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Special: Weiterbildung
Weiterbildung neben dem Job
 

von Gitte Härter

 

Natürlich ist das Thema Weiterbildung ein sehr großes: Ob es sich um langfristige Fortbildungen mit Abschluss handelt, ob Sie nebenbei an der einen oder anderen Fähigkeit etwas feilen möchten oder ob Sie etwas von Grund auf neu lernen möchten: Die Möglichkeiten sind vielfältig

- sowohl was die Themen angeht
- als auch die Wege

 

Was haben Sie vor?

Bevor Sie sich überhaupt gezielt ans Weiterbilden machen können, ist es wichtig, zu hinterfragen, was Sie eigentlich möchten. Also mit welchem Ziel möchten Sie eine bestimmte Fähigkeit erlernen oder vertiefen? Was streben Sie an?

Oft haben wir beispielsweise mit Menschen zu tun, die "eigentlich" gar keine Fortbildung machen möchten, die sich aber - durch Umfeld, Presse etc. - mehr oder weniger dazu genötigt fühlen. Man "muss"/"sollte" ja etwas machen. Und nur dann, wenn man sich weiterbildet, wird man was.

Und so kommt es, dass sich so mancher in eine Fortbildung stürzt, der lieber abends ins Kino gehen würde oder in die Kneipe.

Tipp: Hinterfragen Sie immer zunächst Ihr Ziel.
o Warum möchten Sie eine Fortbildung machen? Was genau ist Ihre Motivation?
o Inwiefern ist Ihnen das Thema der Weiterbildung klar?

Erst im nächsten Schritt geht es darum, wie intensiv, wie lange und in welcher Lernform Sie das Ziel angehen möchten.

Zum Thema Ziele/Motivation drei (echte) Beispiele in diesem Zusammenhang:

(1) Die Angestellte, Anfang 30, hat immer schon neben dem Beruf eine Fortbildung nach der anderen gemacht. Dabei ging es nie um kurzfristige Seminare, sondern immer um langwierige Studien. Auf Nachfragen stellt sich heraus, dass sich die Person im Beruf nie anerkannt fühlt. Sie macht einen Abschluss nach dem anderen und hofft, dass sich die Anerkennung "einstellt".

(2) Der Sachbearbeiter möchte gerne eine Gehaltserhöhung. Er ist der Ansicht, dass er seinem Unternehmen viel bringt und schon längst mehr Geld verdient hätte. Das direkte Gespräch sucht er jedoch nicht. Statt dessen geht er den Umweg über die Fortbildung: Er denkt, dass mit einem Schein automatisch sein "Wert" steigt und der Chef spätestens dann von sich aus mit einer Erhöhung kommen wird.

(3) Die Angestellte in der Finanzabteilung eines internationalen Konzerns überzeugt ihr Unternehmen, ihr eine Fortbildung zum Bilanzbuchhalter zu bezahlen - und außerdem ihre Arbeitszeiten von fünf auf vier Tage pro Woche zu verkürzen, damit sie besser lernen kann. Leider hat die Angestellte ihr lange gehegtes Ziel für diese Fortbildung nicht vor der Anmeldung hinterfragt. Tatsächlich war dieses Ziel nämlich schon längst veraltet. (siehe auch das entsprechende Interview)


Anhand dieser Beispiele wird schon klar, wie vielschichtig das Thema überhaupt ist. Wie immer gilt: Nur wenn Sie wissen, was Sie konkret anstreben und warum, können Sie an der richtigen Schraube drehen.

 

Geplant rangehen

"Ich bin doch keine Alexandra G.!" Das ist ein geflügeltes Wort unter einigen meiner Bekannten geworden. Alexandra G. war eine frühere gemeinsame Kollegin. Und sie ist unerreichter Meister der Konsequenz! Es war wirklich faszinierend, was Alexandra alles geregelt bekam, sobald sie sich dafür entschieden hatte. Gestern keinerlei Sport gemacht, ab morgen dreimal die Woche im Fitnessstudio. Ernährung umstellen wäre gut: Erledigt. Zweijährige Fortbildung mit Abendschule viermal pro Woche neben dem Vollzeit-Job: Durchgezogen.

Toll!
Und doch gelingt diese Konsequenz - verbunden mit der entsprechenden Ausdauer - nicht vielen Menschen.

Überlegen Sie sich also im zweiten Schritt, was der geeignete Weg für Sie ist, die Weiterbildung anzupacken.
Und hier ist relevant:

o Zeit/Dauer
o Lernform
o Geld

Tipp: Bleiben Sie offen, wenn Sie in dieser Informations-Sammelphase sind. Sagen Sie nicht gleich: Das geht nicht! Das krieg ich so nie gebacken! Das kann ich mir nicht leisten! Da macht mein Chef nicht mit! ... Wer so plant, der kommt nie zu Potte.
Denken Sie und sammeln Sie Informationen. Der Realitäts-Check kommt anschließend, wenn alles "auf dem Tisch liegt".


Fragen Sie sich also jeweils:

o Wieviel Zeit (a) kann und (b) möchte ich für die Fortbildung investieren, sowohl was die Gesamtdauer als auch was die Lernintensität angeht.

o Was für eine Lernform ist mir am liebsten? Habe ich genug Disziplin für einen Fernkurs? Oder weiß ich, dass ich etwas mit Präsenzseminaren machen muss, damit ich unmittelbar Rückmeldung bekomme und Fragen stellen kann? Lerne ich lieber in einer Gruppe oder für mich alleine? Bin ich eher praktisch orientiert und lerne anhand von zuschauen/selbst machen - oder brauche ich intensive theoretische Grundlagen und Zusammenhänge?

o Wieviel Geld (a) kann und (b) möchte ich investieren? Denken Sie hier in Plan A und Plan B. Plan A ist, wenn Sie anderweitig finanzielle Unterstützung bekommen. Plan B ist, wenn Sie selbst bezahlen.

Tipp: Denken Sie daran, dass "teuer" nicht automatisch "besser" ist. Es gibt hervorragende Fortbildungen für wenig und für viel Geld.

Wenn Sie nicht ganz sicher sind, ob eine spezielle Fortbildung etwas für Sie ist, dann rufen Sie den entsprechenden Trainer einfach an. Ein gutes Institut stellt gerne den Kontakt zu seinen Dozenten her. Gerade bei umfassenderen Fortbildungen ist es oft auch ganz gut, mit Leuten zu sprechen, die diese Weiterbildung selbst durchgezogen haben. Fragen Sie nach früheren Teilnehmern und nehmen Sie Kontakt auf.

Tipp: Stellen Sie jeweils konkrete Fragen, dann erhalten Sie von Trainern/ehemaligen Teilnehmern qualitativ hilfreicheres Feedback als wenn Sie nur Fragen "Wie ist es?"

 

Unterstützung von der Firma

Fragen Sie Ihr Unternehmen, inwieweit man Sie bei Ihrer Weiterbildung aktiv unterstützt. Das kann in Form von finanzieller Unterstützung sein - es kann auch in Form von zeitlichen Zugeständnissen sein.

Beispiel: Sie möchten in der Volkshochschule Ihr Englisch aufpolieren. Das würde aber bedeuten, dass Sie zehnmal jeden Mittwoch wirklich pünktlich raus müssen, besser noch eine Viertelstunde früher.

Informieren Sie Ihren Chef - und anschließend auch Ihre Kollegen - darüber. So brauchen Sie nicht jede Woche wieder auf glühenden Kohlen zu sitzen.

Bei längerfristigen Fortbildungen, die von der Thematik her dem Unternehmen zu Gute kommen, können Sie übrigens auch nachfragen, ob man die Fortbildung bezuschusst oder ganz bezahlt. Teilweise wünschen sich Firmen dann im Gegenzug, dass man sich verpflichtet, mindestens zwei-drei Jahre nach erfolgreichem Abschluss der Fortbildung bei der Firma zu bleiben. Andernfalls ist alles oder ein Teil zurückzubezahlen. Sofern Sie ohnehin nicht vorhaben zu wechseln, ist das ein guter Deal. Bringen Sie Ihr Unternehmen auf diese Idee, wenn das bisher nicht üblich ist.

Tipp: Wichtig ist, dass Sie aus Sicht des Unternehmens überlegen und argumentieren:

- Was hat die Firma davon, dass ich mich weiterbilde?

- Was hat die Firma davon, dass ich mich genau in diesem Bereich weiterbilde?

- Was sind meine kurz-/mittel-/langfristigen Ziele innerhalb des Unternehmens? Immerhin machen Sie die Fortbildung ja mit einem gewissen Grund - viele Leute planen beispielsweise einen internen Wechsel oder eine Ausweitung des Verantwortungsgebietes. Rechnen Sie auch mit diesen Fragen bzw. sprechen Sie das bei Ihrem Chef an.

Argumentieren Sie aber bitte niemals nur mit Ich-ich-ich. Denn ganz klar: Wenn sich Ihre Firma beteiligen soll, dann möchte sie auch was davon haben.

 

Nicht von Dritten abhängig machen

Machen Sie Ihre Fortbildung aber bitte nicht von der Unterstützung Ihres Arbeitgebers abhängig. Und auch nicht von Zeit und Geld. Viel zu oft werfen Menschen ihre Ziele weg, nur weil ihr "Plan A" nicht zum Tragen kommt.

Denken Sie daran, wie vielfältig Ihre Möglichkeiten sind sich weiterzubilden. Wenn Sie sich keine "teuren Kurse" leisten können, sehen Sie sich mal in der VHS um (die zu Unrecht oft ein negatives Image hat). Wenn Sie zeitlich zu eingespannt sind, greifen Sie zu einem guten Buch, das Ihnen neue Impulse bietet. Oder suchen Sie sich in Ihrem privaten oder beruflichen Umfeld Menschen, die das, was Sie sich aneignen möchten, gut können oder haben (wenn es um Eigenschaften/Fähigkeiten geht) - und lassen Sie es sich aktiv beibringen oder schauen Sie sich Positives ab!

 

 

 

Weiterbildungs-Special:

Weiterbildung neben dem Job
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