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Obwohl
seit vielen Jahren immer wieder die Rede ist von "konstruktiver
Kritik", löst allein das Wort oder der Gedanke
an Kritik sehr unangenehme Gefühle und Reaktionen in
den meisten Leuten aus - und zwar sowohl, was das Annehmen
als auch das Aussprechen von negativem Feedback anbelangt.
Das scheint daran zu liegen, dass der Begriff Kritik fast
ausschließlich negativ besetzt ist. Und das ist schade,
denn dadurch macht man sich das Leben schwerer als leichter.
Viel besser und konstruktiver ist es, sich eine gesunde
Einstellung zu Kritik zu erarbeiten.
Kritik
und negative Äußerungen scheinen zum Leben und
zum Arbeitsleben dazuzugehören: Wohl jeder hat einschlägige
Erfahrungen damit - und zwar in beide Richtungen, als "Opfer"
genauso wie als "Täter". Jeder ist schon
kritisiert und geschimpft worden und jeder hat selbst kritisiert
und geschimpft - und sich dabei mal mehr oder weniger im
Ton vergriffen.
Eine
gesunde Einstellung zu Kritik ist die Grundlage dafür,
um konstruktiv damit umgehen zu können - sowohl aktiv
als auch passiv.
Und hier ein paar Gedanken dazu, wie diese gesunde Einstellung
aussehen kann.
realistisch denken: Kritik wird passieren
Ich
kenne einige Leute, die sinngemäß folgendes sagen:
"Kritik ist schlecht und tut weh. Die anderen sollten
mich nicht kritisieren. Ich möchte, dass mich nie wieder
jemand kritisiert - oder wenn schon, dann ganz freundlich!"
oder: "Die anderen sollen einfach ihre Sachen richtig
machen. Ich will nicht jemandem sagen müssen, dass
etwas schief läuft und wie es sein sollte!"
Vielleicht ist Ihnen, während Sie diese Sätze
gelesen haben, durch den Kopf geschossen: "Das ist
ja Wunschdenken!" Richtig, wer so denkt, ist einfach
nicht realistisch - und wird früher oder später
schmerzhaft von der Realität eingeholt. Denn Kritik
bzw. die Notwendigkeit, einem anderen Menschen mal was nicht
so Angenehmes mitzuteilen, wird kommen.
Damit
Sie mich nicht missverstehen: Es geht hier nicht darum,
den Teufel an die Wand zu malen. Es geht nur darum, dass
Sie Ihre Vorbehalte gegen und Ängste vor Kritik abbauen
- und durch eine offenere und konstruktivere Einstellung
ersetzen. Denn dann können Sie viel lockerer und souveräner
mit dem Thema umgehen.
konstruktiv
denken: Kritik ist immer eine Chance!
Bitte
lassen Sie sich nicht dadurch abschrecken, dass der Begriff
"Chance" mittlerweile so abgegriffen und floskelhaft
ist. Ich meine es wirklich ernst. Kritik bietet immer die
Möglichkeit, dazuzulernen, sich zu verbessern und weiterzuentwickeln.
Hier
ein paar Beispiele, was ich mit Chance und Lernmöglichkeiten
meine:
- inhaltlich/von der Sache her besser werden
Sie
haben tatsächlich einen Fehler gemacht oder sind im
Unrecht, haben einen bestimmten Aspekt nicht beachtet, etwas
Grundlegendes nicht gewusst, sich in eine Richtung verrannt,
etwas Wichtiges übersehen oder nicht berücksichtigt
...
Es wäre doch schade, wenn Sie sich diese Chance entgehen
lassen würden, weil Sie bei kritischen Tönen entweder
gleich die Stacheln ausfahren oder sich in Ihr Schneckenhaus
zurückziehen, oder? Wenn Sie von dem Gedanken ausgehen,
dass Kritik ein Wegweiser ist, um Sie voranzubringen, dann
wird es Ihnen viel leichter fallen, die Botschaft aufzunehmen
und daraus zu lernen, - bzw. einem anderen Menschen etwas
nicht so Angenehmes mitzuteilen.
- emotionale
und soziale Kompetenz verbessern
Ja:
Oft macht es einem der Absender der kritischen Worte schwer,
den "konstruktiven Kern" in der Kritik wahrzunehmen
- sei es durch aggressiven Tonfall, ungeschickte und beleidigende
Wortwahl, vielsagende Blicke oder gar eine Attacke auf die
eigene Persönlichkeit ("Immer machst du das so.../Sie
sind einfach ein Typ, der...!") usw. Auch Kritik zu
üben, ist ganz schön schwierig, wenn der Gesprächspartner
gar nicht konstruktiv darauf reagiert.
Und genau hierin liegen die Lernmöglichkeiten: Sie
können lernen, in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren,
auf Ihr Gegenüber einzugehen und sich nicht provozieren
zu lassen.
- Selbstbewusstsein
steigern
In schwierigen
und kritischen Situationen nicht die Balance zu verlieren
und sich nicht den Emotionen auszuliefern, sondern das Heft
in der Hand zu behalten und souverän zu bleiben: Kaum
etwas ist besser für das Selbstwertgefühl und
das Selbstbewusstsein. Wenn Sie Kritik als Bewährungsprobe
und als Chance zum Dazulernen in Richtung Souveränität
interpretieren - anstatt als etwas Bedrohliches und Niederschmetterndes,
dann kann Sie nichts mehr so leicht umhauen.
- Missverständnisse/unterschwellige
Konflikte klären
Gerade
wenn Kritik sehr massiv oder aggressiv geäußert
wird, steckt oft etwas ganz anderes dahinter - vor allem
dann, wenn es sich um eine "Lappalie" handelt.
Um das, worum es eigentlich geht, aufzuspüren und dann
auch ausräumen zu können, müssen Sie sich
auf einen Dialog einlassen. Und das fällt viel leichter,
wenn Sie der Kritik in Ihrem Kopf den Schrecken nehmen.
- über
den Tellerrand hinaus denken: für den, der Kritik äußert,
ist diese IMMER berechtigt
Viele
Leute sagen: Ich habe nur Probleme mit ungerechtfertigter
und nicht berechtigter Kritik. Das bedeutet in der Regel,
dass sie entweder zurückschlagen oder sich einigeln,
wenn sie mit "unberechtigter" Kritik konfrontiert
werden. Und schon geht es ihnen schlecht, fühlen sie
sich unfair behandelt oder als Opfer - und leiden die zwischenmenschlichen
Beziehungen.
Bestimmt
haben Sie schon mal Leuten negative oder unangenehme Dinge
gesagt und Kritik an jemandem geübt. Bitte überlegen
Sie: Haben Sie jemals Kritik geübt, die aus Ihrer Sicht
unberechtigt war? Wohl kaum. Das gilt natürlich auch
für andere Leute: Wenn jemand Sie kritisiert, dann
ist das aus dessen Sicht sehr wohl berechtigt. Ja: Sie sehen
die Sache vielleicht ganz anders, vielleicht haben Sie auch
überhaupt nichts damit zu tun oder vielleicht handelt
es sich um ein Missverständnis. All das können
Sie am allerbesten herausfinden und klären, wenn Sie
in der Situation ruhig bleiben und der Sache auf den Grund
gehen.
Deshalb ist es sehr hilfreich, sich immer wieder vor Augen
zu rufen: Aus der Sicht des Anderen ist seine Kritik immer
berechtigt.
Wenn
Sie kritisches und negatives Feedback als etwas sehen lernen,
was einfach zum Leben dazugehört und wovon Sie immer
auf die eine oder andere Art profitieren können, dann
verlieren selbst äußerst unangenehme Szenen ihren
Schrecken. Und das hilft Ihnen enorm weiter - sowohl im
Arbeits- als auch im Privatleben.
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