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Wie gehen Sie mit Fehlern um: denen Ihrer
Mitarbeiter und den eigenen?

  von Christine Öttl
 

Im Zuge der vielen kleineren und größeren Umstrukturierungen der letzten Jahre wurde immer wieder deutlich, welch große Rolle die "Fehlerkultur" der Unternehmen für die Veränderungsprozesse spielt. Wenn Fehler als schlimme Verfehlung gelten, für die man bestraft oder auf jeden Fall schief angesehen wird, kann das fatale Auswirkungen auf die Qualität der Ergebnisse und der Zusammenarbeit haben: Dann werden Fehler verschwiegen, unter den Tisch gekehrt oder gar anderen in die Schuhe geschoben - auf jeden Fall nicht rechtzeitig erkannt und behoben. Und das behindert natürlich Veränderungen und Verbesserungen.

Wie die Fehlerkultur in Ihrem Unternehmen bzw. in Ihrer Abteilung/Ihrem Team aussieht, bestimmen Sie als Vorgesetzter ganz wesentlich. Deshalb lohnt es sich, hinzugucken und die eigene Einstellung zu Fehlern sowie das daraus resultierende eigene Verhalten zu analysieren.

 

Wie stehen Sie zu Fehlern? Welche emotionale Reaktion lösen Fehler in Ihnen aus?

Natürlich sind Fehler prinzipiell etwas, was wir alle wohl gerne vermeiden möchten. Andererseits lassen sie sich schlicht und einfach nicht aus der Welt schaffen, weil Menschen nun mal Fehler machen. Und, nicht zu vergessen: Gerade aus Fehlern wird man oft klug. Das trifft bestimmt auch auf Sie zu, oder?

Allerdings soll das nicht heißen, dass Sie Fehler locker nehmen und wohlwollend darüber hinweggehen sollen. Denn das könnte bei Ihren Leuten so ankommen, dass Ihnen die Qualität der Arbeit ziemlich egal ist, dass Sie die Arbeit als unwichtig einstufen oder alles schönreden, um bloß niemanden auf einen Fehler aufmerksam machen zu müssen. All diese Schlussfolgerungen sind weder gut für Ihr Image als Chef noch für die Leistungen und die Motivation Ihres Teams.

Die hilfreichste und sinnvollste Einstellung ist meiner Erfahrung nach folgende:

Jeder macht Fehler. Sie sind ein Signal dafür, dass irgendwas nicht stimmt. Man sollte der Sache auf den Grund gehen, aber NIE, um den Sündenbock zu finden, sondern IMMER mit der Motivation, das es in Zukunft besser gemacht werden soll.

Was denken Sie über Fehler? Aus welcher Motivation handeln Sie, wenn Fehler passieren?

 

Wie gehen Sie mit Ihren eigenen Fehlern um?

Sie sollten niemals vergessen, dass Sie als Vorgesetzter immer als Vorbild wirken - im Positiven wie im Negativen. Und wie Sie mit Ihren eigenen Fehlern umgehen, bleibt Ihrer Mannschaft nicht verborgen, sondern wird wahrgenommen und färbt ab.

Wie reagieren Sie auf kleine Fehler: Greifen Sie sich an den Kopf, fragen sich kurz, was wohl mit Ihnen los ist, lachen dann über sich selbst und verbessern das Ganze - oder ärgern Sie sich grün und blau, machen Ihrer Wut vielleicht sogar Luft und können sich lange nicht beruhigen?

Wie gehen Sie mit größeren Fehlern oder gar Fehlentscheidungen um: Setzen Sie sich damit intensiv (aber ohne Selbstzerfleischung) auseinander und stehen Sie dazu (auf vor Ihren Mitarbeitern) - oder schieben Sie sie beiseite und spielen die Sache herab, versuchen, sie zu vertuschen und geheimzuhalten oder geben gar jemand anderem die Schuld?

 

Was machen Sie, wenn Sie einen Fehler entdecken?

Vielleicht haben Sie auch schon mit dem seltsamen "Gesetz" Bekanntschaft gemacht, dass nämlich, wenn es irgendwo einen Fehler gibt, dieser fast immer vom Chef entdeckt wird. Da ist alles richtig einsortiert - bis auf zwei Vorgänge, und genau die zieht der Chef mit zielsicherer Hand hervor!

Wie reagieren Sie in einer solchen Situation? Bleiben Sie ruhig, relativieren Sie die Sache und haben auch ein Auge und ein Wort für all das, was gut und positiv ist - oder poltern Sie los und stellen die Qualität insgesamt in Frage?

Was machen Sie, wenn Sie einen wirklich schweren Fehler entdecken? Setzen Sie sich mit den Betroffenen zusammen, gehen der Sache auf den Grund und legen gemeinsam fest, wie die negativen Auswirkungen eingegrenzt werden und wie ein solcher Fehler in Zukunft vermieden werden kann - oder machen Sie die Betroffenen zur Schnecke und drohen mit Abmahnungen und Rausschmiss?

 

Wie reagieren Sie, wenn Mitarbeiter Fehler eingestehen oder darauf aufmerksam machen?

Kontraproduktiv ist es auch, wenn Mitarbeiter dazu animiert werden, Fehler oder Fehlentwicklungen zu kommunzieren (idealerweise in Kombination mit Lösungs- und Verbesserungsvorschlägen) - und dann passiert ... NICHTS.

Was machen Sie, wenn Sie über Fehler und Schwachstellen Bescheid bekommen? Analysieren Sie die Sache mit den Betroffenen bzw. lassen Sie sie analysieren und arbeiten dann eine Lösung aus, vereinbaren klare Termine und bleiben an der Sache dran - oder leiten Sie ein paar Aktionen ein, die dann im Sande versickern? Haben Sie eine Besserung und Lösung der Situation im Auge und setzen sich dafür auch ein - oder begnügen Sie sich mit der Identifizierung des Schuldigen?

Apropos Sündenbock:
Wichtig ist auch, wie Sie mit Mitarbeitern/Teams umgehen, die nach dem/den Schuldigen für die Fehler suchen und sich darauf konzentrieren. Wenn Sie als Chef dieser Tendenz nicht gegensteuern - oder sie gar noch fördern, dann entsteht ein sehr ungutes Arbeitsklima. Erziehen Sie Ihre Leute dazu, Fehler sofort auzudecken und anzusprechen - und sich immer darauf zu konzentrieren, was in Zukunft besser gemacht werden kann und soll.

 

Natürlich gibt es Fehler, die einfach nicht tragbar sind - vor allem, wenn sie öfter vorkommen. Es kann passieren, dass Sie ernsthafte Konsequenzen ziehen müssen. Aber das ist mit Sicherheit die totale Ausnahme und kommt in Unternehmen mit einer gesunden Fehlerkultur sehr selten vor.

 

Darauf konzentrieren, wie es sein soll

Prinzipiell gilt: Je weniger Angst Ihre Leute davor haben, Fehler zu machen, und je weniger sie darauf fixiert sind, bloß nichts falsch zu machen, umso lockerer und motivierter sind sie - und umso weniger Fehler passieren. Es ist sehr wichtig, dass Sie es selbst vormachen und Ihre Leute dazu animieren, sich darauf zu konzentrieren, wie es sein soll - und nicht, wie es bloß nicht sein darf.

   
   
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