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Schon
lange zählt "Kommunikationsfähigkeit"
zu den wichtigsten persönlichen Skills und rangiert
auf der Liste der sozialen Kompetenzen ganz weit oben.
Aber
sehr oft wird "Kommunikationsfähigkeit" einfach
mit "rhetorisch gut drauf" gleichgesetzt. Wer
leicht mit anderen ins Gespräch kommt, also extrovertiert
ist, sich geschickt mit Worten auszudrücken versteht,
also wer "gut reden" und andere überzeugen
kann, gilt vielfach als ein guter Kommunikator.
Doch
"Kommunikationsfähigkeit" umfasst sehr viel
mehr als Extrovertiertheit und gute rhetorische Fähigkeiten:
die Bereitschaft und Fähigkeit, auf andere zuzugehen
und offene, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen und zu
pflegen, Interesse und Respekt für das jeweilige Gegenüber,
die Bereitschaft und Fähigkeit, Dinge zu klären
und Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen usw.
Viele
Menschen sind davon überzeugt, gute kommunikative Fähigkeiten
zu haben: Sie beschreiben sich als extrovertiert, umgänglich,
freundlich und tolerant. Doch das bedeutet noch lange nicht,
dass jemand wirklich gute und vertrauensvolle Beziehungen
zu seinen Kollegen, seinem Chef, dem Partner, seinen Freunden
usw. pflegt. Geht man den Dingen auf den Grund, stellt sich
häufig heraus, dass die Beziehungen nur oberflächlich
und oft gar nicht besonders erfüllend sind: Man weiß
eigentlich nicht genau, was der andere wirklich von einem
hält. Missverständnisse und unklare Dingen sind
nie aufgeklärt worden. Verletzungen sind einfach weggeschoben
worden. Der freundliche und scheinbar unkomplizierte Umgang
miteinander ist nur oberflächlich und im Untergrund
schwelt so einiges vor sich hin, was einen selbst und die
Beziehung mehr oder weniger belastet.
Was
ist Metakommunikation?
Eine
guter und wichtiger Weg, um intensive Beziehungen mit anderen
aufzubauen und am Leben zu erhalten, Schwierigkeiten und
Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und eine
positive, vertrauensvolle Stimmung zu schaffen, ist "Metakommunikation".
Der Begriff stammt aus der Kommunikationspsychologie und
bedeutet soviel wie "über die Kommunikation sprechen"
(griechisch "meta" = "über"). Es
geht also darum, die Dinge nicht einfach so laufen zu lassen,
sondern die Kommunikation mit anderen bewusst zu erleben,
zu hinterfragen und zu gestalten.
Gerade
wenn es mit anderen Leuten schwierig wird oder die Dinge
nicht so laufen wie gewünscht, ist die Versuchung groß,
den Kopf einfach in den Sand zu stecken und so zu tun, als
wäre nichts passiert. Weit verbreitet ist es auch,
sich zusammenzureißen, bloß nicht irgendwelchen
Emotionen nachzugeben, cool, sachlich und "vernünftig"
zu bleiben nach dem Motto: "Hier geht es nur um die
Sache. Wir sind doch keine Kinder mehr!"
Doch
diese Strategie funktioniert meistens nicht: weil sich die
persönlich-emotionale Ebene nicht einfach verleugnen
lässt und wenn sie unterdrückt wird
die gesamte Beziehung überschatten und richtiggehend
unterminieren kann. Wie oft sind dicke Luft, Sticheleien,
Aggression und Streit, ja sogar "kalter Krieg"
und Trennung die Folge!
Vielversprechender
und auch befriedigender ist es, erstens anzuerkennen, wie
wichtig und wie mächtig die persönliche Ebene
ist. Und zweitens aktiv zu werden, über den Umgang
miteinander, die Schwierigkeiten, aber auch die angenehmen
Seiten zu sprechen und nach Lösungen zu suchen, um
die Situation zu entschärfen und zu verbessern.
Ein
Beispiel: Gespräche mit einem bestimmten Kollegen führen
regelmäßig in eine Sackgasse. Sie geraten sich
immer wieder in die Haare, es kommt eigentlich nie zu einem
richtigen Dialog und oft trennen Sie sich im Streit. Beide
Seiten sind frustriert und sagen sich: "Mit uns klappt
das einfach nicht. Man kann einfach nicht mit ihm/ihr sprechen!"
Die
Wahrscheinlichkeit, dass irgendwas auf der so genannten
Beziehungsebene schief läuft, ist sehr hoch. Natürlich
erfordert es viel Mut und Engagement, diesen Dingen auf
den Grund und auf den anderen zuzugehen, um die Situation
gemeinsam zu verbessern. Aber es lohnt sich, über den
eigenen Schatten zu springen und den anderen um eine Aussprache
zu bitten.
Ziel
einer solchen Aussprache sollte sein, folgendes herauszufinden
und gemeinsam zu klären:
- Was
genau stimmt nicht mit uns? Was läuft schief? In welchen
Gesprächen und bei welchen Themen passiert es? Was
genau ist es, das die Stimmung so geladen und destruktiv
werden lässt?
- Was
führt immer wieder zu Streit? Welche Bemerkungen oder
welche nonverbalen Signale? Gibt es vielleicht so richtige
"Reizwörter"?
- Was
geht in mir selbst vor? Wie geht es dem anderen? Welche
Mechanismen laufen ab? Spielen Erinnerungen an frühere
Erlebnisse eine Rolle? Steht irgendetwas zwischen uns, das
wir noch nicht geklärt haben?
- Was
stört beide: am anderen, an der eigenen Reaktion, an
der gesamten Situation?
Wie könnte und sollte es sein?
Welchen Beitrag muss jeder dazu leisten? Was erwartet jeder
vom anderen?
Und
das ist wichtig, damit das Gespräch auch positiv verlaufen
kann:
Die Motivation, Dinge zu klären und die Beziehung
zu verbessern
Je stärker
der Wunsch, die Situation im Sinne aller Beteiligten zu
verbessern und an der Beseitigung aller Hindernisse zu arbeiten,
umso größer ist die Aussicht auf Erfolg. Wenn
Sie diese Motivation haben und diese auch verbal
äußern , ist die Wahrscheinlichkeit auf
ein gutes Gespräch sehr hoch. Denn nur dann werden
Sie wirklich erfahren, was im anderen vorgeht, und gemeinsam
an der Sache arbeiten können.
Wenn es in Wirklichkeit nur darum geht, dem anderen endlich
mal "die Meinung zu sagen", sind die Aussichten
auf Erfolg ziemlich gering.
Konstruktiver
Umgangston
Damit
ist nicht gemeint, dass man keinerlei Emotionen zeigen und
immer ganz sachlich bleiben soll. Gerade wenn sich Dinge
länger angestaut haben, ist es oft gar nicht möglich,
einen emotionalen Ausbruch zu vermeiden. Es kann absolut
gut und sinnvoll sein, erstmal reinen Tisch zu machen und
seinen Ärger, Enttäuschung oder Wut rauszulassen.
Das gilt für beide Seiten: Seien Sie nicht gleich eingeschnappt
und zutiefst getroffen, wenn Ihr Gesprächspartner Sie
erstmal angreift und so richtig Dampf ablässt. Ein
"reinigendes Gewitter" kann sehr hilfreich sein.
Vorausgesetzt natürlich, dass man es nicht dabei belässt
und sich nicht auf gegenseitige Beschuldigungen beschränkt.
Das bringt niemanden weiter.
Wichtig,
um einen echten Dialog führen zu können und die
Aussprache zu einem Erfolg werden zu lassen, ist: freundlich,
klar, offen und sachlich zu sein statt aggressiv
oder defensiv , zuzuhören, an dem Gesprächspartner
echtes Interesse zu haben anstatt immer nur selbst
zu sprechen und auf der eigenen Sichtweise zu beharren
und so zu beweisen, dass man wirklich etwas verbessern will.
Wenn Sie es ehrlich meinen, bitten Sie Ihren Gesprächspartner
um Unterstützung oder fragen Sie, was Sie seiner Meinung
nach tun könnten, um die Situation zu verbessern.
Nachfragen,
den Dingen auf den Grund gehen
Da nicht
sehr viele Menschen daran gewöhnt sind, über so
persönliche Dinge zu sprechen, ist die erste Reaktion
oft diese: "Es ist doch gar nichts. Ich weiß
gar nicht, was du meinst! Ist doch alles ok.".
Machen Sie nicht sofort einen Rückzieher und lassen
Sie die Sache nicht einfach auf sich beruhen. Fragen Sie
nach, haken Sie nach und sagen Sie, wo der Schuh Sie drückt.
Machen Sie klar, dass Ihnen die Situation im Moment nicht
gefällt und Sie etwas ändern wollen. Und dass
Sie den anderen dafür brauchen.
Sie sollten Ihrem Gesprächspartner zugestehen, dass
er eventuell im Moment überfordert ist, und anbieten,
ein anderes Mal darüber zu sprechen. Wenn Sie von vornherein
einkalkulieren, dass viele Menschen solche Gespräche
einfach nicht gewohnt sind und vielleicht nicht sofort mitmachen,
erleichtern Sie sich und dem anderen die Sache ungemein.
Geben Sie ihm Zeit, aber verlieren Sie es nicht aus den
Augen.
Der
Blick nach vorne
Inhalt
des Gespräches darf nicht nur der Status quo sein:
Es geht darum, Wege und Möglichkeiten zu finden, um
all das zu verändern und in Zukunft zu vermeiden, was
die Kommunikation und die zwischenmenschliche Beziehung
belastet und erschwert.
Also: Wie machen wir weiter? Was sollen beide konkret tun
und zur Verbesserung beitragen? Was sollen beide unterlassen?
Welche gegenseitigen Erwartungen gibt es?
Treffen Sie Vereinbarungen, schließen Sie einen Pakt,
um sich das Leben in Zukunft leichter zu machen und sich
gegenseitig zu unterstützen. Führen Sie regelmäßige
Gespräche, um Ihre Fortschritte Revue passieren zu
lassen und sich gegenseitig zu motivieren. Und um über
das zu diskutieren, was noch nicht so gut läuft.
Es
müssen Taten folgen
Wie
positiv und wertvoll es sein kann, sich auszusprechen und
Belastendes loszuwerden, wie erleichtert und voller neuer
Energie man sich hinterher fühlt, kennt wahrscheinlich
jeder aus eigener Erfahrung. Bestimmt ist auch Ihnen schon
mal der sprichwörtliche Stein vom Herzen gefallen.
Die heilsame Wirkung von Aussprachen und Klärung unerledigter
Dinge - anstatt sie mit sich herumzuschleppen und so viel
Energie zu verschwenden - ist auch wissenschaftlich belegt.
Besonders intensiv beschäftigt sich damit der amerikanische
Kognitionsforscher James Pennebaker.
Allerdings
reichen Aussprachen alleine so wertvoll sie auch
sind nicht aus, um die Dinge automatisch zum Besseren
zu wenden: Es müssen schon Taten folgen und man muss
auch im "richtigen Leben" dranbleiben.
"Wir
machen soviel Metakommunikation, reden immer wieder darüber,
wie unser Teamwork aussehen soll. Und trotzdem gibt es da
diesen einen Kollegen, der mir immer noch nicht die nötigen
Informationen weitergibt!" So ein Seminarteilnehmer.
Auf die Frage, was er denn dann mache: "Nichts. Wir
haben ja vereinbart, wie es zu laufen hat."
Metakommunikation
im Sinne von Besprechungen, in denen man sich austauscht
und Vereinbarungen trifft kann nicht die direkte
und offene Kommunikation im ganz normalen Alltag ersetzen.
Vielversprechender als nichts zu tun und darauf zu warten,
dass der Kollege sich endlich mal an die Vereinbarungen
hält, ist es, auf ihn zuzugehen und ihn darauf anzusprechen.
Nachzufragen, was los ist, und ihm klarzumachen, dass man
seine Unterstützung braucht. Auf andere zuzugehen,
offen und interessiert zu sein, ist ein weiterer wesentlicher
Bestandteil effizienter und guter Kommunikation.
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