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Vorsicht Falle: Bagatellisieren
  von Christine Öttl
 

Das kennen wohl die meisten: Wenn andere sich über etwas beschweren oder etwas als Problem sehen - man selbst das aber überhaupt nicht nachvollziehen kann, dann tendiert man fast automatisch zu Reaktionen wie "Das ist doch überhaupt nicht schlimm!" oder "Sowas kann doch (heutzutage) kein Problem sein!"

Selbst wenn solche Aussagen gut gemeint sind und der Sache die Brisanz nehmen sollen, sind sie meistens nicht wirklich hilfreich. Denn es passiert sehr leicht, dass der Angesprochene sich nicht ernst genommen fühlt und die Kommunikation leidet.


Tipp: Wechseln Sie mal die Perspektive

Höchstwahrscheinlich haben Sie es selbst schon erlebt, dass Ihre Aussagen, Bedenken oder Schwierigkeiten mit wenig verständnisvollen Sätzen kommentiert und beiseitegeschoben wurden. Rufen Sie sich ein solches Erlebnis möglichst intensiv vor Augen und überlegen Sie :

- Wie haben Sie sich gefühlt?
- Was haben Sie über den Kommentar gedacht?
- Was haben Sie über Ihren Gesprächspartner gedacht?
- Welche Reaktion hätten Sie sich statt dessen gewünscht?

Wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, haben Sie die Rückmeldung mehr oder weniger als Kritik und Zurückweisung empfunden. Je nach Persönlichkeit und Vorgeschichte schließt man daraus, dass man total im Unrecht ist, etwas Dummes gesagt hat, zu empfindlich, zu wenig belastbar, zu unkreativ oder zu wenig selbstverantwortlich usw. ist. Das erschwert nicht nur die Kommunikation in der Situation selbst, sondern kann die Beziehung grundsätzlich trüben.

 

Nehmen Sie die andere Person ernst

Die beste Voraussetzung, um besser mit "Lappalien" anderer umgehen zu können, ist die Erkenntnis, dass die Sache (zumindest im Moment) für den anderen tatsächlich ein Thema ist oder gar ein echtes Problem darstellt. Auch wenn Sie selbst das überhaupt nicht nachvollziehen können!

Es ist sehr hilfreich, sich diese Tatsache ganz bewusst zu machen - und sich in einer entsprechenden Situation selbst an die Hand zu nehmen und daran zu denken. Auf dieser Grundlage fällt es Ihnen nämlich viel leichter, sich spontane und gewohnheitsmäßige Sätze wie "Ist doch überhaupt nicht schlimm! Ich weiß echt nicht, was du wieder hast!" zu verkneifen und anders zu reagieren.

Hier ein paar Alternativen:


- Sprechen Sie den Zustand Ihres Gegenübers an.
z. B. "Oh, du bist ganz aufgeregt." - "Die Sache geht Ihnen wirklich an die Nieren, wie ich sehe." - "Was der Chef gesagt hat, belastet dich ja viel mehr, als ich dachte."


- Fragen Sie nach, was genau dahintersteckt.
z. B. "Was genau ist daran so schlimm für dich?" - "Was meinen Sie, wenn Sie sagen, dass …?" - "Bist du deshalb so getroffen, weil dich die Sache an … erinnert?"


- Hören Sie intensiv zu und ermöglichen Sie es dem anderen, sich wirklich auszusprechen.


- Fassen Sie eventuell zusammen, was bei Ihnen angekommen ist.
z. B. "Wenn ich es richtig verstanden habe, dann meinst du …" - "Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Sie machen sich Sorgen, dass …" - "Du denkst also, dass …, weil …"


Auf diese Art gelingt es Ihnen am besten, eine offene, ja sogar vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und dazu beizutragen, dass Ihr Gesprächspartner allmählich ruhiger und besonnener wird. Und dann ist die Chance, dass die Bereitschaft des anderen steigt, sich Ihre Sicht der Dinge wirklich anzuhören und sich beeinflussen und helfen zu lassen, sehr viel größer, als wenn Sie gleich gegenreden.

   
   
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