Zeigen Sie, was in Ihnen steckt!  
   
.
Bewerbung & Karriere
Christine Öttl coacht Bewerber
+ Führungskräfte.
  mehr erfahren
   
   
Business
Gitte Härter coacht Selbstständige und kleine Firmen.
  mehr erfahren
   
   
Onlinetipps lesen:
...
Bewerbung
...
Karriere
...
Selbstmanagement
...
Entscheidungen
...
Kommunikation
...
Mitarbeiterführung
...
selbstständig
...
Buchtipps

 

 

 

Zu gut verkauft?
  von Gitte Härter
 

Als Bewerber hat man's gar nicht so leicht: Einerseits will man sich möglichst gut darstellen, andererseits katapultiert man sich, wenn es blöd läuft, in Erwartungen hinein, die man nicht erfüllen kann. Oder in Positionen, denen man möglicherweise gar nicht gewachsen ist. Das wiederum bringt ungute weitere Konsequenzen mit sich: Extremer Druck und die Angst, die Probezeit nicht zu überstehen. Das alleine kann zu ungeschicktem Verhalten und Blockaden führen, an denen man schließlich scheitert.

Die größte Problematik ist allerdings, dass sich Bewerber oftmals in die Schublade "überqualifiziert" manövrieren, wenn Sie sich zu perfekt und erfahren darstellen.

Sich zu gut verkaufen, geht ganz schön schnell. Das geschieht manchmal irrtümlich, manchmal ganz bewusst - und es gibt auch viele Menschen, die haben so ein gutes Auftreten, dass man ihnen alles zutraut. Innerlich sieht es häufig jedoch ganz anders aus.

Damit Sie sich gut präsentieren - ohne unerwünschte Nebenwirkungen - hier typische Fallstricke, die Sie beachten sollten:

 

Schriftliches Hochstapeln

Faustregel: Behaupten Sie niemals pauschal "allen Anforderungen, die in der Anzeige stehen, gerecht zu werden". Das ist viel zu beliebig, um glaubwürdig oder interessant zu sein - abgesehen davon, dass Sie Ihrem Anschreiben damit einen Serienbrieftouch geben, der auf mangelndes Engagement schließen lässt.

Differenzieren Sie! Sie haben in Ihrer jetzigen Position nur teilweise in den Disziplinen gearbeitet, die nun gefragt sind? Dann sagen Sie das. Helfen Sie dem Personalentscheider dabei, Sie richtig einzuschätzen. Wenn sich dabei etwas relativiert oder Sie zugeben, dass Sie nicht zu 100 % auf das Profil passen, macht das gar nichts. Im Gegenteil: Sie machen viel mehr Eindruck und sind klarer zu greifen, wenn Sie konkret werden und ehrlich sagen das-und-das kann ich und habe ich schon gemacht, und dieses-und-jenes habe ich noch nicht oder nur zum Teil praktisch erledigt. So manövrieren Sie sich nicht in die Supermann-Ecke hinein, die Sie für ein späteres Bewerbungsgespräch möglicherweise noch dazu sehr unsicher machen könnte. Und Sie wirken sehr reflektiert und machen Punkte, weil sich - wie leider die Erfahrung zeigt - die wenigsten Mitbewerber wirklich individuell auf die aktuelle Position und Firma beziehen.

Hochstapeleien passieren aber natürlich oft auch ganz unbemerkt.


- Da wird im Lebenslauf unter Sprachen einfach "Englisch, Französisch, Italienisch" geschrieben. Dem Bewerber ist klar, dass er die einzelnen Sprachen unterschiedlich gut beherrscht. Für den Leser wirkt ein bloßes Aufzählen der Sprachen jedoch so, als ob diese sitzen, die Person also drei Sprachen KANN.


- Da werden durch Formulierungen im Anschreiben viel zu hohe Verantwortungsgebiete suggeriert. Ein plakatives Beispiel? Was vermuten Sie, wenn ich Ihnen sage, dass ich früher bei der Polizei tätig war und mit dazu beigetragen habe, dass Brandstifter hinter Schloss und Riegel kommen?

Na? War ich Kommissar? Habe ich ermittelt und die Handschellen klicken lassen? - Nö. Ich war Schreibkraft und habe Brandortberichte und Vernehmungen getippt. War das eine unterstützende Tätigkeit beim Fassen von Kriminellen? Natürlich war's das. Bleibt durch solche Formulierungen ein völlig anderes Bild beim Leser hängen? Aber sicher.


- Oder aber man hatte einen wichtiger klingenden Titel in der früheren Stelle. So werden in kleinen und mittleren Unternehmen schnell mal "-Leiter" oder "-Manager"-Posten verteilt. Besonders Absurdes passierte in einem englischsprachigen Unternehmen: Da wurden Abteilungsleiterposten plötzlich vom "Manager" zum "Director" umbenannt, obwohl sich gar nichts verändert hatte.

Hochgestochene oder englische Titel führen oft dazu, eindrucksvoll und höher angesiedelt zu klingen. Bitte machen Sie so etwas durch Konkretisierung wett (im Lebenslauf oder Tätigkeitsprofil ein paar erklärende Stichworte zum Verantwortungsgebiet) oder gehen Sie im Anschreiben kurz drauf ein. Und seien Sie vor allen Dingen realistisch: Ein leitender Posten in einem Drei-Mann-Betrieb ist von Verantwortungsgebiet und von der "Bedeutung", den die Position hat, natürlich anders zu bewerten als in einem Großunternehmen. Das klingt banal, doch ich staune häufiger über wirklich unrealistische Selbstüberschätzung von Bewerbern, die sich am Ende darüber wundern, dass die Bewerbung nicht den gewünschten Erfolg hat - oder aber, dass sie genommen wurden und dann kläglich an den tatsächlichen Anforderungen gescheitert sind, weil das Ganze etliche Schuhe zu groß war.

 

Stärkere Fassade

Gehören Sie zu den Menschen, die total selbstbewusst wirken? Manche haben einfach von Natur aus so eine Wirkung, sprechen sicher, kommen gut an - andere verdecken damit bewusst Unsicherheiten. Egal, worum es geht: Sie können sich durch eine gute Interaktion und durch konkretes Formulieren besser greifbar machen.

Dass Sie selbstbewusst sind oder so wirken, ist ja prinzipiell mal eine gute Sache. Gerade im persönlichen Gespräch hilft das auch und gibt Sicherheit (auch wenn man nicht ganz so sicher ist, wirkt sich selbstbewusstes Auftreten durchaus auch auf das Selbstbewusstsein in diesem Moment aus).

Damit man Sie aber nicht einfach nur als pauschal selbstsicher einschätzt und Ihnen per se alles zutraut, müssen Sie mit den Leuten reden. Genau hinterfragen, worum es geht, was die Position erfordert, was explizit erwartet wird, wie der Alltag aussieht - und ebenso konkret darauf antworten. Wie oben schon erwähnt: Sagen Sie selbstbewusst, was Sie können und was Sie schon gemacht haben - aber zeigen Sie auch Grenzen auf und lernen Sie auch, Ihr Zweifel auszudrücken.

Wichtig: Nachzufragen oder auch zu sagen "in dieser Beziehung bin ich mir nicht so ganz sicher" ist kein Zeichen von Schwäche! Ganz im Gegenteil: Sie machen Punkte, weil Sie sich differenziert betrachten und nicht generell sagen: Kann ich, kann ich, kann ich, wie das leider viele Bewerber tun, weil sie denken, es werde von ihnen erwartet.

 

VOR der Bewerbung: realitisch einschätzen

Eine gute Sache bevor Sie sich an ein Bewerbungsschreiben machen oder in ein Interview gehen, ist, dass Sie sich damit auseinandersetzen:

- was in der aktuellen Position gefragt ist (das steht entweder explizit in der Ausschreibung oder auch man kann vieles auch generell ableiten),

- wie Ihre persönliche Bilanz dazu aussieht: Wozu können Sie selbstbewusst "ja, das kann ich/habe ich schon gemacht" sagen und wo möchten Sie das relativieren oder gar zugeben, was noch nicht sitzt und wie Sie das wettmachen werden,

- wo sich "Zu-gut-verkauf"-Potenzial in Ihrem Lebenslauf versteckt (oder auch in früheren Anschreiben), wie Sie dies umgehen und konkretisieren und wie Sie dem begegnen können.


Wenn Sie das vorher machen, gehen Sie nicht nur selbstbewusster an die Bewerbungen ran, sondern Sie laufen auch nicht Gefahr, dass man Sie überschätzt.

Übrigens kann so ein Hochstapeln auch sofort dazu führen, dass Sie nicht genommen werden. Wenn Sie beispielsweise Sprach- oder PC-Kenntnisse ins Feld führen und dann schon einen simplen Praxistest im Rahmen eines Interviews nicht bestehen, geht es Ihnen nicht nur schlecht, sondern Ihre Qualifikation und auch Ehrlichkeit werden möglicherweise grundsätzlich in Frage gestellt.

   
   
zurück zur Übersicht:
Bewerbungstipps
alle Artikel
 
 
Vor und während des Bewerbungsprozesses gibt es immer wieder Themen, Fragen oder Schwierigkeiten, über die man gerne mit einer kompetenten Person sprechen und sich Feedback und Rat holen möchte.mehr
 
 
Nur wenn Sie sich aussagekräftig und interessant genug präsentieren, bekommen Sie eine Einladung zum Gespräch.mehr
 
 
 

 
 
 
(c) 1999-2010 objektiv. Bewerbung & Business, Christine Öttl und Gitte Härter GbR
St.-Cajetan-Straße 10, 81669 München, Tel. (0 89) 40 90 69 61, E-Mail:
objektiv@selbstmarketing.de