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Selbstmotivation: Sehen, was gut läuft/positiv ist
  von Christine Öttl
 

Einer der meistgenannten Kritikpunkte, wenn es um Vorgesetzte geht, lautet: Er oder sie nimmt alles, was funktioniert und gut läuft, einfach für selbstverständlich und geht stillschweigend darüber hinweg. Interessanterweise machen viele Menschen genau diesen Fehler auch im Umgang mit sich selbst und merken in ihrem (Arbeits)Leben oft gar nicht mehr, was positiv ist, sondern nur all das, was nicht in ihrem Sinne läuft. Das ist schade, denn so nimmt man sich selbst viel Wind aus den Segeln.

Studien haben es immer wieder gezeigt und wohl jeder kennt es aus eigener Erfahrung: Der Mensch gewöhnt sich sehr schnell an Bequemlichkeiten und an all das, was positiv ist - empfindet es bald als selbstverständlich und registriert es gar nicht mehr. Die Gesundheit ist ein gutes Beispiel dafür: Solange es einem gut geht, nimmt man das kaum wahr. Erst wenn man krank wird, weiß man Gesundheit zu schätzen. Das ist schade: Denn bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen, was man hat und was positiv ist, beeinflusst ganz wesentlich die eigene Motivation, Zufriedenheit und Lebensqualität.

 

Wichtig: Nehmen Sie Ihre Motivation selbst in die Hand!

Wer seine Stimmung und seinen Motivationspegel davon abhängig macht, wie viel positives Feedback und Anerkennung es von anderen gibt (vom Chef, von Kollegen, von Kunden usw.), macht sich sehr abhängig. Es gibt viele Möglichkeiten, sich selbst zu stärken und mit Freude und Power am Ball zu bleiben - auch in unangenehmen Zeiten. Eine davon besteht darin, die eigene Wahrnehmung zu lenken und ganz bewusst das Augenmerk auf das zu richten, was positiv ist und gut läuft. Keine Frage: Das kann ganz schön schwer fallen, vor allem, wenn man jahrelange Übung darin hat, den Fokus auf das zu setzen, was nicht gut läuft und unbedingt anders sein müsste. Aber es lohnt sich, sich Schritt für Schritt umzupolen und diszipliniert und bewusst zu steuern, worauf man seine Aufmerksamkeit und seine psychische Energie richtet.


Hier ein paar Anregungen, wie Sie das tun können:

- eine Liste der positiven Dinge erstellen

Überlegen Sie mal grundsätzlich, was alles in Ihrem (Arbeits)Leben gut läuft und wofür Sie "eigentlich" dankbar sind. Das kann vieles sein - vom regelmäßigen Einkommen und freien Getränken in der Arbeit über angenehme Kunden und nette Kollegen bis hin zu einzelnen Aufgaben, die Ihnen viel Spaß machen und in denen Sie Ihre Fähigkeiten ausleben können.

Am hilfreichsten und erhellendsten ist es, sich verschiedene Kategorien zurechtzulegen (z. B. Rahmenbedingungen in der Arbeit, Aufgabenbereich, Zusammenarbeit mit den Kollegen, persönliche Beziehungen zu Kollegen usw.) und strukturiert ranzugehen. Schreiben Sie Ihre Kategorien auf und notieren Sie darunter alles, was Ihnen jeweils dazu einfällt. Beschäftigen Sie sich regelmäßig und bewusst damit, ganz besonders, wenn Sie einen Durchhänger haben. Und ergänzen Sie immer wieder, wenn Ihnen etwas in den Sinn kommt, das positiv für Sie ist.


- eine "Beobachtungswoche" einlegen

Setzen Sie sich für eine Woche das Ziel, in Ihrem Alltag auf alles Angenehme und Positive zu achten und es bewusst zu registrieren.

Gehen Sie eine Woche lang sehr aufmerksam durch's Leben und halten Sie Augen und Ohren offen, um all das auch zu bemerken, was gut für Sie läuft und Ihnen gefällt (z. B. ein Kompliment von einem Kunden, ein Projekt abgeschlossen, eine Reklamation gut über die Bühne gebracht, etwas zum ersten Mal ohne große Mühe geschafft, was Ihnen vorher immer schwer gefallen ist, und und und). Am besten halten Sie Ihre Erlebnisse schriftlich fest - entweder notieren Sie sie tagsüber nebenbei oder Sie lassen am Abend denTag Revue passieren. Sie werden erstaunt sein, wie viel jeden Tag zusammenkommt.


- auf Kleinigkeiten achten

Bitte unterschätzen Sie nicht vermeintliche Kleinigkeiten! Gerade solche Dinge sind es, die große Auswirkungen haben. Genauso wie man sich von einem genervten Blick den Tag vermiesen lassen kann, kann man sich von einem freundlichen Gesicht aufbauen lassen!

Deshalb: Achten Sie auf die kleinen und angenehmen Dinge, die Ihnen über den Weg laufen und mit denen Sie zu tun haben (z. B. die schöne Pflanze im Gang, der freundliche Taxifahrer, der aufmunternde Blick des Chefs, bevor Sie eine Präsentation halten usw.).


- sich auf das konzentrieren, was Ihnen gelingt

Richten Sie Ihr Augenmerk auf die Dinge, die Ihnen gelingen, und die Bereiche, die Ihnen liegen und in denen Sie gut sind. Anstatt nur wahrzunehmen, dass Sie sich schwer tun mit ungeduldigen Kunden, können Sie sich klar machen, dass Sie sehr gut mit "normalen" Kunden umgehen können.

Achten Sie auf Ihren inneren Dialog und wie Sie mit sich selbst umgehen, vor allem in kritischen Situationen. Anstatt sich durch ein "Und schon wieder habe ich einen Fehler gemacht, ich Idiot! Mir gelingt auch gar nichts!" selbst zu schelten, könnten Sie sich sagen: "Mist, jetzt ist mir ein Fehler passiert - den muss ich korrigieren! Aber das Meiste habe ich gut gemacht." Gewöhnen Sie es sich Schritt für Schritt an, sich durch faire und positive Kommentare selbst bei der Stange zu halten. Und vermeiden Sie es immer öfter, sich selbst zu kritisieren und schlecht zu machen. Denn nur auf Fehler und auf das zu achten, was nicht so toll läuft, zieht runter und bringt auf die Dauer enorm viel Frust und Unzufriedenheit.

 

Keine rosarote Brille!

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich meine keineswegs, dass Sie die rosarote Brille aufsetzen und so tun sollen, als ob alles wunderbar und Sie selbst ohne Fehl und Tadel wären. Es geht "nur" darum, fair und realistisch zu sein - und die wenig hilfreiche Angewohnheit, alles Gute für selbstverständlich zu nehmen und deshalb gar nicht mehr wahrzunehmen, langsam aber sicher zu überwinden.

Zum einen, um sich selbst zu helfen und sich mehr Freude, Zufriedenheit und Energie zu verschaffen. Zum anderen auch deshalb, weil das die allerbeste und stabilste Grundlage ist, um aktiv anzupacken, was nicht in Ihrem Sinne und verbesserungswürdig ist.

   
   
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