lernen dazu und bauen Ihr Know-how über Aufgaben, Arbeitsabläufe
und Zusammenhänge aus.
- Sie
lernen sowohl die einzelnen Tätigkeiten als auch Ihre
Mitarbeiter besser kennen.
- Die
Tatsache, dass Sie als Vorgesetzter Interesse für die
Arbeit und den konkreten Arbeitsalltag zeigen, kann sehr
motivierend für Ihre Mannschaft sein.
- Sie
bekommen/stärken Ihr positives Image als Führungskraft.
- Sie
können Mitarbeitergespräche viel konstruktiver
und besser führen, da Sie wissen, wovon Sie sprechen.
- Sie
können Ihre Leute viel besser beurteilen und viel besser
ein- und wertschätzen, was sie tun und leisten.
- Sie
können Ihre Mitarbeiter Dritten gegenüber viel
besser vertreten, z. B. bei Ihren eigenen Vorgesetzten,
wenn es um Gehaltserhöhungen, Boni oder Incentives
geht.
- Sie
können viel gezielter und fundierter Feedback geben
- sowohl was Lob als auch was Kritik angeht.
- Ihr
Lob und Ihre Komplimente bewirken sehr viel mehr, weil Ihre
Mitarbeiter sie wirklich ernst nehmen können.
- Ihr
negatives Feedback und Kritik aus Ihrem Munde wird viel
leichter und stärker angenommen, da Sie wissen, wovon
Sie sprechen.
- Ihre
Verbesserungsvorschläge und Ideen haben Hand und Fuß.
Da Sie über die Arbeitsabläufe und Realitäten
Bescheid wissen, können Sie Vorschläge ausarbeiten
und einbringen, die wirklich durchdacht und sinnvoll sind.
Abgesehen davon nehmen die Mitarbeiter viel leichter Anregungen
(oder auch Anweisungen) von einem Vorgesetzten an, den sie
aufgrund seiner fachlichen Kompetenz schätzen und zu
dem es auch persönlich einen Draht gibt.
- Sie
können den so wichtigen Blick von außen mit praktischem
Insider-Know-how verbinden.
Das ist ein sehr großer Vorteil! Einerseits sind Sie
nicht "betriebsblind", weil Sie weniger involviert
sind als Ihre Mitarbeiter und deshalb distanzierter, kritischer
und objektiver auf das Ganze blicken. Andererseits wissen
Sie über grundlegende Interna Bescheid und sind kein
abgehobener und theoretischer Berater.
Wichtig:
Die Fachleute sind und bleiben Ihre Mitarbeiter!
Damit
keine Missverständnisse entstehen: Weder sollen noch
können Sie sämtliche Details kennen lernen und
jede einzelne Tätigkeit so gut ausfüllen wie die
jeweiligen Mitarbeiter. Es geht darum, dass Sie einen guten
Überblick haben, die Zusammenhänge sehr gut kennen
und den Beitrag des Einzelnen einschätzen können.
Aber die fachlichen Experten sind und bleiben Ihre Leute!
Es ist
sehr wichtig, dass Sie das nicht vergessen - und dass Sie
Ihren Mitarbeitern immer mal zeigen, dass sie die Fachleute
sind und wie sehr Sie das zu schätzen wissen. Zum Beispiel,
indem Sie sie zu Rate ziehen, nach ihrer Meinung fragen
und sie aktiv in Veränderungsprozesse einbeziehen.
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