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Als Chef: Das eigene Aufgabengebiet kommunizieren
  von Christine Öttl
 

"Was mein Vorgesetzter den ganzen Tag macht? ... Gute Frage! So genau weiß ich das gar nicht." Viele Mitarbeiter haben nur eine vage Vorstellung davon, welche Aufgaben ihre Chefs haben und wofür diese Zeit und Energie investieren. Das ist schade: Denn dieser Mangel an Information kann leicht zu falschen Einschätzungen oder gar zu Unmut führen ("Wofür kriegt der/die eigentlich mehr Geld als ich?").

Vielleicht gehören auch Sie zu den Vorgesetzten, die sich mehr Wertschätzung von den eigenen Mitarbeitern wünschen. Vielleicht haben auch Sie den Eindruck, dass keiner von Ihren Leuten sieht, was Sie wirklich leisten und Tag für Tag am Buckel haben, sondern alles für selbstverständlich nehmen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Ihre Mitarbeiter einfach viel zu wenig von Ihnen mitbekommen und Ihre Arbeit nicht wirklich einschätzen können.

 

Übung: die Lage analysieren

Es ist sehr hilfreich, sich mit Fragen wie diesen zu beschäftigen:

- Was wissen meine Leute über meinen Aufgabenbereich?

- Wie viel bekommen meine Mitarbeiter automatisch und im Arbeitsalltag davon mit?

- Wie oft rede ich über meine konkreten Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Aktivitäten?

- Welche Gelegenheiten habe ich bisher genutzt, um darüber zu erzählen?


Natürlich geht es nicht darum, sich wichtig zu machen und den Mitarbeitern zu zeigen, wie wahnsinnig viel man zu tun hat und wie schwer und verantwortungsvoll so eine Führungsposition ist. Es geht nur darum, sich mit den Mitarbeitern auszutauschen und auf ihr begründetes Interesse an den Chefaktivitäten einzugehen: Denn es ist normal und verständlich, dass sie sich für die Tätigkeiten ihres/r Vorgesetzten interessieren - ganz besonders dann natürlich, wenn diese nicht offensichtlich sind (z. B. weil er/sie viel unterwegs ist oder meistens im eigenen Büro arbeitet).


Tipp: auch die Führungsfunktion thematisieren

Am interessantesten und aufschlussreichsten ist es, wenn Sie Ihren Mitarbeitern nicht nur die "nackten" Tätigkeiten präsentieren (z. B. Ihre administrativen und inhaltlichen Aufgaben), sondern auch über die für Außenstehende meist unsichtbaren Aspekte Ihrer Führungstätigkeit sprechen. Beispielsweise darüber, wie Sie Ihre Leute und die Arbeitsergebnisse "nach oben" vertreten, wie Sie mit der Verantwortung für die Qualität der Arbeit umgehen, wie Sie mit den anderen Managern zusammenarbeiten usw. So bekommen Ihre Leute ein viel plastischeres und runderes Bild von Ihnen und Ihrem komplexen Aufgabengebiet.

 

Verschiedene Gelegenheiten nutzen, um Ihre Aufgaben zu kommunizieren

Es gibt eine Reihe von Gelegenheiten, die Sie nutzen bzw. schaffen können, um Ihre Mitarbeiter darüber zu informieren, welchen Beitrag Sie als Chef zum Ganzen leisten. Hier nur ein paar Beispiele:


o Teammeetings

Sie können im Rahmen von Besprechungen mit Ihrem ganzen Team Ihre Aufgaben und Ihre Arbeit zum Thema machen. Je nachdem, was am sinnvollsten ist: entweder regelmäßig oder bei Bedarf, also beispielsweise wenn Sie bestimmte Projekte durchzuziehen/durchgezogen haben.


o nach Dienstreisen, Managementbesprechungen usw.

Besondere Ereignisse sind eigentlich DIE Gelegenheiten, um die Mitarbeiter um sich zu versammeln und über das Wesentliche zu berichten. So schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen vermitteln Sie Ihren Leuten ein klares Bild Ihrer Aktivitäten. Zum anderen machen Sie Dinge transparent. Und das ist viel sinnvoller und besser, als die Mitarbeiter im Dunkeln und darüber spekulieren zu lassen, was wohl wieder über die Bühne gegangen sein wird.


o Projektarbeit, Verteilung von Aufgaben usw.

Auch das sind gute Gelegenheiten, um Ihren eigenen Anteil am Ganzen klarzumachen und mitzuteilen, um was konkret Sie sich kümmern werden, in welchen Fragen Sie der Ansprechpartner sind usw. So bringen Sie nicht nur Struktur und Klarheit rein, sondern Ihre Mitarbeiter bekommen auch ganz nebenbei einen Teil Ihrer Aufgaben mit.


Tipp: eine extra Präsentation ansetzen

Wer eine Führungsposition übernimmt, sollte am Anfang auf jeden Fall eine kurze und prägnante Präsentation halten, um sich selbst und das eigene Aufgabengebiet vorzustellen. Doch auch später kann das sehr hilfreich und nützlich sein, beispielsweise wenn man bisher noch nie explizit darüber gesprochen hat, wenn neue Aufgabengebiete dazukommen usw.

 

Sie tun nicht nur Ihren Leuten, sondern vor allem sich selbst einen Gefallen, wenn Sie Ihre Mannschaft in Ihre Aktivitäten als Chef "einweihen" und transparent machen, wie Sie Ihre Zeit investieren. Weil es nur so überhaupt möglich ist, dass Ihre Mitarbeiter Ihren Beitrag erkennen und fair einschätzen. Weil Sie nur dann mehr Verständnis von Ihren Leuten bekommen können, wenn diese die Komplexität Ihres Aufgabenfeldes kennen. Und weil es sehr motivierend wirkt, wenn Sie als Chef die Mitarbeiter einbeziehen und Dinge transparent machen.


   
   
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