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Special: Stärken & Schwächen
"Ein offener Umgang mit den eigenen Schwächen kann einen sympathischer machen."
  Interview mit Stefan, 41 Jahre,
Unternehmensberater
   
  Stefan beantwortet uns einige Fragen zum Thema Stärken und Schwächen - der eigenen und der von Mitarbeitern - und wie er als Consultant und Vorgesetzter damit umgeht.
   

Welche Ihrer Stärken können Sie in Ihrem Beruf einsetzen?

Als meine persönliche Stärke sehe ich es an, unterschiedliche Sichtweisen und Interessen in den verschiedenen Fachabteilungen eines Unternehmens zu erkennen und das darin schlummernde Know-how konstruktiv für eine tragfähige Problemlösung zu nutzen.
Dahinter steht als Grundvoraussetzung die Fähigkeit zuhören zu können. Um das Aufgenommene richtig einordnen zu können, kommen ein breites Fachwissen (Breite vor Tiefe) und gesunder Menschenverstand hinzu. Dies wächst zugegebenermaßen mit dem Alter (= Erfahrung).


Gerade in exponierten Positionen wie der eines Beraters wird oft geraten, sich bloß nie eine Schwäche anmerken zu lassen. Wie gehen Sie mit Ihren Schwächen um?

Früher neigte ich dazu, persönliche Schwächen oder Unsicherheit hinter Sachlichkeit zu verstecken, also strikt sachorientiert vorzugehen.

So war ich ausgeprägt emotional distanziert, d. h. auf persönliche Dinge oder auf Befindlichkeiten meiner Gesprächspartner auf Kundenseite bin ich kaum eingegangen. Ich glaubte damit Objektivität zu demonstrieren (im Sinne von "mich nicht vereinnahmen lassen") und zudem übertünchte ich auf diese Weise meine Unsicherheit über die Situation, sozusagen auf dem Präsentierteller zu sein - und meine Befürchtungen, dass ich mich durch "Öffnen" angreifbar machen könnte.

Ich habe gelernt, dass ein offener Umgang mit den eigenen Schwächen, z. B. Verlegenheit oder Zerstreutheit, einen sympathischer machen kann, und ich gerade dadurch in vielen Situationen Menschen für Ziele und Maßnahmen einfacher gewinnen kann.

Als Beispiel kann ich nennen, dass ich früher versuchte meine Workshops strikt durchzuziehen, auch wenn ich merkte, dass ein großer Teil der Teilnehmer - z. B. weil sie Nachteile aus den Projektergebnissen erwarteten - nicht mitzog. Heute offenbare ich in solchen Situationen meine menschliche Seite und stelle die Sachthemen zurück, um erstmal einen Draht zu den Teilnehmern aufzubauen, während dem Workshop und in Gesprächen danach. Um es mal so zu sagen: Statt einer nicht durchsetzbaren "perfekten" Lösung (die es wahrscheinlich sowieso nicht gibt) lieber eine akzeptierte Lösung (die natürlich den Beratungsauftrag erfüllen muss, d. h. der Berater muss klar und hart bleiben, was die Kernthemen anbelangt).


Die Stärken der jeweiligen Mitarbeiter zu identifizieren und zu bündeln, ist ja eine zentrale Aufgabe eines Beraters (und Vorgesetzten). Wie gehen Sie hier vor? Woran machen Sie die Stärken Ihrer Leute fest?

Als Vorgesetzter führe ich jedes Quartal Mitarbeitergespräche. Im Mitarbeitergespräch lasse ich Projektinhalte, -probleme und -erfolge Revue passieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Teamgedanke. Der Beitrag des Einzelnen für den Teamerfolg und seine Persönlichkeitsmerkmale, die ihn für das Team auch menschlich wertvoll machen, werden von mir hervorgehoben.

Fachlich gesehen habe ich beispielsweise Mitarbeiter, die sich schwer tun den Kunden zu führen, denen also Kommunikationsstärke und Fingerspitzengefühl fehlen, die Projektbeteiligten für Ziele und Maßnahmen im Projekt zu gewinnen. Dafür haben sie beispielsweise eine hohe EDV-technische Kompetenz, die sehr wichtig ist, um Maßnahmen analytisch vorzubereiten und sie mit EDV-technischen Mitteln effizient umzusetzen.
Menschlich gesehen habe ich beispielsweise einen Mitarbeiter, der regelmäßig intern als Bedenkenträger auftritt und Neuerungen und Versuche neues Terrain zu erschließen erstmal negativ sieht. Dies bietet für mich und mein Team die Chance noch mal zu prüfen, ob wir etwas außer Acht gelassen haben und ob die Risiken vertretbar sind.

Ausgehend von dem Rückblick wird im Mitarbeitergespräch der persönliche Weiterentwicklungbedarf und -nutzen als individuelle Zielsetzung für das Folgequartal abgeleitet.

Beispielweise bekam der Bedenkenträger das Ziel, in seinem Projekt von ihm erkannte Probleme, ihre Ursachen und Lösungsvorschläge hierzu täglich schriftlich festzuhalten und mir wöchentlich zukommen zu lassen. Daraus ergab sich, dass er tatsächliche oder vermeintliche Probleme größtenteils selbst lösen konnte oder sie sich als Befürchtung und nicht als Tatsache herausstellten.
Ein weiterer positiver Effekt war, dass der Mitarbeiter sich selbst realistischer einzuschätzen lernte: In dem anschließenden gemeinsamen Gespräch über die Quartalszielerreichung ordnete sich der Mitarbeiter selbst als begrenzt belastbar ein und teilte mir mit, dass er nicht über Teilprojektleiterverantwortung hinausgehen wollte. Gleichzeitig erkannte ich weiterhin an, dass seine kritische Art ein wichtiger Kanal für latente Unsicherheiten der Gruppe war, wodurch Unzufriedenheiten oder Befürchtungen frühzeitig ausgeräumt werden konnten.

Meines Erachtens machen also gerade Unterschiede und Besonderheiten ihrer Mitglieder ein Team stark.


Wie könn(t)en Mitarbeiter Ihrer Meinung nach selbst dazu beitragen, dass Berater bzw. Vorgesetzte ihre Stärken besser und schneller erkennen?

Mit Offenheit und klarem Artikulieren, und nicht um die Dinge Herumreden, in der Erwartung, dass der Angesprochene die Muße hat, die Kompetenz und Persönlichkeit aus Andeutungen und reiner Beobachtung selber umfassend zu erforschen.

Der Mitarbeiter soll sich beispielsweise in Meetings mit seinen Meinungen und Kompetenzen aktiv einbringen, statt aus Scheu, etwas "Falsches" oder "Unausgereiftes" zu sagen, vorsichtig zu agieren. Bei Mitarbeitergesprächen soll der Mitarbeiter auch nicht darauf erpicht sein, an meiner Meinung über ihn anzuknüpfen, ebenso möchte ich nicht vorzugsweise hören, was er nicht kann. Er soll vielmehr offensiv sagen, was er kann und sich zutraut, und wie er es zu Gunsten des Teams und der Firma einzusetzen vermag. Das, was er aus eigener Kraft zu tun vermag, muss er dann auch tun, und zwar so, dass ich es registriere. Wo ich ihm Möglichkeiten und einen Rahmen eröffnen muss, soll er es mir - aus seiner Sicht - ebenso klar sagen.


Angenommen, jemand spielt mit dem Gedanken, Berater zu werden. Welche Stärken sind Ihrer Meinung nach absolut unverzichtbar für diesen Beruf - und warum? Gibt es Schwächen, die einen für diesen Beruf disqualifizieren - und warum?

Belastbarkeit und Flexibilität sind außerordentlich wichtig, da - bedingt durch das Wesen von Projektarbeit - oft und immer mal wieder unplanmäßige und den Fortgang erschwerende Situationen eintreten können.

Beispielsweise hat ein Berater über einen längeren Zeitraum gründlich recherchiert und analysiert und daraus einen Ansatz gewonnen, wie Maßnahmen abgeleitet werden können. Ein Abteilungsleiter, der von den bisherigen Ergebnissen nachteilig betroffen sein könnte, stellt bestimmte Annahmen und Erhebungen in Frage. Um dies sachlich ausräumen zu können, müsste der Berater wochenlange Arbeit reinstecken, die jedoch den Gesamtfortgang des Projektes verzögern würden. In dieser Situation - soweit vertretbar - muss der Berater souverän zu seinen Ergebnissen stehen und etwaige Unsicherheiten in den Annahmen und Erhebungen als vernachlässigbar hinstellen. Dies klingt vielleicht einfach, ist es jedoch mitnichten, da er sich zeitlich (ungeplant) mit der Kritik des Abteilungsleiters auseinander setzen und sie auch menschlich-persönlich aushalten muss.

Flexibilität bedeutet u. a., sich offensiv und gerne mit neuen Fachgebieten auseinander zu setzen. Wenn beispielsweise ein Berater eine IT-Abteilung optimieren soll, ohne es vorher gemacht zu haben, muss er in der Lage sein, sich mit methodischem Wissen (Analyse, Gesprächsführung etc.) und dem Übertragen von Wissen aus verwandten oder angrenzenden Fachgebieten den Zugang zu dem neuen Thema zu erschließen (beispielsweise hat er sich vielleicht mit technischen Services in einem anderen Projekt beschäftigt oder er kennt EDV-Bedürfnisse aus der Anwendersicht von Fachabteilungen).

Bescheidenheit disqualifiziert, weil der Kunde Leistungen und Ergebnisse in kurzer Folge präsentiert haben möchte. Eine mitunter "tödliche" Bescheidenheit ist beim Kunden die Aussage "das weiß ich nicht".

Ebenso ist es problematisch, mit einem hohen wissenschaftlichen Anspruch aufzutreten, denn in der Regel sind pragmatische Lösungen wirksamer als lehrbuchmäßige.

Beispielsweise kann ein Berater eine Straffung der Vertragswerkstattstandorte eines Fahrzeugherstellers unter den Kriterien Ersatzteilenachschub und Ausnutzung der Werkstattkapazitäten mit Rechenmodellen ableiten, aber dabei außer Acht lassen, dass der Kunde der Werkstatt - mathematisch nicht festzumachen - eine gewisse Länge von Anfahrtsstrecken nicht akzeptiert. So ist es zwar kostenoptimal, die Werkstattstandorte von beispielsweise 100 auf 60 zu straffen, jedoch verliert man Kunden an freie Werkstätten. Die pragmatische Lösung wäre eventuell, mit den Leuten der Werkstattstandorte darüber zu sprechen, wie sie mit Zusatzleistungen mehr Geschäft machen können, damit es sich für den Fahrzeughersteller rentiert. Hier wäre das mathematische Optimierungsmodell nicht die Lösung, sondern der Anreiz, andere Maßnahmen zu erschließen. Dafür gibt es kein Lehrbuch.

   
   
Stärken-Schwächen-Special:
 

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Ich hätte gern mehr Stärken
Die Selbstverständlichkeitsfalle

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Der Stärkenpool (Stärken von A-Z)

Intro-Seite "Stärken & Schwächen"

   
   
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