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Immer
wieder lerne ich Menschen kennen, die sich 100 %-ig auf
ein bevorstehendes Bewerbungsgespräch vorbereiten,
sprich im Vorfeld eine Antwort auf jede nur mögliche
Frage ausarbeiten möchten, die ihnen gestellt werden
könnte. Doch das ist schlicht und einfach nicht machbar.
Denn die Art der Fragen wird von verschiedenen Faktoren
bestimmt: von den Erwartungen des jeweiligen Unternehmens,
von der Person des Interviewers und auch vom Verlauf des
Gespräches und der zwischenmenschlichen Dynamik.
Es
gibt unendlich viele Fragen, die kommen können
Natürlich
ist es sinnvoll und wichtig, sich mit den Standardfragen
zu beschäftigen und sich intensiv darauf vorzubereiten.
Doch so unterschiedlich die Persönlichkeiten der Interviewer,
die Bedürfnisse und Erwartungen der verschiedenen Unternehmen
und der Verlauf einzelner Gespräche sein können,
so gibt es unendlich viele Fragen, die kommen können.
Hier nur ein paar Beispiele:
- die Standardfragen in anderer "Verpackung"
z. B.
statt "Was sind Ihre Stärken?":
"Wenn Sie ein Produkt wären, was würde im
Werbeprospekt stehen?" - "Warum sollten wir gerade
Sie einstellen?" - "Wenn ich Ihr Kollege wäre,
was würde ich besonders an Ihnen schätzen?"
- Fragen, die unternehmensspezifisch und/oder für
die Position besonders wichtig sind
z. B.
"Stehen Sie gerne im Mittelpunkt?" - "Wie
wichtig ist es Ihnen, Arbeit und Privatleben voneinander
zu trennen?" - "Könnten Sie sich vorstellen,
mehrere Jahre lang dieselbe Tätigkeit zu verrichten?"
- Lieblingsfragen
des Interviewers
z. B.
"Was motiviert Sie dazu, morgens aufzustehen?"
- "Wie könnte ich Sie auf die Palme bringen?"
- "Wenn Sie ein Tier/eine Pflanze/ein Buch wären:
Was wären Sie dann und warum?"
- Fragen, die sich im Gespräch ergeben
z. B.
"Sie haben vorher gesagt, dass Sie immer gerne im Team
gearbeitet haben. Hat Teamarbeit Ihrer Meinung nach nur
positive Aspekte?" - "Ich habe den Eindruck, dass
Sie sich vor allem für die Aufgaben X und Y begeistern.
Wie sieht es mit den administrativen Dingen aus?" -
"Wie ich Sie bisher kennen gelernt habe, kann ich mir
vorstellen, dass Sie wirklich gut mit anderen Menschen umgehen
können. Auch in stressigen Zeiten und wenn es Schwierigkeiten
gibt?"
Je
wichtiger die Persönlichkeit, umso weniger berechenbar
sind die Fragen
Vor
allem Unternehmen, die viel Wert auf die Persönlichkeit
ihrer Mitarbeiter legen und ganz klare Erwartungen haben,
beschränken sich nicht darauf, die bekannten Standardfragen
zu stellen. Um wirklich an die Bewerber heranzukommen, sie
aus der Reserve zu locken und als Menschen kennen zu lernen,
kommen absichtlich und geplant auch Fragen, auf die man
sich eben keine Antwort zurechtlegen kann, sondern auf die
man spontan reagieren muss.
Am
besten: eine fundierte und breite Vorbereitung
Aus
diesem Grunde ist es nicht wirklich hilfreich und ausreichend,
Bewerbungsratgeber zu wälzen und Antworten auf alle
dort genannten Fragen festzulegen oder gar zu übernehmen.
Ein Bewerbungsgespräch ist kein Multiple-Choice-Test,
sondern ein (mehr oder weniger) intensiver und lebendiger
Dialog mit einem oder mehreren Menschen aus Fleisch und
Blut. Deshalb ist die beste Vorbereitung nicht eindimensional
und starr, sondern möglichst breit und besteht aus
folgenden Bausteinen:
1. sich
selbst gut kennen
2. Standardfragen gut vorbereiten
3. individuelle Vorbereitung für das konkrete Gespräch
1.
sich selbst gut kennen
Die
beste Grundlage, um mit allen Fragen, auch mit völlig
unerwarteten, souverän und überzeugend umgehen
zu können, ist, sich selbst gut zu kennen. Das
erreicht man, indem man intensiv über sich nachdenkt,
Klarheit über die eigene Persönlichkeit hat, seine
Stärken und Schwächen kennt - sowohl die fachlichen
als auch die persönlichen.
Ein
guter Weg ist, den eigenen Werdegang zu studieren, jede
einzelne Station genau zu beleuchten und sich vor Augen
zu führen: warum man was wann gemacht hat, Erfolge
und Misserfolge, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die
man jeweils einbringen bzw. ausbauen konnte, inwiefern man
sich als Kollege bewährt hat, wofür man gelobt
bzw. getadelt wurde, was andere Menschen an einem schätzen
usw.
2.
Standardfragen gut vorbereiten
Ja,
sich mit den bekannten Standardfragen zu beschäftigen
und Antworten darauf zu finden, ist sehr sinnvoll und hilfreich.
Nicht nur, weil im Gespräch tatsächlich die eine
oder andere kommen kann, sondern vor allem, um sich beim
Nachdenken über sich selbst leiten zu lassen.
Um sich
wirklich gut auf ein Bewerbungsgespräch vorzubereiten,
dessen Ablauf - wie gesagt - sich einfach nicht vorhersehen
lässt, sollten Sie allerdings keine vorgebenen Antworten
aus Büchern oder von anderen Leuten übernehmen.
Sondern sich zwar mal inspirieren lassen, aber auf jeden
Fall eigene Antworten finden. Gute Personaler erkennen nämlich
recht schnell, wenn Bewerber angelesene oder undurchdachte
Inhalte zum Besten geben. Und bohren entsprechend nach oder
verlieren das Interesse.
3.
individuelle Vorbereitung für das konkrete Gespräch
Ein
weiterer wichtiger Baustein ist, möglichst viel Klarheit
über das aktuell bevorstehende Gespräch zu gewinnen
und sich mit folgenden Themen zu beschäftigen:
Was
für eine Person wird gesucht? Welche fachlichen und
persönlichen Anforderungen werden gestellt? Was braucht
man Ihrer eigenen Meinung und Erfahrung nach, um den angestrebten
Job gut machen zu können? Wie präsentiert sich
das Unternehmen? Und inwiefern bin ich ein guter Kandidat/eine
gute Kandidatin? Was bringe ich alles mit?
All das sind Themen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in
der einen oder anderen Form zur Sprache kommen werden.
Wichtig:
im Gespräch flexibel und offen sein
Doch
die beste Vorbereitung nützt wenig, wenn man im Gespräch
verkrampft und zurückhaltend wirkt und zu wenig über
sich erzählt. Es ist sehr wichtig, mit einer positiven
und offenen Grundeinstellung ins Gespräch zu gehen,
dem Interviewer wirklich zuzuhören und sich auf einen
echten Dialog einzulassen. Das fällt meiner Erfahrung
nach am leichtesten, wenn man sich ganz klar macht: "Mein
Gesprächspartner stellt mir Fragen, um mich möglichst
gut kennen zu lernen, mit meinen fachlichen Qualitäten
und vor allem meine Persönlichkeit."
Mit
dieser inneren Einstellung fällt es am leichtesten,
ruhig und souverän zu bleiben, nachzudenken und von
der guten Vorbereitung auch wirklich zu profitieren.
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