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Als
Bewerber hat man's gar nicht so leicht: Einerseits will
man sich möglichst gut darstellen, andererseits katapultiert
man sich, wenn es blöd läuft, in Erwartungen hinein,
die man nicht erfüllen kann. Oder in Positionen, denen
man möglicherweise gar nicht gewachsen ist. Das wiederum
bringt ungute weitere Konsequenzen mit sich: Extremer Druck
und die Angst, die Probezeit nicht zu überstehen. Das
alleine kann zu ungeschicktem Verhalten und Blockaden führen,
an denen man schließlich scheitert.
Die
größte Problematik ist allerdings, dass sich
Bewerber oftmals in die Schublade "überqualifiziert"
manövrieren, wenn Sie sich zu perfekt und erfahren
darstellen.
Sich
zu gut verkaufen, geht ganz schön schnell. Das geschieht
manchmal irrtümlich, manchmal ganz bewusst - und es
gibt auch viele Menschen, die haben so ein gutes Auftreten,
dass man ihnen alles zutraut. Innerlich sieht es häufig
jedoch ganz anders aus.
Damit
Sie sich gut präsentieren - ohne unerwünschte
Nebenwirkungen - hier typische Fallstricke, die Sie beachten
sollten:
Schriftliches
Hochstapeln
Faustregel:
Behaupten Sie niemals pauschal "allen Anforderungen,
die in der Anzeige stehen, gerecht zu werden". Das
ist viel zu beliebig, um glaubwürdig oder interessant
zu sein - abgesehen davon, dass Sie Ihrem Anschreiben damit
einen Serienbrieftouch geben, der auf mangelndes Engagement
schließen lässt.
Differenzieren
Sie! Sie haben in Ihrer jetzigen Position nur teilweise
in den Disziplinen gearbeitet, die nun gefragt sind? Dann
sagen Sie das. Helfen Sie dem Personalentscheider dabei,
Sie richtig einzuschätzen. Wenn sich dabei etwas relativiert
oder Sie zugeben, dass Sie nicht zu 100 % auf das Profil
passen, macht das gar nichts. Im Gegenteil: Sie machen viel
mehr Eindruck und sind klarer zu greifen, wenn Sie konkret
werden und ehrlich sagen das-und-das kann ich und habe ich
schon gemacht, und dieses-und-jenes habe ich noch nicht
oder nur zum Teil praktisch erledigt. So manövrieren
Sie sich nicht in die Supermann-Ecke hinein, die Sie für
ein späteres Bewerbungsgespräch möglicherweise
noch dazu sehr unsicher machen könnte. Und Sie wirken
sehr reflektiert und machen Punkte, weil sich - wie leider
die Erfahrung zeigt - die wenigsten Mitbewerber wirklich
individuell auf die aktuelle Position und Firma beziehen.
Hochstapeleien
passieren aber natürlich oft auch ganz unbemerkt.
- Da wird im Lebenslauf unter Sprachen einfach "Englisch,
Französisch, Italienisch" geschrieben. Dem Bewerber
ist klar, dass er die einzelnen Sprachen unterschiedlich
gut beherrscht. Für den Leser wirkt ein bloßes
Aufzählen der Sprachen jedoch so, als ob diese sitzen,
die Person also drei Sprachen KANN.
- Da werden durch Formulierungen im Anschreiben viel zu
hohe Verantwortungsgebiete suggeriert. Ein plakatives Beispiel?
Was vermuten Sie, wenn ich Ihnen sage, dass ich früher
bei der Polizei tätig war und mit dazu beigetragen
habe, dass Brandstifter hinter Schloss und Riegel kommen?
Na?
War ich Kommissar? Habe ich ermittelt und die Handschellen
klicken lassen? - Nö. Ich war Schreibkraft und habe
Brandortberichte und Vernehmungen getippt. War das eine
unterstützende Tätigkeit beim Fassen von Kriminellen?
Natürlich war's das. Bleibt durch solche Formulierungen
ein völlig anderes Bild beim Leser hängen? Aber
sicher.
- Oder aber man hatte einen wichtiger klingenden Titel in
der früheren Stelle. So werden in kleinen und mittleren
Unternehmen schnell mal "-Leiter" oder "-Manager"-Posten
verteilt. Besonders Absurdes passierte in einem englischsprachigen
Unternehmen: Da wurden Abteilungsleiterposten plötzlich
vom "Manager" zum "Director" umbenannt,
obwohl sich gar nichts verändert hatte.
Hochgestochene
oder englische Titel führen oft dazu, eindrucksvoll
und höher angesiedelt zu klingen. Bitte machen Sie
so etwas durch Konkretisierung wett (im Lebenslauf oder
Tätigkeitsprofil ein paar erklärende Stichworte
zum Verantwortungsgebiet) oder gehen Sie im Anschreiben
kurz drauf ein. Und seien Sie vor allen Dingen realistisch:
Ein leitender Posten in einem Drei-Mann-Betrieb ist von
Verantwortungsgebiet und von der "Bedeutung",
den die Position hat, natürlich anders zu bewerten
als in einem Großunternehmen. Das klingt banal, doch
ich staune häufiger über wirklich unrealistische
Selbstüberschätzung von Bewerbern, die sich am
Ende darüber wundern, dass die Bewerbung nicht den
gewünschten Erfolg hat - oder aber, dass sie genommen
wurden und dann kläglich an den tatsächlichen
Anforderungen gescheitert sind, weil das Ganze etliche Schuhe
zu groß war.
Stärkere
Fassade
Gehören
Sie zu den Menschen, die total selbstbewusst wirken? Manche
haben einfach von Natur aus so eine Wirkung, sprechen sicher,
kommen gut an - andere verdecken damit bewusst Unsicherheiten.
Egal, worum es geht: Sie können sich durch eine gute
Interaktion und durch konkretes Formulieren besser greifbar
machen.
Dass
Sie selbstbewusst sind oder so wirken, ist ja prinzipiell
mal eine gute Sache. Gerade im persönlichen Gespräch
hilft das auch und gibt Sicherheit (auch wenn man nicht
ganz so sicher ist, wirkt sich selbstbewusstes Auftreten
durchaus auch auf das Selbstbewusstsein in diesem Moment
aus).
Damit
man Sie aber nicht einfach nur als pauschal selbstsicher
einschätzt und Ihnen per se alles zutraut, müssen
Sie mit den Leuten reden. Genau hinterfragen, worum es geht,
was die Position erfordert, was explizit erwartet wird,
wie der Alltag aussieht - und ebenso konkret darauf antworten.
Wie oben schon erwähnt: Sagen Sie selbstbewusst, was
Sie können und was Sie schon gemacht haben - aber zeigen
Sie auch Grenzen auf und lernen Sie auch, Ihr Zweifel auszudrücken.
Wichtig:
Nachzufragen oder auch zu sagen "in dieser Beziehung
bin ich mir nicht so ganz sicher" ist kein Zeichen
von Schwäche! Ganz im Gegenteil: Sie machen Punkte,
weil Sie sich differenziert betrachten und nicht generell
sagen: Kann ich, kann ich, kann ich, wie das leider viele
Bewerber tun, weil sie denken, es werde von ihnen erwartet.
VOR
der Bewerbung: realitisch einschätzen
Eine
gute Sache bevor Sie sich an ein Bewerbungsschreiben machen
oder in ein Interview gehen, ist, dass Sie sich damit auseinandersetzen:
- was
in der aktuellen Position gefragt ist (das steht entweder
explizit in der Ausschreibung oder auch man kann vieles
auch generell ableiten),
- wie
Ihre persönliche Bilanz dazu aussieht: Wozu können
Sie selbstbewusst "ja, das kann ich/habe ich schon
gemacht" sagen und wo möchten Sie das relativieren
oder gar zugeben, was noch nicht sitzt und wie Sie das wettmachen
werden,
- wo
sich "Zu-gut-verkauf"-Potenzial in Ihrem Lebenslauf
versteckt (oder auch in früheren Anschreiben), wie
Sie dies umgehen und konkretisieren und wie Sie dem begegnen
können.
Wenn Sie das vorher machen, gehen Sie nicht nur selbstbewusster
an die Bewerbungen ran, sondern Sie laufen auch nicht Gefahr,
dass man Sie überschätzt.
Übrigens
kann so ein Hochstapeln auch sofort dazu führen, dass
Sie nicht genommen werden. Wenn Sie beispielsweise Sprach-
oder PC-Kenntnisse ins Feld führen und dann schon einen
simplen Praxistest im Rahmen eines Interviews nicht bestehen,
geht es Ihnen nicht nur schlecht, sondern Ihre Qualifikation
und auch Ehrlichkeit werden möglicherweise grundsätzlich
in Frage gestellt.
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