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Im Zuge
der vielen kleineren und größeren Umstrukturierungen
der letzten Jahre wurde immer wieder deutlich, welch große
Rolle die "Fehlerkultur" der Unternehmen für
die Veränderungsprozesse spielt. Wenn Fehler als schlimme
Verfehlung gelten, für die man bestraft oder auf jeden
Fall schief angesehen wird, kann das fatale Auswirkungen
auf die Qualität der Ergebnisse und der Zusammenarbeit
haben: Dann werden Fehler verschwiegen, unter den Tisch
gekehrt oder gar anderen in die Schuhe geschoben - auf jeden
Fall nicht rechtzeitig erkannt und behoben. Und das behindert
natürlich Veränderungen und Verbesserungen.
Wie
die Fehlerkultur in Ihrem Unternehmen bzw. in Ihrer Abteilung/Ihrem
Team aussieht, bestimmen Sie als Vorgesetzter ganz wesentlich.
Deshalb lohnt es sich, hinzugucken und die eigene Einstellung
zu Fehlern sowie das daraus resultierende eigene Verhalten
zu analysieren.
Wie
stehen Sie zu Fehlern? Welche emotionale Reaktion lösen
Fehler in Ihnen aus?
Natürlich
sind Fehler prinzipiell etwas, was wir alle wohl gerne vermeiden
möchten. Andererseits lassen sie sich schlicht und
einfach nicht aus der Welt schaffen, weil Menschen nun mal
Fehler machen. Und, nicht zu vergessen: Gerade aus Fehlern
wird man oft klug. Das trifft bestimmt auch auf Sie zu,
oder?
Allerdings
soll das nicht heißen, dass Sie Fehler locker nehmen
und wohlwollend darüber hinweggehen sollen. Denn das
könnte bei Ihren Leuten so ankommen, dass Ihnen die
Qualität der Arbeit ziemlich egal ist, dass Sie die
Arbeit als unwichtig einstufen oder alles schönreden,
um bloß niemanden auf einen Fehler aufmerksam machen
zu müssen. All diese Schlussfolgerungen sind weder
gut für Ihr Image als Chef noch für die Leistungen
und die Motivation Ihres Teams.
Die
hilfreichste und sinnvollste Einstellung ist meiner Erfahrung
nach folgende:
Jeder
macht Fehler. Sie sind ein Signal dafür, dass irgendwas
nicht stimmt. Man sollte der Sache auf den Grund gehen,
aber NIE, um den Sündenbock zu finden, sondern IMMER
mit der Motivation, das es in Zukunft besser gemacht werden
soll.
Was
denken Sie über Fehler? Aus welcher Motivation handeln
Sie, wenn Fehler passieren?
Wie
gehen Sie mit Ihren eigenen Fehlern um?
Sie
sollten niemals vergessen, dass Sie als Vorgesetzter immer
als Vorbild wirken - im Positiven wie im Negativen. Und
wie Sie mit Ihren eigenen Fehlern umgehen, bleibt Ihrer
Mannschaft nicht verborgen, sondern wird wahrgenommen und
färbt ab.
Wie
reagieren Sie auf kleine Fehler: Greifen Sie sich an den
Kopf, fragen sich kurz, was wohl mit Ihnen los ist, lachen
dann über sich selbst und verbessern das Ganze - oder
ärgern Sie sich grün und blau, machen Ihrer Wut
vielleicht sogar Luft und können sich lange nicht beruhigen?
Wie
gehen Sie mit größeren Fehlern oder gar Fehlentscheidungen
um: Setzen Sie sich damit intensiv (aber ohne Selbstzerfleischung)
auseinander und stehen Sie dazu (auf vor Ihren Mitarbeitern)
- oder schieben Sie sie beiseite und spielen die Sache herab,
versuchen, sie zu vertuschen und geheimzuhalten oder geben
gar jemand anderem die Schuld?
Was
machen Sie, wenn Sie einen Fehler entdecken?
Vielleicht
haben Sie auch schon mit dem seltsamen "Gesetz"
Bekanntschaft gemacht, dass nämlich, wenn es irgendwo
einen Fehler gibt, dieser fast immer vom Chef entdeckt wird.
Da ist alles richtig einsortiert - bis auf zwei Vorgänge,
und genau die zieht der Chef mit zielsicherer Hand hervor!
Wie
reagieren Sie in einer solchen Situation? Bleiben Sie ruhig,
relativieren Sie die Sache und haben auch ein Auge und ein
Wort für all das, was gut und positiv ist - oder poltern
Sie los und stellen die Qualität insgesamt in Frage?
Was
machen Sie, wenn Sie einen wirklich schweren Fehler entdecken?
Setzen Sie sich mit den Betroffenen zusammen, gehen der
Sache auf den Grund und legen gemeinsam fest, wie die negativen
Auswirkungen eingegrenzt werden und wie ein solcher Fehler
in Zukunft vermieden werden kann - oder machen Sie die Betroffenen
zur Schnecke und drohen mit Abmahnungen und Rausschmiss?
Wie
reagieren Sie, wenn Mitarbeiter Fehler eingestehen oder
darauf aufmerksam machen?
Kontraproduktiv
ist es auch, wenn Mitarbeiter dazu animiert werden, Fehler
oder Fehlentwicklungen zu kommunzieren (idealerweise in
Kombination mit Lösungs- und Verbesserungsvorschlägen)
- und dann passiert ... NICHTS.
Was
machen Sie, wenn Sie über Fehler und Schwachstellen
Bescheid bekommen? Analysieren Sie die Sache mit den Betroffenen
bzw. lassen Sie sie analysieren und arbeiten dann eine Lösung
aus, vereinbaren klare Termine und bleiben an der Sache
dran - oder leiten Sie ein paar Aktionen ein, die dann im
Sande versickern? Haben Sie eine Besserung und Lösung
der Situation im Auge und setzen sich dafür auch ein
- oder begnügen Sie sich mit der Identifizierung des
Schuldigen?
Apropos
Sündenbock:
Wichtig ist auch, wie Sie mit Mitarbeitern/Teams umgehen,
die nach dem/den Schuldigen für die Fehler suchen und
sich darauf konzentrieren. Wenn Sie als Chef dieser Tendenz
nicht gegensteuern - oder sie gar noch fördern, dann
entsteht ein sehr ungutes Arbeitsklima. Erziehen Sie Ihre
Leute dazu, Fehler sofort auzudecken und anzusprechen -
und sich immer darauf zu konzentrieren, was in Zukunft besser
gemacht werden kann und soll.
Natürlich
gibt es Fehler, die einfach nicht tragbar sind - vor allem,
wenn sie öfter vorkommen. Es kann passieren, dass Sie
ernsthafte Konsequenzen ziehen müssen. Aber das ist
mit Sicherheit die totale Ausnahme und kommt in Unternehmen
mit einer gesunden Fehlerkultur sehr selten vor.
Darauf
konzentrieren, wie es sein soll
Prinzipiell
gilt: Je weniger Angst Ihre Leute davor haben, Fehler zu
machen, und je weniger sie darauf fixiert sind, bloß
nichts falsch zu machen, umso lockerer und motivierter sind
sie - und umso weniger Fehler passieren. Es ist sehr wichtig,
dass Sie es selbst vormachen und Ihre Leute dazu animieren,
sich darauf zu konzentrieren, wie es sein soll - und nicht,
wie es bloß nicht sein darf.
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