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Das Gehirn auf Trab halten
  von Gitte Härter
 

Ganz egal, ob man sich in der Arbeit unterfordert fühlt – oder ob man mehr als genug zu tun hat, unabhängig davon, ob man Routinetätigkeiten macht oder komplexe Projekte betreut: Manchmal fühlt man sich "hirnmäßig" nicht gefordert.

Die naheliegende Lösung ist Weiterbildung: eine Sprache neu lernen oder vertiefen, ein Fernstudium aufnehmen ... oder oder oder. Doch nicht jeder möchte tatsächlich so einen großen "Brocken" an Arbeit auf sich nehmen. Denn der Wunsch, sein Gehirn auf Trab zu halten, muss ja nicht gleichzeitig mit einem hohen Zeiteinsatz einhergehen.
Im Gegenteil: Häufig nimmt man sich tatsächlich viel zu viel auf einmal vor – was meist darin mündet, dass man nach kurzer Zeit die Waffen streckt oder erst gar nicht in die Gänge kommt.

Nutzen Sie die zahlreichen Kleinigkeiten, die Sie voran bringen und die Sie gut im Alltag unterbringen. Hier einige Beispiele zu Ihrer Inspiration:

Rhythmus/Musik
Bewegung
Gedächtnisspiele
Spiele spielen!
Wortschatz ausweiten
Hobby/Expertentum

 

Rhythmus/Musik

Mögen Sie Musik? Eine sehr gute Möglichkeit, so gut wie überall durchführbar, sind Rhythmusübungen. Den Takt zu einem Lied mitklopfen oder sich einen Rhythmus in Gedanken vorsingen und mitwippen. Nicht jeder schafft es auf Anhieb, im Takt und in der richtigen Geschwindigkeit zu bleiben. Wer’s schwieriger mag, kann Isolationsübungen machen: Die Füße klopfen einen anderen Takt als die Hände – beide Füße unterschiedlich, beide Hände ebenso.

Eine schöne Übung in dem Zusammenhang:

Probieren Sie mal aus, wie gut Sie abschneiden ... klopfen Sie sich gleichzeitig mit der rechten flachen Hand (leicht!) auf den Kopf und beschreiben mit der anderen Hand Kreise auf Ihrem Bauch. Klappt’s? Jetzt Richtung wechseln – dann Hände tauschen.

Okay, diese Übung sieht in der Öffentlichkeit etwas seltsam aus ... nehmen Sie sie nur als Beispiel, dann sehen Sie auch sofort, wie es mit Ihrer Koordination aussieht. Nicht frustriert sein, wenn es nicht auf Anhieb klappt!

Wer tiefer einsteigen will, der sollte sich mal die Rhythmus- bzw. Trommelkurse beispielsweise bei der VHS ansehen. Es gibt diese auch als Wochenendseminar. Ein sehr gutes Gehirntraining und sehr entspannend, weil man aktiv was tut.

 

Bewegung

Auch Bewegung fordert selbstverständlich Ihr Gehirn. Und das Interessante: Das Hirn lernt, selbst wenn man nicht ständig übt.

Gehen Sie in ein Fitnessstudio? Ein schönes Gedächtnistraining sind alle Stunden, bei denen Schrittkombinationen wichtig sind. Viele Leute meiden diese Stunden, weil sie ihnen zu schwierig erscheinen. Und tatsächlich: Beim ersten Mal kommt man sich ziemlich bescheuert vor, wenn alle mitkommen und man selbst überhaupt nichts begreift. Vor allen Dingen die Koordination von Armen und Beinen (siehe auch die Isolationsübungen oben) ist extrem schwierig am Anfang.

Probieren Sie’s mal aus: Das Schöne daran ist, dass Sie sich nicht nur sportlich betätigen, sondern auch ganz aktiv Ihr Hirn fordern. Ein tolles Gefühl, wenn man bereits nach kurzer Zeit bemerkt, dass man Bewegungsabläufe "intus" hat und lockerer mitkommt. Positiver Nebeneffekt: Neue Bewegungen kriegt man ebenfalls schneller gebacken.

Das Gleiche gilt natürlich auch für Tanzkurse etc.

 

Gedächtnisspiele

Komisch. Als Kind spielt man sie meistens begeistert und ohne Ende – Gedächtnisspiele. Ich erinnere mich an Spiele wie "Ich packe in meinen Koffer ..." oder ähnliche "lange Sätze". Kennen Sie sicher auch, oder? Einer beginnt einen Satz und die anderen fügen jeweils ein Wort dazu. Und diese lange Kette wird stetig wiederholt.

Beispiel: Ich packe in meinen Koffer ein Handtuch ... (nächste Person) Ich packe in meinen Koffer ein Handtuch und eine Blumenvase (nächste Person) Ich packe in meinen Koffer ein Handtuch, eine Blumenvase, ein Stoffkamel, ...
Auf diese Art kann man endlos weitermachen.

Wenn Ihnen diese Variante zu kindisch ist, dann wählen Sie einfach einen anderen Satzbeginn oder irgendein bestimmtes Thema. Vielleicht haben Sie eine Bekannte, die auch so gerne Beatles-Lieder hört, dann zählen Sie mal Beatles-Songs hintereinander auf. Oder Kundennamen, oder oder oder

Wann haben Sie zuletzt ein Gedicht auswendig gelernt? Vielleicht kennen Sie ja noch einen kleinen Teil von früher aus der Schulzeit ... ach, Sie kennen noch die ersten Strophen der "Bürgschaft" auswendig? Wie sieht’s mit dem Rest aus?

Ein weiterer Tipp ist das gute alte Kopfrechnen: Na? Sind Sie auch so grottenschlecht im Kopfrechnen geworden seit Taschenrechner, Excel & Co.? Trauen Sie sich auch nicht mehr und rechnen, wenn Sie schon mal was im Kopf ausrechnen, das Ganze anschließend nach? – Willkommen im Club.

Eine schöne Möglichkeit, Ihr Gehirn auf Touren zu bringen ist es, zurück zum Kopfrechnen zu gehen: am Arbeitsplatz oder beim Einkaufen im Supermarkt bzw. im Restaurant (schon mal im Kopf die Preise zusammenrechnen und dann sehen, ob es stimmt – Sie können sich für den Anfang ja auf glatte Beträge beschränken, dann haben Sie’s zwar nur Daumen mal Pi, aber auch bereits trainiert).

Vielleicht möchten Sie auch in puncto Rechnen gemeinsam mit jemandem üben? Dann empfehle ich Ihnen den "Rechenkönig". Kennen Sie vielleicht ebenfalls noch aus der Schule: Einer gibt einfache Rechnungen vor – zum Beispiel das kleine Einmaleins, wer die Lösung am schnellsten hat, ruft sie laut raus. In der Regel tritt man in Zweier-Gruppen an und die jeweiligen Sieger spielen gegeneinander.

Auch Rätsel lösen fordert: Ob Sie sich für Kreuzwort- oder Worträtsel entscheiden oder lieber heftig schwierige Text- und Matherätsel lösen – Publikationen gibt es genug und auch das Internet ist eine gute Quelle.

Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf: ob Sie im Kopf, auf Papier – oder per PC Spielen möchten.

 

Spiele spielen!

Wann haben Sie zuletzt gespielt? Es gibt eine breite Palette an Gesellschaftsspielen, die Sie auf Zack bringt. Ob Sie sich für Zeichenspiele ("Die Montagsmaler", "Images" etc.) entscheiden, bei denen eine Person unter Zeitdruck Wörter oder Sprüche zeichnen muss. Ob es gleich so richtig Pantomime sein soll. Oder ob Sie sich für Strategie- und Denk-Brettspiele entscheiden: Sie tun was für sich und für Ihre Reaktionsgeschwindigkeit, Denke und Kreativität.

 

Wortschatz ausweiten

Egal, ob die deutsche oder eine Fremdsprache: Weiten Sie doch Stück für Stück – ganz gemächlich, aber dafür regelmäßig, Ihren aktiven Wortschatz aus.

Ein ganz normales Wörterbuch oder eins mit Fremdwörtern bzw. Synonymen reicht schon aus. Suchen Sie sich jeden Tag ein Wort aus, über das Sie sich genauer informieren und das Sie dann an diesem Tag bewusst versuchen, in Ihren Tag einzubauen.

Das kann ganz ernsthaft geschehen – oder Sie suchen sich mit Absicht irgendein völlig abstraktes Wort und machen sich einen Spaß aus der Herausforderung, dieses Wort unterzubringen.

Auch in einer Fremdsprache, die Sie möglicherweise schon sehr gut beherrschen, lohnt sich das.

Für’s Englische hier zwei Tipps für Sie:
http://www.owad.de – one word a day
Sie erhalten jeden Tag per E-Mail ein kleines Quiz mit einem neuen Wort und einer Erklärung.

http://dict.leo.org/?lang=de – Wörterbuch Engl.-Dt./Dt.-Englisch
Ich habe mir zur Gewohnheit gemacht, englische Nachrichten und Artikel zu lesen. Immer wenn mir ein Wort nicht geläufig ist, das mich neugierig macht, sehe ich bei leo.org nach und versuche, mir das Wort zu merken bzw. es so schnell wie möglich praktisch umzusetzen, denn dann bleibt es eher hängen.

Es helfen auch Wortketten oder sonstige Wortspiele. Während Sie im Stau stehen, überlegen Sie sich doch mal alle Wörter, die Sie für "Freude" kennen oder für "Ärger" oder oder oder. Ein schöner Nebeneffekt ist es, dass Sie sich über die einzelnen Bedeutungsnuancen klarer werden.

 

Hobby/Expertentum

Am leichtesten fällt lernen und üben, wenn man sich für etwas wirklich interessiert. Kennen Sie noch den "Großen Preis" mit Wim Thoelke? Kandidaten hatten ein Spezialgebiet, das waren manchmal ganz schön abstrakte Interessensbereiche ... und darüber wussten diese Kandidaten alles, zumindest kam es einem so vor.

Auch wenn Sie "nicht so der Hobbymensch" sind – sicherlich interessieren Sie sich für irgendetwas: Finden Sie gezielt mehr darüber heraus, lesen Sie sich Details an, erinnern Sie sich bewusst daran.

Unser Hauptziel momentan ist es ja, Ihr Gedächtnis auf Trab zu bringen – ein schöner Nebeneffekt ist es, dass Sie sich gleichzeitig in einem Bereich, für den Sie sich interessieren, ein größeres Wissen aneignen.

Tipp: Gemeinsam mit Kollegen oder Familie/Freunden.

 

Das Schöne: Erfolge feiern!

Alle diese spielerischen Ansätze haben eins gemeinsam – abgesehen davon, dass Sie sich wie nebenbei fordern und gedanklich aktiv bleiben, können Sie konkrete Erfolge feiern. Denn jede der beispielhaft genannten Aktivitäten bringt Ihnen zusätzliche Fähigkeiten oder Kenntnisse. Und das ganz nebenbei!

Viel Spaß!

   
   
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