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Wohl
alle Bewerber sind nervös und so manchem macht die
Aufregung richtig zu schaffen. Das kann auch für den
Interviewer unangenehm, schwierig oder eine richtige Herausforderung
sein.
Denn
um einen guten Dialog führen, eine konstruktive Atmosphäre
schaffen und den Bewerber wirklich kennenlernen zu können,
braucht es ein gewisses Maß an Ruhe: Große Nervosität
stellt deshalb ein echtes Hindernis dar. Es ist wichtig,
dass Sie als guter Interviewer die Fäden in die Hand
nehmen und dem Bewerber helfen, sich zu beruhigen und lockerer
zu werden.
Bitte
überlassen Sie Bewerber, die sichtlich oder spürbar
nervös und aufgeregt sind, nicht einfach ihrem Schicksal.
Sondern sehen Sie es als Teil Ihrer Aufgabe als guter Gesprächspartner,
Ihren Teil dazu beizutragen, um diesen unangenehmen und
kontraproduktiven Zustand möglichst schnell zu beenden
oder zumindest abzuschwächen.
Wichtig:
Bauen Sie Ihre eigene Nervosität ab
Da auch
Sie ein ganz normaler Mensch sind, kann es durchaus sein
(auch nach jahrelanger Praxis!), dass Sie selbst grundsätzlich
etwas nervös sind - oder dass besonders aufgeregte
Bewerber Sie anstecken. Wenn das der Fall ist: Drängen
Sie Ihre unangenehme Stimmung nicht weg und überspielen
Sie sie nicht durch besonders cooles Auftreten (weil Sie
denken, dass Sie solche unprofessionellen Gefühle nicht
haben dürfen). Denn damit tun Sie sich selbst keinen
wirklichen Gefallen. Und verschrecken höchstwahrscheinlich
den Bewerber nur noch mehr.
Viel
besser ist es, sich die eigene Nervosität einzugestehen
und dann ganz bewusst aktiv zu werden, um sowohl sich selbst
als auch den Gesprächspartner zu beruhigen. All die
folgenden "Techniken" können Sie auch benutzen,
um die eigene Nervosität zu reduzieren und lockerer
zu werden.
Hier
ein paar Anregungen, wie Sie sehr nervöse Bewerber
beruhigen und für ein gutes Gespräch "öffnen"
können:
- Fangen Sie gezielt mit Smalltalk an.
Nutzen
Sie die ersten Minuten ganz bewusst dafür, um die Situation
zu "normalisieren" und aufzulockern. Fragen Sie
nach, wie der Bewerber angereist ist, wie die Anfahrt war
usw. oder kommen Sie ruhig auf das Wetter zu sprechen. Achten
Sie darauf, langsam und ruhig zu reden. Allein dadurch entspannen
Sie die Situation etwas und haben eine beruhigende Wirkung
auf den Bewerber.
siehe
auch: Schönes Wetter heute! - 7 Tipps für Smalltalk
- Schaffen Sie eine möglichst angenehme Atmosphäre.
Zeigen
Sie dem Bewerber, dass er wirklich willkommen ist. Bieten
Sie etwas zu trinken an und fragen Sie nach, ob er gut sitzt
oder lieber wo anders Platz nehmen möchte. Sorgen Sie
dafür, dass weder Sonne noch Zugluft stören, nehmen
Sie immer wieder Augenkontakt mit dem Bewerber auf usw.
- Steigen Sie mit einem unverfänglichen Thema ein.
Wenn
der Bewerber sehr nervös ist, bietet es sich nicht
unbedingt an, ihn mit einer Selbstpräsentation beginnen
zu lassen oder gleich in medias res zu gehen. Gute Alternativen
sind: "lockere" Einstiegsfragen zu stellen (z.
B. wie der Bewerber auf das Unternehmen aufmerksam wurde),
ein allgemeines Thema anzusprechen (z. B. warum der Bewerber
seinen Beruf ergriffen hat) oder eine Angabe aus dem Lebenslauf
aufzugreifen (z. B. ein bestimmtes Hobby). So erleichtern
Sie es Ihrem Gegenüber, ins Reden zu kommen und dadurch
Anspannung abzubauen.
- Bleiben/werden Sie selbst ruhig.
Stimmungen
sind sehr ansteckend. Deshalb ist es sehr wichtig, dass
Sie als Interviewer Ruhe ausstrahlen und die Situation entspannen.
Dazu können Sie beitragen, indem Sie strukturiert vorgehen,
langsam und gut verständlich sprechen, ruhig und geduldig
nachfragen, wenn Ihnen etwas unklar ist oder Sie mehr wissen
möchten, usw.
- Helfen Sie dem Bewerber auf die Sprünge.
Wenn
Sie merken, dass Ihr Gegenüber nicht so recht weiterkommt
oder sich gerade verrennt: Fragen Sie nach, womit er sich
schwer tut, oder fassen Sie das bisher Gesagte zusammen
- anstatt abzuwarten oder gar fordernd zu gucken.
- Sprechen Sie die Nervosität an.
Ja,
auch das ist eine Möglichkeit, wenn der Bewerber extrem
nervös ist und sich einfach nicht beruhigen kann. Sie
können beispielsweise sagen, dass Nervosität ganz
normal ist, Sie das aus Ihrer Praxis kennen und auch selbst
nachvollziehen können. Sie können anbieten, mit
einer Unternehmenspräsentation zu beginnen und dem
Bewerber so Zeit zu geben. Oder auch, wenn es am sinnvollsten
erscheint, eine kurze Pause vorschlagen.
Tipp: Machen Sie die Führung am Anfang
Wenn
eine Führung durch das Unternehmen/die Abteilung geplant
ist, können Sie diese gleich am Anfang machen. Das
hilft aufgeregten Bewerbern in der Regel sehr, weil sie
sich bewegen können und durch die vielen Eindrücke
etwas abgelenkt werden.
Achten
Sie auf Ausgeglichenheit
Sorgen
Sie dafür, dass Sie selbst in einem guten Zustand und
möglichst ausgeglichen sind, wenn Sie in ein Jobinterview
gehen. Hetzen Sie nicht von einem Meeting oder wichtigen
Termin in ein Job-Interview und bauen Sie genügend
Puffer zwischen verschiedenen Gesprächen ein.
Das
ist eine wichtige Voraussetzung, damit Sie selbst genügend
Energie und Geduld aufbringen, um mit der Nervosität
der Bewerber gut umgehen zu können.
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